Fachkräfte

Per „Speed Dating“ geben Betriebe ausländischen Ingenieuren eine Chance


Hannover. Der erste Eindruck muss stimmen. Also wirft Atziber Jiminez (23) schnell noch einen Blick in den Spiegel, bevor sie sich zu ihrem ersten Date mit Marvin Chlebus, Personalreferent von Stiebel Eltron, begibt. 15 Minuten bleiben beiden, um sich ein Bild voneinander zu machen.

Die junge Spanierin beendet im Juni an der Hochschule Osnabrück ihr Ingenieurstudium. Danach möchte sie gern in Deutschland arbeiten. „In meiner Heimat habe ich keine Chance auf einen Job“, sagt sie und verweist auf die extrem hohe Jugendarbeitslosigkeit auf der Iberischen Halbinsel.

Die meisten gehen nach dem Studium wieder in ihre Heimat

Während in vielen süd- und außereuropäischen Krisenländern Arbeit Mangelware ist, suchen deutsche Betriebe händeringend Ingenieure. Der Fachkräftemangel ist zur Wachstumsbremse geworden. Deshalb engagieren sich der Arbeitgeberverband NiedersachsenMetall, das Niedersächsische Wirtschaftsministerium, die Deutsche Messe AG und die Regionaldirektion Niedersachsen-Bremen der Bundesagentur für Arbeit gemeinsam für eine gesteuerte Zuwanderung von internationalen Fachkräften. Kürzlich organisierte man während der Hannover Messe die Fachkräfte-Plattform „High Potentials for Germany“ und eine Firmenkontaktmesse.

In kurzen Vorstellungsgesprächen („Speed Dates“) trafen fast 100 ausländische Ingenieurstudenten mit 20 namhaften Industriefirmen zusammen, auch mit ABB, Bosch und Wabco.

Natürlich wissen Personaler wie der Stiebel-Eltron-Mann Chlebus: „15 Minuten reichen nicht für ein vollständiges Vorstellungsgespräch.“ Aber man gewinne doch einen ersten Eindruck voneinander. Welchen Lebenslauf bringen die Bewerber mit, welche beruflichen Vorstellungen haben sie, passt die Chemie? „Das versuchen wir zu klären – und wir sagen den Bewerbern konkret, welche Stellen wir besetzen wollen.“

In Niedersachsen und Bremen schließen pro Jahr rund 600 ausländische Studierende aus Ländern außerhalb der EU ihr Maschinenbau-, Informatik- oder Elektrotechnikstudium ab, in ganz Deutschland sind es rund 4.700. Das Problem: Fast drei Viertel von ihnen verlassen das Land wieder.

„Wir müssen sie in unserem Land halten“, fordert Volker Schmidt, Hauptgeschäftsführer von NiedersachsenMetall. „Das ist ein Exodus an Know-how für eine rohstoffarme Nation wie Deutschland.“

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