Menschen

Patenter Forscher


Maximilian Fleischer gehört zu den erfindungsreichsten Siemens-Tüftlern

München. Schon immer wollte er den Dingen auf den Grund gehen und Technik verstehen. Bereits als Kind konnte er seiner Neugier nicht widerstehen. Statt kleine Spielzeugautos hin und her zu schieben, baute sie der Junge lieber auseinander. Maximilian Fleischer, der seit 1992 für Siemens in München forscht, erinnert sich noch gut daran: „Da hat mein Vater oft geschimpft.“

150 Patente angemeldet

Später nahm Fleischer Haushaltsgeräte und Möbel auseinander. „Einmal habe ich sogar einen Einbauschrank zerlegt.“ Nach einer Pause fügt er mit einem Schmunzeln hinzu: „Und wieder zusammengebaut.“ Die Familie hat aber von der Tüftler-Leidenschaft des Sohnes auch profitiert.

Schon als Zehnjähriger habe ich die Jalousien repariert, wenn das Band in der Rolle verwickelt war.“

Schreiner gehörte anfangs zu seinen Berufswünschen, und Lokführer. Doch er entschied sich für ein Physik-Studium in seiner Heimatstadt. In dieser Zeit knüpfte er erste Kontakte zu Siemens. In dem Elektronik-Konzern gehört er nun zu den fleißigsten Erfindern in der zentralen Forschungsabteilung: 150 Patente hat der 47-Jährige  angemeldet. 2003 kürte ihn Siemens zum „Erfinder des Jahres“.

 

Fleischers Forschungswelt sind chemische Mini-Sensoren. Damit lassen sich beispielsweise giftige Gase aufspüren. Der kräftige Bayer kann sich dafür richtig begeistern: „So lässt sich mit Sensorik auch etwas Gutes für die Umwelt tun.“

Es gibt dafür noch mehr Einsatzmöglichkeiten – zum Beispiel für die Gesundheit. Mit seinem 16-Mann-starken Team hat Fleischer ein Frühwarngerät für Asthma-Kranke entwickelt. Ein bis zwei Tage vor einem drohenden Asthma-Anfall stellt der Sensor kleinste Veränderungen des Atems fest und warnt den Patienten.

Die erstaunliche Messgenauigkeit des Frühwarngeräts veranschaulicht Fleischer mit einem Vergleich: „Die festgestellte Konzentration in der Luft ist so gering wie der Inhalt eines Schnapsglases im Verhältnis zu einem 250 Quad­ratmeter großen und vier Meter tiefen Schwimmbecken.“

Manchmal auch ein Fehlschlag

Aus Fleischers Labor stammt auch ein reiskorngroßer Sensor-Chip im Autoschlüssel. Er misst den Alkoholgehalt der Atemluft. Bläst der Fahrer in den Sensor und werden 0,5 Promille überschritten, muss er ein Taxi oder den Bus nehmen. Denn dann lässt sich der Wagen erst einmal nicht mehr starten. Ein schwedischer Autohersteller erprobt derzeit, in Eiseskälte, den Schlüssel mit der besonderen Wegfahrsperre.

Manchmal muss Fleischer auch Fehlschläge hinnehmen: Projekte, die ohne marktfähiges Produkt abgebrochen werden. Der optimistische Forscher lässt sich davon nicht verdrießen: „Daran reift man mehr als an Erfolgen – und bleibt auf dem Boden der Tatsachen.“ Dank der Erfahrung kann sich Fleischer immer besser auf sein Bauchgefühl verlassen: „Das stimmt meistens“, sagt er. So erkenne er relativ früh, ob eine Idee vielversprechend sei.

Fleischer ist Forscher mit Leib und Seele, aber zu Hause tüftelt er nicht – ganz anders als in seiner Kindheit. „Ich habe nicht einmal eine Werkstatt“, erzählt der Vater von zwei Töchtern. Beruf und Familie werden ganz klar getrennt: „Meinen Forscherdrang lebe ich in der Firma aus.“

Joachim Herr

 

Meine Arbeit

Wie kamen Sie zu Ihrem Beruf?

Ich hatte schon immer ein Faible für Technik. Nach dem Abitur stand für mich fest, dass ich das zu meinem Beruf machen will.

Was gefällt Ihnen besonders?

Der Austausch mit vielen Leuten über Ideen und Problemlösungen.  Andere von Erfindungen begeis­tern zu können.

Worauf kommt es an?

Man muss auf andere zugehen und den Umgang mit Menschen mögen. Zum Glück gibt es in der Forschung nicht mehr viele, die nur im stillen Kämmerlein arbeiten.

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