Zukunft der Energie

Power-Pack fürs Klima


Evonik-Experten tüfteln an umweltschonender Energie

Auch ungewöhnliche Wege führen zu Erfindungen. Klinkenputzen zum Beispiel. Chemie-Ingenieur Stefan Nordhoff hat es ausprobiert. Mehrere Monate streif­ten er und sein Team durch die Büros und Labors des Unternehmens Evonik. Und fragten die Kollegen: Wie können wir mehr Energie sparen? Wie können wir das Klima besser schützen? Wie Wind- und Sonnenenergie speichern?

Das war im Frühjahr. Heute tüfteln Nordhoff und 50 Mitarbeiter bereits an den Antworten auf diese Fragen. Viele von ihnen in einem eigenen For­schungszentrum in Marl, dem Science-to-Business-Center „Eco2“. Über 50 Millionen Euro will Evonik hier in den nächsten fünf Jahren investieren. Bis dahin sollen die ersten Erfindungen marktreif sein.

Hauptsache, es nutzt der Umwelt.

Mehr als 250 Ideen sammelte der fleißige Forscher, 21 Projekte versprechen raschen Erfolg. Die gehen die Teams nun an. „Wir wollen in kurzer Zeit Lösungen auf den Markt bringen, die beim Klimaschutz zumindest teilweise helfen. Das ist besser, als in 20 Jahren eine 100-prozentige Lösung zu haben“, erklärt Nordhoff. Hauptsache, es tut der Umwelt gut. AKTIV stellt vier Projekte vor:

Filter für Kohlendioxid.

Man kann das Treibhaus-Gas zwar schon aus den Rauchgasen der Kraftwerke wa­schen. Aber das verbraucht Energie und setzt zusätzlich Kohlendioxid frei – nicht schön für den Klimaschutz. Die Idee: „Wir wollen das Gas mit einer Spezial-Technik teilweise abtrennen“, so Nordhoff. „Das benötigt kaum zusätzliche Energie.“

Zusatznutzen: Statt das Klimagas irgendwo zu lagern, wollen die Marler es in Chemieprodukte wie Kunststoffe einbauen.

 

Speicher für die Power.

Solarzellen und Windräder produzieren mal mehr, mal weniger Strom. Bei maximalem Stromverbrauch müssen deshalb häufig Kraftwerke als Puffer einspringen. Das wäre nicht nötig, wenn sich der alternative Strom besser speichern ließe. Die Idee: Lithium-Ionen-Batterien, wie wir sie aus Handys und Laptops kennen, aber groß wie eine Telefonzelle und robust. Nordhoff: „Sie könnten den Strom zwischenspeichern.“

Dämmen mit Pfiff.

Heute packt man Dach und Wände einfach in Styropor. Basta. Die Idee: Wie wäre es, wenn die Isolierung zugleich Energie liefern würde? Zum Beispiel durch Solarfolien, die dämmen und Strom produzieren. Oder durch Isolier-Material, das über Wärmetauscher Wasser oder Luft erwärmt.

Mehr Kraft aus Kohle.

Maximal 45 Prozent Wirkungsgrad schaffen Kraftwerke heute, der Rest der Energie verpufft ungenutzt. Die Idee: „Mehr als 50 Prozent Wirkungsgrad wären drin, wenn man Wasserdampf und Turbinen auf bis zu 700 Grad hochheizen könnte, also stärker als heute“, meint Nordhoff. Doch die „Höllen-Temperaturen“ verschleißen die Röhren rasch. Neue Materialien müssen her. Da kann die Chemie helfen.

Stefan Nordhoff und sein Team sind überzeugt davon. Und packen es an. Damit auch ihre Kinder eine lebenswerte Welt vorfinden.

Matilda Jordanova-Duda

 

Info: Science-to-Business-Center

Das Science-to-Business-Center „Eco2“ für Energie-Effizienz und Klimaschutz ist das dritte Forschungszentrum dieser Art von Evonik in Marl. Rund 50 Mitarbeiter sollen hier Energie-Techniken der Zukunft entwickeln. 50 Millionen Euro will der Konzern investieren. Grundlagenforscher, Naturwissenschaftler, Ingenieure und künftige Anwender arbeiten hier zusammen, damit Ideen schneller Wirklichkeit werden.

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