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Werften

Pella Sietas baut ein neues Baggerschiff

Die Vertiefung der Elbe kommt. Ein guter Anlass für einen Werft-Besuch im Hamburger Süden, wo gerade ein neuer Schwimmbagger entsteht. Er soll Mitte 2019 in Betrieb gehen und künftig die Fahrrinne freihalten.

Es geht voran: Ein Blick in die Werfthalle von Pella Sietas, in der das Saugbaggerschiff gebaut wird. Foto: Christian Augustin

Es geht voran: Ein Blick in die Werfthalle von Pella Sietas, in der das Saugbaggerschiff gebaut wird. Foto: Christian Augustin

Spezialist bei der Arbeit: Schweißer Dieter Tiedemann verbindet zwei dicke Bleche mit dem Unter-Pulver-Schweißgerät. Foto: Christian Augustin

Spezialist bei der Arbeit: Schweißer Dieter Tiedemann verbindet zwei dicke Bleche mit dem Unter-Pulver-Schweißgerät. Foto: Christian Augustin

Schnittmuster: Am Brenntisch werden Teile aus einem Blech geschnitten. Foto: Christian Augustin

Schnittmuster: Am Brenntisch werden Teile aus einem Blech geschnitten. Foto: Christian Augustin

Zahlensystem: Jedes der ausgeschnittenen Teile hat eine eigene Nummer. Foto: Christian Augustin

Zahlensystem: Jedes der ausgeschnittenen Teile hat eine eigene Nummer. Foto: Christian Augustin

Feinschliff: Zeki Ustaalioglu entgratet mit der Flex die Kanten eines Ausschnitts im Blech der Schiffkonstruktion. Foto: Christian Augustin

Feinschliff: Zeki Ustaalioglu entgratet mit der Flex die Kanten eines Ausschnitts im Blech der Schiffkonstruktion. Foto: Christian Augustin

Entladevorgang: So wie hier beim Saugbaggerschiff „Werner Möbius“ wird der Laderaum nach dem Baggern entleert. Foto: Sandra Platzer

Entladevorgang: So wie hier beim Saugbaggerschiff „Werner Möbius“ wird der Laderaum nach dem Baggern entleert. Foto: Sandra Platzer

Schiffsmodell: So ungefähr wird der Laderaumsaugbagger aussehen, der derzeit auf der Pella Sietas Werft gebaut wird. Foto: Andreas Costanzo

Schiffsmodell: So ungefähr wird der Laderaumsaugbagger aussehen, der derzeit auf der Pella Sietas Werft gebaut wird. Foto: Andreas Costanzo

Traditionsbetrieb: Die Pella Sietas Werft im Süden von Hamburg wurde im Jahr 1635 gegründet. Foto: Michael Zapf

Traditionsbetrieb: Die Pella Sietas Werft im Süden von Hamburg wurde im Jahr 1635 gegründet. Foto: Michael Zapf

Anderthalb Jahrzehnte lang wurde diskutiert, prozessiert und sondiert, aber nun ist es endlich so weit – die Vertiefung der Elbe kann beginnen. Eine gute Nachricht für die örtliche Hafenwirtschaft und die norddeutsche Industrie.

Freuen können sich auch die Unternehmen, die die dafür benötigten Baggerschiffe bauen. Eines von ihnen ist die Hamburger Pella Sietas Werft, die ihren Sitz unweit von Finkenwerder am Neuenfelder Fährdeich hat.

Hier erfolgte Anfang 2018 nach einem Jahr Entwicklungs- und Konstruktionsarbeit der Brennstart für den Laderaumsaugbagger, der von der Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes (WSV) in Auftrag gegeben wurde. Das 132 Meter lange und 23 Meter breite Spezialschiff soll, sobald die eigentliche Vertiefung des Flusses erfolgreich abgeschlossen wurde, künftig vor allem auf der Tideelbe eingesetzt werden, damit die ausgebaggerte Fahrrinne auch wirklich frei bleibt.

7.500 Kubikmeter Schlick passen in den Laderaum

„Es geht also um sogenannte Unterhaltungsbaggerungen“, erklärt Björn Pape, der als Chief Operations Officer (COO) für das operative Geschäft der Werft zuständig ist. „Der Saugbagger hat ein Ladevolumen von 7.500 Kubikmetern und wird im 24-Stunden-Betrieb arbeiten.“

7.500 Kubikmeter – das klingt viel, ist aber wenig im Vergleich zu der Menge an Schlick, die regelmäßig beseitigt werden muss. Nach Angaben des WSV werden für die Erhaltung der Zufahrten in die Elbe, die Ems, die Jade, die Weser und im Ostseerevier alljährlich etwa 40 Millionen Kubikmeter weggebaggert. Der neue Schwimmmbagger kostet rund 95 Millionen Euro

Die Brutto-Summe für den neuen Bagger liegt bei rund 95 Millionen Euro, die aus dem „Zukunftsinvestitionsprogramm“ des Bundes kommen. Pape: „Als die Ausschreibung Mitte 2016 vorlag, haben wir ein Angebot erstellt und eingereicht. Offenbar war es überzeugend, denn Ende 2016 bekamen wir den Zuschlag.“

Von Vorteil dürfte für das Unternehmen auch gewesen sein, dass es jede Menge Erfahrung in seinem Metier hat. Die Werft wurde im Jahr 1635 gegründet und zählt heute zu den ältesten Betrieben der Hansestadt. „Außerdem“, so Pape, „sind wir, anders als andere Werften, eher generalistisch tätig: Wir sind nicht auf bestimmte Schiffstypen spezialisiert und machen vieles, was die anderen nicht machen, weil wir schnell und wendig sind.“

Kein Outsourcing, alles aus einer Hand

In der großen Werfthalle wird unterdessen schon emsig an dem Schiff gearbeitet. Im vorderen Bereich steht die Brennmaschine, auf der die benötigten Bauteile mit einem Plasmastrahl aus einem dicken Blech herausgeschnitten werden.

„Jedes Teil hat eine eigene Nummer“, sagt Jens Neldner, der die Maschine gerade für den nächsten Durchlauf einrichtet. „So ist sichergestellt, dass man jederzeit transparente Verhältnisse hat und alle Teile richtig zugeordnet werden kann.“

Einige Meter weiter sitzt sein Kollege Dieter Tiedemann auf einem Schemel und steuert konzentriert einen Schweißapparat, der zwei große Stahlbleche miteinander verbindet. „Wir schweißen hier unter Pulver“, sagt er. „Das ist ein spezielles Lichtbogen-Schweißverfahren, bei dem der eigentliche Prozess unter einer Schicht aus mineralhaltigem Pulver stattfindet. Bei langen Nähten und Blechen dieses Kalibers ist das die beste Methode.“

Seit der Übernahme hat die Werft wieder Oberwasser

Ein Blick auf die Baupläne neben ihm an der Wand zeigt, dass auch die Konstruktion von eigenen Mitarbeitern übernommen wurde. „Stimmt“, sagt Björn Pape, „hier kommt alles aus einer Hand. Wir haben das Schiff selbst konstruiert und auf Outsourcing verzichtet.“ Die Werft konnte sich dabei unter anderem auf Erfahrungen stützen, die sie vor einiger Zeit beim Bau von zwei anderen Saugbaggern gesammelt hatte.

Abgeliefert werden soll der jetzige Neubau Mitte 2019. Um den Auftrag wie geplant abwickeln zu können, wurde eigens die Belegschaft aufgestockt. Pape: „Wir wachsen ohnehin und wollen auch den Ausbildungsbereich ausbauen.“

Aktuell beschäftigt die Werft, die 2014 nach einer Insolvenz von einem russischen Schiffbauer übernommen wurde, rund 250 Mitarbeiter. In den Orderbüchern gibt es einige sehr interessante Aufträge, darunter auch eine 74 Meter lange Inselfähre für Norderney, die mit einem umweltfreundlichen Hybridantrieb fahren wird.


Das Laderaumsaugbaggerschiff

Der neue Schwimmbagger, der gerade von Pella Sietas gebaut wird, ist ein sogenannter Hopperbagger. Das heißt: Er hat einen Laderaum (Hopper), in dem er das Baggergut transportiert, um es an anderer Stelle abzuladen. Der Schlick, den der Bagger vom Grund des Gewässers holt, wird mit einer Saugleitung nach oben befördert, die an ihrem unteren Ende mit einem Saugschleppkopf ausgestattet ist.

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