24.000 Hefte pro Stunde – fast vollautomatisch

Papierverarbeitung: Bei Baier & Schneider hat das neue Schuljahr schon begonnen

Heilbronn. Rund elf Millionen Kinder und Jugendliche werden nach den Sommerferien in Deutschland wieder in die Schulen stürmen. Immer mit dabei, in allen möglichen Varianten: das gute alte Heft. Und deswegen haben die Mitarbeiter von Baier & Schneider in Heilbronn derzeit besonders viel zu tun.

Die Druckmaschinen und eine der nach Firmenangaben modernsten Heftstraßen Europas laufen auf vollen Touren, damit rechtzeitig zum Schulanfang die Regale in den Läden prall gefüllt sind. „Unsere Anlage schafft 24.000 Hefte pro Stunde“, erklärt Maschinenführer Mathias Otto stolz. Rund 3 Millionen Euro hat die alles in allem rund 64 Meter lange Anlage gekostet, die seit 2006 in Betrieb ist.

Kalender, Karteikarten und Notizbücher

„Würden wir rund um die Uhr produzieren, sieben Tage die Woche, könnten wir damit annähernd den kompletten Bedarf an Schulheften in Deutschland abdecken“, sagt Jan A. W. Schneider, einer der Geschäftsführer und Ur-Ur-Enkel von einem der Firmengründer.

Julius Baier und Andreas Schneider begannen 1877 mit einem Papiergroßhandel in Heilbronn. Seitdem hat sich die Firma in Sachen Schulartikel, Kalender & Co. zu einem der größten Unternehmen Europas entwickelt, mit weiteren Standorten in Bielefeld, Teichröda (Thüringen) und in der Schweiz. Insgesamt 950 Mitarbeiter erwirtschafteten 2013 einen Umsatz von rund 135 Millionen Euro. Exportiert wird in mehr als 60 Länder, zum Beispiel nach Japan, Südamerika und Afrika.

Die Produktpalette ist vielfältig: Aus mehr als 10.000 Tonnen Papier pro Jahr entstehen Hefte unter dem Markennamen „Brunnen“ sowie Haftzettel, Notizklötze, Karteikarten und Blöcke. Mehr als die Hälfte des Umsatzes wird aber mit Kalendern und Notizbüchern in Sonderanfertigungen erzielt. So lassen etwa Banken oder Versicherungen auf ihr Unternehmen zugeschnittene Exemplare anfertigen, die dann Mitarbeiter und Kunden bekommen. Dazu kommen Geschäftsbücher, wie sie beim Arzt oder Friseur für den schnellen Überblick bei der Terminvereinbarung im Einsatz sind.

Papier bleibt gefragt, davon ist der Chef überzeugt: „Trotz Smartphones und Computern mit integrierten Terminkalendern wollen viele nicht darauf verzichten“, stellt Schneider fest.

Damit das auch so bleibt, gibt es für die junge Kundschaft Kalender mit trendigen Motiven. Dazu passen dann Hefter, Mäppchen, Stifte oder witzige Radiergummis, die das Unternehmen als Handelsware zukauft.

Als Billigangebot beim Discounter wird man diese Produkte allerdings nicht finden. Selbst einen Werksverkauf oder einen eigenen Onlineshop lehnt Schneider ab. Denn: „Langfristig werden die Firmen Erfolg haben“, sagt er, „die so nah wie möglich am Kunden sind. Und unser Partner ist eben vor allem immer noch der Fachhandel, er bekommt von uns jede Unterstützung.“ Von der individuellen Beratung über den Service bis zu Regalsystemen oder Lieferungen innerhalb von 24 Stunden.

Letzteres gelingt durch ein modernes Logistikzentrum in einem Gewerbegebiet westlich von Heilbronn. Es bietet Platz für mehr als 30.000 verschiedene Artikel.

Allein die Schulhefte gibt es in 40 unterschiedlichen Lineaturen, von der Schreibhilfe-Variante für die Erstklässler über Vokabelbüchlein bis zum DIN-A4-Klassiker – kariert mit weißem Rand für die Mathearbeit …

Harter Wettbewerb setzt kleinen Firmen zu

Der Druck auf Unternehmen wie Baier & Schneider ist allerdings enorm: Billige Massenware macht vor allem kleineren Firmen das Überleben schwer. Um im Verdrängungswettbewerb zu bestehen, hat sich der Heilbronner Papierverarbeiter für die Übernahme sanierungsbedürftiger Firmen entschieden – und so die eigene Produktpalette ausgebaut.

„Wir konnten unsere Kompetenz bei Schulheften und Kalendern durch zusätzliche Spezialitäten stärken“, sagt Schneider. Allein in den letzten zehn Jahren sind acht Unternehmen und ihre Marken übernommen worden. So gehört inzwischen auch ein Hersteller von hochwertigem Geschenkpapier zur Gruppe – und sogar ein Komplettanbieter von Bastelbedarf.


Übrigens …

Er liebt die Arbeit an der Druckmaschine: Wilfried Ruoff, seit 38 Jahren bei Baier & Schneider. Foto: Scheffler
Er liebt die Arbeit an der Druckmaschine: Wilfried Ruoff, seit 38 Jahren bei Baier & Schneider. Foto: Scheffler

Rasante Entwicklung der Drucktechnik

  • Wilfried Ruoff hat 1976 seine Ausbildung zum Drucker bei Baier & Schneider in Heilbronn begonnen – und er ist dem Unternehmen bis heute treu geblieben: „Mit dem Bleisatz habe ich angefangen und dann hier die rasante Entwicklung der Drucktechnik miterlebt“, sagt er.
  • Als Ruoff anfing, konnte eine Maschine in einer Stunde immerhin 1.000 Bogen einseitig bedrucken. Heute schafft die moderne Druckanlage (im Bild rechts) 13.000 Bogen pro Stunde – und das beidseitig bedruckt.
  • Allein diese neue Druckmaschine mit fünf Farben, einem Lackmodul sowie einer Wendeeinrichtung hat rund 3 Millionen Euro gekostet. Jahr um Jahr werden rund 3 bis 5 Prozent des Umsatzes ins Unternehmen investiert.

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