NRW-Maschinenbau

Präzise Produktionstechnik von Peiseler dreht und wendet 100 Tonnen – und das schnell

Remscheid. Sie drehen und wenden Titanblöcke, aus denen die Anschlüsse für die Flügel des Riesenjets Airbus A 380 gefräst werden. Sie bringen bei Siemens über 100 Tonnen schwere Turbinenwellen zur Bearbeitung in Position. Und manchmal helfen sie, Weltmeister zu werden.

Die Rede ist von Maschinen-Komponenten der Firma Peiseler aus Remscheid. Auch im Rennsport sorgen die manchmal für Furore. Indirekt. Denn als das Ferrari-Team die Zylinderköpfe der Formel-1-Motoren von Michael Schumacher mit Technik aus dem Bergischen Land fräste, wurde der Kerpener im Jahr 2000 erstmals in einem Ferrari Weltmeister.

„Wir sind Spezialisten etwa für Zweiachsschwenkeinrichtungen“, sagt Benedict Korischem, der die Firma zusammen mit Lothar Schwarzlose besitzt und führt.

Zweiachsschwenkeinrichtungen? Um die zu verstehen, geht man am besten mal in die Küche und schält Kartoffeln. Geübte drehen und wenden die natürlich ganz flott – und flugs hat das Messer seine Arbeit getan.

Genau das machen im Prinzip auch die Produkte aus Remscheid. Eingebaut in großen Maschinen halten sie den Bohrern und Fräsen die Werkstücke zur Bearbeitung hin. Und bewegen sie blitzschnell und unermüdlich hin und her.

Korischem beschreibt den Unterschied zwischen Mensch und Maschine so: „Stellen Sie sich vor, auf Ihrer ausgestreckten Hand steht ein 27-Tonnen-Sattelzug. Den sollen sie nun fix im Handgelenk drehen und wenden, ohne die Position des Armes um weniger als ein Zehntel der Dicke eines Haares zu verändern. So präzise und von hoher Steifigkeit sind unsere Maschinenteile.“ Es sei dieser Bereich jenseits des hundertstel Millimeters, der den Unterschied mache zwischen chinesischem und deutschem Maschinenbau.

Auch Cartier fräst mit Technik aus Remscheid

Die Komponenten aus NRW gehen an alle großen Werkzeugmaschinen-Hersteller. Die bauen sie in ihre Bearbeitungszentren ein, die in der Auto- und Flugzeug-Industrie ebenso zum Einsatz kommen wie im Kraftwerksbau oder in der Medizintechnik. Aber auch Cartier arbeitet mit den Anlagenteilen – um Fassungen für Brillanten in sündhaft teure Uhren zu fräsen.

Pro Jahr verkauft Peiseler rund 2.500 Komponenten. Die 200 Mitarbeiter in Remscheid und Moorbach (Hunsrück) erwirtschaften damit jährlich zwischen 20 und 25 Millio­nen Euro. Dass deutsche Maschinenbauer auf dem Weltmarkt die Nase vorn haben, liegt auch an versierten Schlossern wie Karl-August Rottsieper.

Er montiert die Komponenten, die über Präzisionslager, Getriebe, Schnecken, elektrische Antriebe und Winkelmesssysteme verfügen. Rottsieper ist seit 43 Jahren dabei: „Das Gefühl für die Maschinen bekommst du erst im Lauf der Jahre. Sie haben die Präzision eines Uhrwerks.“ Nur: „Sie sind viel größer und schwerer.“ 


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