Aus dem Stadtrat ins Chefbüro

Petra Betz war Bürgermeisterin – heute steht sie an der Spitze von Stahl Lasertechnik

Wackersdorf. Jeden Tag Entscheidungen treffen. Das lag Petra Betz schon immer. Im eigenen Unternehmen wie in der Politik. Bis vor einem Jahr saß die 52-Jährige für die CSU im Stadtrat von Regensburg. Sechs Jahre lang, von 2002 bis 2008, war sie dritte Bürgermeisterin der Domstadt – bis ihre Partei ein Mandat abgeben musste. Und heute? Da leitet die engagierte Unternehmerin die Firma Stahl Lasertechnik in Wackersdorf in der Oberpfalz. Den Betrieb für Blech- und Metallverarbeitung hatte ihr Vater 1990 gegründet.

„Durchsetzungskraft, Weitblick und Verhandlungsgeschick, das braucht man überall“, sagt die zweifache Mutter zu ihrem Wechsel aus der Politik in die Wirtschaft.

Betz ist bei Stahl Lasertechnik Chefin von 120 Mitarbeitern. Sie betreut das Geschäft mit 600 Kunden aus dem Maschinen-, Fahrzeug- und Anlagenbau. Seit ihrem Eintritt 2008 hat sie einiges bewegt im Betrieb. Die Unternehmertochter investierte 4,3 Millionen Euro in eine neue Halle und Maschinen und schuf 40 zusätzliche Arbeitsplätze.

Derzeit laufen die Bauarbeiten für eine Lackiererei. „Diese Aufträge haben wir bisher nach draußen vergeben“, so Betz, die nach dem Abitur eine Banklehre gemacht und später Betriebswirtschaft studiert hat. „Jetzt holen wir den Arbeitsschritt ins Haus. So sind wir schneller, und die Kunden bekommen alles aus einer Hand.“

Mit 24 Jahren Autohaus geleitet

Die Managerin trägt eine große Verantwortung. Dennoch kann sie ruhig schlafen. „Ich bin risikobereit“, so Betz, „doch das Risiko muss überschaubar sein.“

Unternehmerisches Denken hat die Frau schon in jungen Jahren gelernt: „Ich wuchs in einer Unternehmerfamilie auf.“ Der Urgroßvater besaß eine Schmiede, der Opa ein Autohaus, der Vater, Diplomingenieur, verwirklichte seinen Traum und gründete 1980 eine Firma für Sondermaschinenbau. Die führt heute sein Sohn Christian. Es folgte die Stahl Lasertechnik, nun in der Hand von Petra Betz.

„Schon beim Frühstück wurde über die Firma gesprochen“, erinnert sie sich. Meist ging es um Probleme, etwa ob dringend benötigte Teile schon geliefert und Rechnungen bezahlt waren. „Unternehmer sein ist richtig anstrengend“, dachte sich Betz damals. Und fasste den Entschluss: „Das tue ich mir nicht an.“ Doch es kam anders. Heute macht ihr das Managen riesigen Spaß.

Im Alter von 24 Jahren leitete Betz bereits das elterliche Autohaus. Allerdings mehr aus der Not heraus. Der Geschäftsführer musste gehen, nachdem ihm Betz Unregelmäßigkeiten nachgewiesen hatte. Mit 25 war die findige Kauffrau Delegierte im Kfz-Händlerverband. „Da wurde hart verhandelt, es ging um Margen und Abnahmekontingente.“

Just in diese anstrengende Berufsphase platzte die Anfrage der CSU, ob sie für den Stadtrat kandidieren wolle. Betz erinnert sich: „Ich war gerade schwanger mit dem ersten Kind.“ Doch sie überlegte nicht lange und sagte zu. Schon nach der ersten Legislaturperiode stand dann die Frage im Raum, ob sie für das Amt als Bürgermeisterin kandidieren will. „Mittlerweile hatte ich zwei kleine Kinder – und immer noch das Autohaus“, so Betz. Sie schaffte auch das.

Ihr Ressort war die Sozialpolitik

Gut wirtschaften, das musste sie während ihrer Amtszeit im Regensburger Rathaus genauso wie jetzt in der eigenen Firma. Ihr Ressort war damals Soziales. Betz stellt klar: „Auch im sozialen Bereich muss man wirtschaftlich denken.“

Der Unterschied zwischen dem politischen Amt und ihrer jetzigen Aufgabe im Betrieb ist für Betz nicht groß: Ihr liegt am Herzen, dass die Qualität der Arbeit stimmt und dass alle zufrieden sind. „Letzteres ist in der Politik nicht immer einfach“, gibt sie zu bedenken. „Und als Frau ist es dort viel schwieriger, respektiert zu werden.“

Persönlich

Wie kamen Sie zu Ihrem Beruf?

Ich bin in einer Unternehmerfamilie aufgewachsen. Mit Technik habe ich kein Problem, Physik war mein Lieblingsfach in der Schule.

Was reizt Sie am meisten?

Der Umgang mit meinen Mitarbeitern und Kunden. Denn der Mensch steht für mich im Mittelpunkt, auch wenn meine Arbeit viel mit Zahlen zu tun hat.

Worauf kommt es an?

Auf vorausschauendes Denken, Risikobereitschaft und Augenmaß. Es gilt, Chancen zu erkennen, für den Einzelnen und fürs Geschäft.


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