Sicherheitstechnik

Panzerknacker beißen sich die Zähne aus


Auf Tresore aus Essen bauen jetzt auch die Chinesen

Die dicke Stahltür ist weggesprengt – und endlich stehen die Panzerknacker vor dem Objekt ihrer Begierde: dem Banktresor. Jetzt noch mit dem Stethoskop die richtige Zahlenkombi ablauschen. Und dann öffnet sich der Riesensafe und macht den Weg frei zu den dicken Geldbündeln.

So kennen wir das aus alten Krimis. Über das Knacken per Stethoskop kann Rainer Schleiting nur müde lächeln: „Das gehört ins Reich der Märchen.“ Schleiting muss es wissen. Schließlich ist er einer der beiden Geschäftsführer und Gesellschafter der Essener Geldschrankfabrik, kurz EGF, die Safes, Mietfachanlagen, Depotsysteme zum Einwurf von Geldkassetten sowie komplette Tresorräume herstellt.

Die Firma lieferte Ende Januar das erste Mal an einen chinesischen Kunden – eine Bank in Schanghai, die ihren betonierten Tresorraum mit acht stählernen Eingangstüren aufrüstet.

Selbst Diamantbohrer werden da stumpf

Die Produkte der Essener schützen Geld, Wertsachen und Dokumente vor Gangstern und Feuer. Kunden sind vor allem Banken und Handelsketten, aber auch Behörden, die ihre Siegel und Stempel in Wertschutzschränken aufbewahren.

Bislang erzielt die Firma nur 15 Prozent ihres Umsatzes im Ausland. Meist indirekt. „Indem wir“, so Schleiting, „international tätige deutsche Handelsketten an ihren EU-weiten Standorten mit Depotanlagen, Geldschleusen und Fächerschränken ausstatten.“

Für manche Kette verkaufe man auch nach Osteuropa einschließlich Russland. Dennoch: „Etwas mehr Auslandsumsatz dürfte es schon sein.“

Seine Tresore und Wertschutzschränke sind stählerne „Behältnisse“: zum Teil mehrwandig und dann oft noch mit Füllungen verstärkt. Ausgestattet mit Hightech-Riegelwerken und häufig verankert in Wand und Boden.

Die EGF-Produkte tragen die höchsten Zertifikate von Versicherern. „Was ganz anderes als die Billigsafes im Baumarkt“, meint Industriemeister Gero Oehlke. Tresore mit der höchsten Sicherheitsstufe sind selbst gegen Angriffe mit Diamantbohrer gefeit, betont er. Solche Bohrer gab es vor 20 Jahren noch nicht, und sie sind eigentlich dafür da, Spezialbeton zu zerlegen.

So komplex die Anlagen, so breit gefächert die typischen Berufe bei der EGF: Zu Werke gehen Bauschlosser, Techniker, Industriemechaniker, Schweißer, Software-Entwickler und Programmierer.

IT-Geschäft bringt Wachstum

IT-Fachkräfte sind jetzt verstärkt gefragt. Hintergrund: Immer mehr Schließfächer in Banken werden mit Pin-Codes und EC-Karten geöffnet. Und auch Software für die Überwachungs- und Zutrittskontrolle kommt zunehmend zum Einsatz, gerade auch zur Modernisierung bestehender Schließfachanlagen. „Das IT-Geschäft soll in diesem Jahr attraktiver Wachstumsträger für uns werden“, sagt Schleiting.

Zudem setzt das Unternehmen auf neuartige Tresorräume – in Modulbauweise. Die im Werk vorgefertigten Wände sind zwar dünner, aber trotzdem einbruchsicher: Der Hartbeton wird mit Stahl und Stahlfasern verstärkt.

Die Chinesen legen noch auf etwas anderes großen Wert: Alles an den Hochsicherheitstüren für die Bank musste „made in Germany“ sein. Die Schlösser etwa stammen aus Velbert, „dort sitzt die Crème de la Crème der Schlossmacher“, so Schleiting. Er verbuchte jetzt einen Folgeauftrag: „Die Chinesen bekommen von uns auch eine neue Schließfachanlage.“

Ulrike Wirtz

Info: Essener Geldschrankfabrik GmbH & Co.KG

Das Unternehmen erwirtschaftet 85 Prozent seines Umsatzes mit neuen Produkten, den Rest steuern Service und Wartung bei. Lediglich jeden siebten Umsatz-Euro bringt das Auslandsgeschäft, Tendenz steigend. Konkrete Zahlen möchte die Firma freilich nicht nennen. Seit sieben Jahren gehört das 1906 gegründete Unternehmen den beiden Geschäftsführern Rainer Schleiting und Peter Krebs. Sie beschäftigen derzeit 42 Mitarbeiter.

 

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