Biotech-Arzneien im Blick

Pharmazulieferer Sartorius hat die Trends im Blick – und will bald stark wachsen

Göttingen. Der „Monolith“, den der Feinmechaniker Bernd Stude auf dem großen Bild oben so konzentriert betrachtet, verkörpert die große Tradition der Sartorius AG. Er ist das Herzstück einer modernen Präzisionswaage. Schon sehr früh hat das im Jahr 1870 gegründete Unternehmen die ersten Waagen und Filter produziert. Auf diesem Geschäft, Premium-Produkte für Laborausstattung, basiert auch heute noch etwa ein Drittel des Umsatzes.

Doch erklärtes Ziel ist es, den Umsatz bis 2020 zu verdoppeln. Aufmerksam beobachtet man hier den Wandel auf dem Gesundheitsmarkt und passt sich ihm an.

Zwei Entwicklungen nennt der Vorstandsvorsitzende Joachim Kreuzburg als Wachstumstreiber: „Zum einen der Trend zu biotechnologisch hergestellten Medikamenten. Und zum anderen die zunehmende Verwendung von Einwegtechnologie bei der Herstellung dieser Präparate.“

Inzwischen sind von den neu zugelassenen Medikamenten fast die Hälfte Biopharmazeutika, also auf Basis von organischem Material produziert. Ihr Anteil an allen Arzneien beträgt gut ein Fünftel, und er steigt. Sartorius liefert Materialien für die gesamte Prozesskette: Nährmedien für die Zellen, Filter, Kunststoffbeutel, Schläuche, Bioreaktoren, Sensorik. Hier werden die verbleibenden zwei Drittel des Umsatzes erwirtschaftet.

„Die Menschen bei uns können sich entwickeln“

Und der zweite Trend, dass man bei der Herstellung von Biopharmaka mehr Einwegprodukte verwendet? Der Laie mag das mit Vergeudung von Ressourcen assoziieren – doch das Gegenteil ist richtig: Wasser- und Energieverbrauch sind geringer, es gibt kein Risiko durch Verunreinigungen aus der Produktion. Dadurch liegen die Kosten für die Produktion bis zu 40 Prozent niedriger.

„Und da der Biopharma-Markt jährlich rund 8 Prozent zulegt“, so Firmenchef Kreuzburg, „sollten wir mit Raten im oberen einstelligen Bereich wachsen können.“ Schon seit den späten 90er-Jahren übernahm Sartorius Unternehmen und damit Produktsparten, die den Weg ins vielversprechende Geschäft mit Biotechnologie bereiteten. Einer der wichtigsten Zukäufe in jüngster Zeit war der finnische Liquid-Handling-Spezialist und Pipetten-Hersteller Biohit.

Bei aller Konzentration auf die Markttrends achtet man bei Sartorius erklärtermaßen auf „familiären Umgang“, so Firmensprecherin Petra Kirchhoff. „Die Menschen bei uns können sich entwickeln, etwa indem sie die Sparte, den Bereich oder Standort wechseln.“

Sartorius habe auch diverse Rückkehrer, die für einige Jahre woanders gearbeitet haben und dann wieder hier einsteigen. „Das halte ich für ein gutes Signal“, sagt Kirchhoff. „Wir sind ein offenes Unternehmen.“


    Die Sartorius AG

    Foto: Ginter
    Foto: Ginter

    Das bereits 1870 gegründete Unternehmen verfügt heute über rund 50 Standorte weltweit. Von insgesamt 6.000 Mitarbeitern arbeiten etwa 2.000 am Stammsitz Göttingen.

    Im Jahr 2015 hat Sartorius rund 1,1 Milliarden Euro Umsatz erzielt. Das Unternehmen konzentriert sich auf zwei Sparten: Einwegprodukte für die Biopharma-Produktion (Foto) sowie Premium-Produkte für Laborausstattung.

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