Lichttechnik: Ein Navi für drinnen

Osram baut Funkchips in Lampen ein – so findet man sich besser in Gebäuden zurecht

Hier geht’s lang: Das Suchsystem weist den Weg durch die Tiefgarage. Foto: Straßmeier

München. Draußen ist das kinderleicht. Adresse ins Mobiltelefon tippen, schon wird das Gerät zum Navi und lotst einen per GPS zum Ziel. Doch sobald man ein Gebäude betritt, streikt der digitale Wegweiser. Das Satellitensignal, das er zur Positionsbestimmung braucht, dringt nicht durch Wände.

Der Leuchtmittel-Hersteller Osram in München hat jetzt eine Technik entwickelt, die Navigation in Tiefgaragen, Einkaufszentren oder in Bürohäusern möglich macht. Sie steckt in der Beleuchtung an der Decke.

Signale aus der Leuchte an der Decke bringen auch Blinde sicher ans Ziel

Die Systeme aus Lampe und Leuchte werden mit winzigen Bluetooth-Sendern ausgerüstet, deren Signal ähnlich ist wie die Technik in tragbaren Lautsprechern oder Funkkopfhörern.

Die intelligenten Sendeeinheiten geben ein permanentes Ortungssignal an die Umgebung ab. Ist ein Smartphone-Nutzer in der Nähe, kann er sich mit diesem Signal seine Position auf dem Bildschirm anzeigen lassen. „Je geringer der Abstand zur Leuchte, desto stärker das Signal“, erklärt Christoph Peitz. Er leitet das Entwicklungsteam für das Indoor-GPS bei Osram.

Schon ein einziger Sender in der Leuchte liefert eine grobe Information darüber, an welcher Stelle im Gebäude man sich gerade befindet. Je mehr Leuchten damit ausgestattet werden, desto enger wird das Raster aus Signalpunkten. Und desto genauer weiß man, wo man gerade ist.

Zwei Jahre Entwicklungszeit steckten Peitz und sein Team in das Indoor-GPS. „Wir machen damit einen weiteren Schritt in die digitale Welt“, erklärt der Projektleiter, „weg von der reinen Lichttechnik hin zur softwarebasierten Dienstleistung.“

Das System hilft auch Menschen mit Sehbehinderung auf unbekanntem Terrain. Nähert sich ein Blinder dem Sender in der Leuchte, werden ihm die zugehörigen Informationen vorgelesen. Eine Stimme aus dem Smartphone sagt ihm etwa, wie er sicher zum Ausgang kommt. Im Gegensatz zu Ortungssystemen, die mit batteriebetriebenen Sendern arbeiten, wird die Technik von Osram einfach an den Stromkreis der Leuchte angeschlossen. Osram testet das gerade in der Tiefgarage seiner Münchener Zentrale.

Die Signale aus der Leuchte dienen jedoch nicht nur der Orientierung. Sie zeigen interessante Orte in der Nähe an und machen so zum Beispiel einen Besuch im Museum lebendiger. Bleibt der Betrachter vor einem Gemälde stehen, nimmt das Mobiltelefon Verbindung mit dem Sender der nächstliegenden Leuchte auf. So kann sich der Besucher Informationen zu dem Ausstellungsstück vorlesen lassen – in mehreren Sprachen.

Das klappt auch im Kaufhaus: Wie wär’s mit einem Routenplaner für die Einkaufsliste, der uns durch die Gänge lotst? Ein Test im Einzelhandel läuft demnächst an.


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