Familie & Beruf

Papa arbeitet gleich neben der Kita


Hagen. „Wumm! Wumm!“, hämmert es in der Halle hinterm Zaun. Den Kindern hier sind die Klänge vertraut. Sie schieben ihre Bobby-Cars, Bagger und Laufräder, buddeln im Sand, schaukeln. Und ein paar Meter weiter werden Teile für Kraftwerke, Hochdruckarmaturen und Maschinen geschmiedet. „Dass ein Kindergarten direkt neben einer Fabrik steht, ist ideal“, sagt die Leiterin der Kita, Sigrid Dodt.

Der Kindergarten gehört zur KB Schmiedetechnik in Hagen. Er hat 30 Plätze, ein Drittel davon für Kinder unter drei Jahren. Mitarbeiter des 120-Mann-Betriebs nehmen derzeit aber nur zwei Plätze in Anspruch. Kein Problem, denn die Kita steht auch Nachbarfirmen offen. „Sag’ Papa Tschüs, Papa muss jetzt ein bisschen arbeiten“, verabschiedet sich Albert Braun von seinem zweijährigen Sohn Florian. Braun leitet die Konstruktionsabteilung der Schmiede. Auch seine Frau arbeitet hier: Sie wird am Nachmittag den Knirps abholen.

Die Kita ist das ganze Jahr über geöffnet – außer zwischen Weihnachten und Neujahr

Für die Familie ist der Kindergarten ein Glücksfall. Albert Braun: „So brauchen wir nicht extra durch die Gegend fahren.“ Zudem ist hier von 7 bis 17 Uhr geöffnet, das ganze Jahr. Nur zwischen Weihnachten und Neujahr ist die Kita zu, aber dann hat ja der Betrieb Ferien.

Grundstück und Gebäude gehören dem Familienunternehmen; es hat dafür keine öffentlichen Fördermittel in Anspruch genommen. Für seine Mitarbeiter ist die Nutzung kostenfrei.

Betriebe mit Kita sind noch rar. Nur 3 Prozent haben einen – oder buchen Belegplätze in den städtischen Kitas, so der „Unternehmensmonitor Familienfreundlichkeit 2013“ des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln (IW). Aber: 80 Prozent der Betriebe messen der Vereinbarkeit von Familie und Beruf eine hohe Bedeutung zu. Weit verbreitet sind flexible Arbeitszeiten: In drei von vier Firmen können Beschäftigte mit Kindern oder pflegebedürftigen Eltern ihr Modell individuell aushandeln.

Bei KB Schmiedetechnik auch. „Wir haben sieben Arbeitszeitmodelle“, erklärt Firmenchefin Angelika Schulte. So dürfen junge Mütter mit wenigen Stunden pro Woche wieder einsteigen und die Arbeitszeit später ausdehnen.

Für Diana Wüstewald hatte die Firma vor Jahren zu Hause einen Telearbeitsplatz eingerichtet. Damals war ihre Tochter ein Baby, aber die Qualitätsprüferin wurde dringend gebraucht. Drei Tage die Woche stellte Wüstewald ihre Prüfzeugnisse am heimischen Computer aus, an zwei Tagen kümmerte sich die Oma um das Mädchen, damit sie ins Büro gehen konnte.

Heute ist die Tochter 14, und Wüstewald sieht die Kollegen einen Tag länger. Aber ganz auf Telearbeit verzichten möchte sie nicht: „Man spart Fahrzeit und Kosten, kann Dienstliches und Privates besser einteilen.“

„Viele jammern über Fachkräftemangel. Wir haben keinen“, sagt Unternehmerin Schulte. „Es hat sich halt herumgesprochen, dass wir etwas für Familien tun.“

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