Weiterbildung

Power-Programm für den Aufschwung


Wabco qualifiziert während der Kurzarbeit seine Mitarbeiter

Hannover. Kurzarbeit bei Wabco: Die Absatzkrise wütet in der Nutzfahrzeug-Industrie besonders heftig. Und das bekommen auch Zulieferer wie Wabco zu spüren. Das Unternehmen ist einer der weltweit führenden Anbieter von elektronischen Brems- und Fahrzeugregel-Systemen sowie von Federungs- und Antriebssystemen für Nutzfahrzeuge. Kurzarbeit hilft in dieser Situation. Und die Krise bietet auch eine Chance: Qualifizierung.

Während des gesamten Zeitraums der Kurzarbeit bietet Wabco umfangreiche Weiterbildungsmaßnahmen an.

„Uns ist wichtig, dass möglichst viele Mitarbeiter die Zeit der Kurzarbeit sinnvoll nutzen“, sagt Wabco-Geschäftsführer Jürgen Heller.

Konsequentes Bemühen

Statt zu Hause auf den nächsten Aufschwung zu warten, besucht ein großer Teil der Belegschaft jetzt Weiterbildungsveranstaltungen.

Wabco gehört zu den ersten Firmen, die sich sehr konsequent um die Fördermittel der Agentur für Arbeit bemüht haben.

Knapp 2500 Mitarbeiter beschäftigt Wabco am Standort Hannover. „Wir haben alle schon Ende April über das Angebot informiert“, sagt Projektleiterin Nadine Brauer.

Eine große Herausforderung für die betrieblichen Organisatoren. Die entscheidenden Fragen: Wie viele aus der Belegschaft machen mit? Welche Weiterbildungsangebote werden benötigt?

Gespräche mit den Leitern der Produktionsteams halfen weiter. Qualitätsmanagement, Sprachen, Projektmanagement, EDV bis hin zur Ausbilder-Eignungsprüfung – die Ergebnisliste ist lang. „Wir hatten auf 500 Teilnehmer gehofft“, sagt Projektleiterin Brauer. „Wahrscheinlich werden es aber rund 1.000 Teilnehmer.“

Auf die Bedürfnisse zugeschnitten

Eine gewaltige logistische Herausforderung. Gemeinsam mit dem Institut für Berufliche Bildung (IBB) wurde innerhalb weniger Wochen diese große Schulungsmaßnahme entwickelt. Gut, dass im firmeneigenen Schulungs-Center, nur wenige Meter vom Betriebsgelände, ausreichend Räume frei waren. Für die nötige technische Ausstattung mit Beamern und insgesamt 60 Computer-Arbeitsplätzen sorgte der Bildungsträger IBB. Einige Trainingsinhalte wurden speziell auf die Bedürfnisse von Wabco zugeschnitten.

„Wir haben Schulungsgruppen von rund 20 Teilnehmern“, erklärt Heiko Miedlich vom IBB. „Seit Juni starteten wir mit wenigen Gruppen, ab August schulen wir dann täglich 100 bis 120 Teilnehmer.“Helmut Minnich gehörte zu den Ersten. „Ehrlich gesagt war ich anfangs etwas skeptisch“, erzählt er. „Aber schon die ersten Schulungstage haben mich überzeugt.“

In der Produktion arbeitet auch Marina Suderburg. Das Qualitäts-Management hat ihr Interesse geweckt. „Das SixSigma-Lean-Training kann ich zurzeit sehr gut gebrauchen“, sagt sie. „Warum soll ich die freie Zeit jetzt nicht sinnvoll nutzen. Ich finde das klasse.“

Werner Fricke

So fördert der Staat in der Krise

Rückwirkend zum 1. Februar 2009 bekommen Betriebe zusammen mit dem Kurzarbeitergeld auch 50 Prozent der Sozialversicherungsbeiträge erstattet (Pauschale).

Nutzt ein Mitarbeiter mindestens die Hälfte der ausgefallenen Arbeitszeit für Weiterbildung, zahlt die Bundesagentur für Arbeit die gesamten Beiträge zur Sozialversicherung in dieser Zeit. Für den Antrag auf Kurzarbeit reicht es, wenn betroffene Mitarbeiter in einem Kalendermonat einen Lohnausfall von mehr als 10 Prozent haben. Statt betroffener 33 Prozent der Arbeitnehmer reicht schon ein Kurzarbeiter. Zudem können Firmen den Antrag auf die Staatshilfe jetzt auch für Leiharbeiter und zeitlich befristet Beschäftigte stellen.

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