Fitte Oldies werden zu „Space Cowboys“

Pensionierte Mitarbeiter helfen ihrer alten Firma – zum Beispiel bei Daimler

Im Einsatz: Reinholt Reinert (Zweiter von rechts) an seinem früheren Arbeitsplatz. Foto: Werk

Stuttgart. Reinhold Reinert ist Rentner – und ein gefragter Mann: Der 64-Jährige arbeitet in der Getriebe-Planung, die bei Daimler in Stuttgart im Werksteil Hedelfingen den Aufbau der Produktion für ein neues Getriebe plant und umsetzt. Dafür ist der Maschinenbau-Ingenieur als Senior Experte für einige Monate in den Planungsbereich zurückgekehrt, wo er auch früher tätig war.

„Space Cowboys – Daimler Senior Experts“ nennt der Daimler-Konzern dieses Projekt, nach einem Film von Clint Eastwood, in dem frühere Astronauten dank ihrer Erfahrung die Welt retten.

„Der Anlauf einer neuen Fertigungslinie ist komplex. Ich habe das in meinen 35 Berufsjahren mehrmals gemacht und kann diese Erfahrung an junge Mitarbeiter weitergeben“, sagt Reinert. Auf Zeit wieder in seinen alten Beruf einzusteigen, ist für ihn „eine tolle Erfahrung“.

„Das erweitert meinen Horizont, und es zeigt Wertschätzung, wenn man gefragt wird“, ergänzt er. „Unser Unternehmen“, sagt Personalvorstand Wilfried Porth, „profitiert von den Erfahrungen und dem Know-how der Space Cowboys.“ Seit dem Start des Programms vor eineinhalb Jahren haben sich 490 frühere Mitarbeiter online registriert.

Eine Altersgrenze gibt es nicht. Der bisher älteste Senior im Einsatz war ein 74-Jähriger. Weibliche Kräfte sind ebenso gefragt. Aktuell sind rund 150 solcher Fachleute im Einsatz oder haben diesen abgeschlossen.

Reinert ist von Anfang an dabei. Seine erste Aufgabe führte ihn für neun Monate in ein Projekt, in dessen Verlauf er eine Woche pro Monat vor Ort in Russland arbeitete. Dort unterstützte er den Anlauf einer Motorenproduktion. „Ich profitiere stark von alten Netzwerken“, sagt der Ingenieur.

95 Prozent der teilnehmenden Senioren würden gern weiterhin in solchen Projekten mitarbeiten, das ergab eine Daimler-Umfrage. Typische Einsatzbereiche sind neben der Produktion auch IT und Entwicklung.

Der Industriekonzern Bosch in Stuttgart setzt schon seit 1999 ehemalige Mitarbeiter für zeitlich begrenzte Aufgaben ein. Mehr als 40.000 Jahre Wissen bringen alle 1.600 Ruheständler zusammen mit, die aktuell zum Expertenpool gehören.

Bedarf an Ehemaligen steigt

Die Forscher des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln (IW) haben in einer Studie schon 2009 nachgewiesen, dass ein Fünftel aller Unternehmen auf Ingenieure zurückgreift, die bereits aus dem Arbeitsleben ausgeschieden sind. „In den letzten Jahren dürfte dieser Anteil noch gestiegen sein“, sagt IW-Forscher Professor Axel Plünnecke. „Aufgrund des demografischen Wandels wird diese Strategie in Zukunft an Bedeutung gewinnen.“


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