Plagiate

Piraten-Jägerin

Plagiaten auf der Spur:­ Welches Wälzlager ist das Original? Die Arbeit der Fälscher (im Bild das rechte Lager) werde immer besser, sagt Ingrid Bichelmeir-Böhn. Foto: Karmann

Ingrid Bichelmeir-Böhn kämpft für Schaeffler gegen Produkt-Fälscher

Herzogenaurach. Diese Frau kann warten. Aber wenn der richtige Zeitpunkt gekommen ist, schnappt sie blitzschnell zu. „Irgendwann“, sagt Ingrid Bichelmeir-Böhn, „kriege ich sie alle.“

Die 45-Jährige koordiniert für Schaeffler in Herzogenaurach weltweit den Kampf gegen Produkt- und Markenfälschung. Man kann auch sagen: Sie jagt Produkt-Piraten.

Die sitzen überall und kopieren hemmungslos Waren des fränkischen Unternehmens, etwa Lager oder Getriebeteile. Die Waffen der Juristin im Kampf gegen die Fälscher sind Schutzrechte und Paragrafen, Razzien und Gerichtsverfahren. Ihre Erfolgsgeheimnisse sind aber Ruhe und Beharrlichkeit.

„Mein Geschäft hat etwas von Hase und Igel“, sagt Bichelmeir-Böhn. Sie kommt immer erst dann ins Spiel, wenn in den Fälscherwerkstätten rund um den Globus wieder etwas ausgeheckt worden ist. 14 Jahre im Metier haben sie vor allem eines gelehrt: „Die Kreativität dieser Leute kann man gar nicht überschätzen.“

Seit Jahren wird es immer schwieriger, den Machenschaften auf die Schliche zu kommen. Denn die Arbeit der Fälscher wird immer besser. „Früher hat man eine Kopie in die Hand genommen und erst einmal herzlich gelacht“, erzählt die Piraten-Jägerin. Heute erkennt selbst ein Fachmann Plagiate nur noch an Kleinigkeiten. Kunden müssten höllisch aufpassen, warnt sie.

„Wir kennen nur die Spitze des Eisbergs“

Fälschungen und Kopien können nämlich eine Gefahr für den Kunden bedeuten. „Die Qualität ist meist deutlich schlechter – selbst wenn viele Teile optisch gut aussehen“, erklärt Bichelmeir-Böhn. Zudem beeinträchtigen Plagiate das Geschäft des Herstellers. Schaeffler verliert jährlich einen dreistelligen Millionenbetrag – genau beziffern lassen sich die Umsatzeinbußen nicht. „Wir kennen schließlich nur die Spitze des Eisbergs“, sagt die Schaeffler-Frau.

Wenn die Juristin Glück hat, kommt sie Fälschern auf die Spur, weil Kunden fehlerhafte Produkte reklamieren. Läuft es dumm, ist dann schon ein Schaden entstanden. Im schlimmsten Szenario wird solch ein Vorfall gar nicht gemeldet – und der Kunde schreibt die miese Qualität Schaeffler zu.

Bichelmeir-Böhn meint: „Neben den Gefahren und Unannehmlichkeiten für unsere Kunden ist der Schaden für das Image unserer Marken die größte Gefahr, die von Plagiaten ausgeht.“

Verdeckte Ermittler suchen Hinweise

Das Ziel ist deshalb, den Fälschern so früh wie möglich das Handwerk zu legen und das Material zu beschlagnahmen, bevor es überhaupt in den Handel kommt. Bichelmeir-Böhn beauftragt dazu überall auf dem Globus verdeckte Ermittler, die wie Privatdetektive arbeiten. Sie geben sich zum Beispiel gegenüber Fälschern als Zwischenhändler aus.

Die Erkenntnisse laufen dann in Herzogenaurach zusammen. „Spuren zu verfolgen und miteinander zu verknüpfen, gleicht häufig dem Lösen eines Puzzles“, sagt die Piraten-­Jägerin. „Aber ich habe einen langen Atem.“


Meine Arbeit

Wie kamen Sie zu Ihrem Beruf?

Während meines Jura-Referendariats habe ich für Schaeffler gearbeitet, unter anderem eine Woche im Bereich Gewerblicher Rechtsschutz. So konnte ich in das Markenrecht hineinschnuppern.

Was reizt Sie am meisten?

Ich muss die Geschäftsmodelle der Fälscher analysieren. Erst dann kann ich mit geeigneten Mitteln die Gefahr für unsere Kunden minimieren.

Worauf kommt es an?

Man darf nie aufstecken. Mich motiviert es, die Welt „ein bisschen besser“ zu machen, indem ich den Markt von Fälschungen säubere.

Artikelfunktionen


'' Zum Anfang