Investitionen

Operation am offenen Herzen


Neues Bühler-Werk: Modernste Fabrik hinter historischer Fassade

Braunschweig. „Marathon“ heißt das Projekt, das der Maschinenbauer Bühler in den letzten drei Jahren zurückgelegt hat. Die 680 Mitarbeiter im Werk Braunschweig benötigten dazu eine riesige Kondition. Denn bei ihrem Marathon stellten sie ihre Fabrik vom Kopf auf die Füße.

Effizienz deutlich gesteigert

Die Fassade ist geblieben, sie steht unter Denkmalschutz. Doch dahinter befinden sich jetzt neue, hochmoderne Produktionshallen. „Eigentlich blieb kein Stein auf dem anderen“, berichtet Reimund Ryll, der Assistent der Geschäftsleitung. „Kaum eine Maschine arbeitet noch da, wo sie früher stand.“

Der komplette Umbau erfolgte bei laufendem Betrieb. „Das war wie eine Operation am offenen Herzen.“ Ryll hat das Projekt besonders eng begleitet – ebenso wie der Maschinenbau-Ingenieur Christian Tietz, der frisch von der Hochschule kam und als Qualitätsleiter maßgeblich dafür verantwortlich wurde, dass die Umgestaltung der Fertigung möglichst reibungslos funktionierte. „Ehrlich gesagt hatte ich da schon einige schlaflose Nächte“, sagt Tietz.

Das Ergebnis hat den Standort Braunschweig – er ist einer von weltweit zwölf des in der Schweiz ansässigen Bühler-Konzerns – verändert. Mehr noch als das neue Empfangs- und Bürogebäude und die neuen Parkplätze, die nach außen sichtbaren Zeichen der Modernisierung. Denn die Arbeitsabläufe in der Produktion sind jetzt einfacher und deutlich weniger fehleranfällig, die Effizienz wurde um einen zweistelligen Prozentsatz gesteigert.

Vor dem Umbau erfolgte die Fertigung der Produkte entsprechend den freien Maschinenkapazitäten. Diese wurden zwischengelagert. Heute werden die Aufträge „durchgezogen“: Die Bauteile durchlaufen in einem abgestimmten Rhythmus und in einem Zug die Produktionsschritte bis zur Fertigstellung. Das spart Lagerflächen und reduziert das eingesetzte Kapital.

Belegschaft steuerte ihren Teil bei

Was das konkret bedeutet, lässt sich auf dem Firmengelände beobachten. So ist dort, wo früher „viel Eisen“ gelagert wurde, ein kleiner Park mit Bänken entstanden – ein beliebter Treffpunkt in den Pausen. „Es ist gewünscht, dass unsere Mitarbeiter viel mitei-nander reden“, betont Ryll.

Insgesamt hat Bühler dort 24,6 Millionen Euro in den Umbau von Fertigung und Verwaltung investiert. Die Belegschaft steuerte einen Teil dazu bei: Sie hat deutlich flexiblere Arbeitszeiten akzeptiert und bei Leistungszulagen  Abstriche gemacht.

„Das hat der Konzernzent-rale gezeigt, dass wir hier bereit sind, unseren Beitrag für die Zukunft des Standortes zu leisten“, sagt Uwe Wehrmann, der Geschäftsführer der Braunschweiger Tochtergesellschaft. „Die Erwartungshaltung ist groß. Doch wir sind in der Lage, uns gegenüber den Wettbewerbern und den anderen Bühler-Standorten zu behaupten.“

Werner Fricke


Info: Bühler in Braunschweig

Das Frühstücksbrötchen? Die Farbe auf dem Zeitungspapier? Das Bier am Feierabend? Fast überall steckt ein wenig Bühler drin. Das Unternehmen ist Weltmarktführer im Anlagenbau für die  Nahrungsmittelindustrie sowie Teile der Chemie- und Druckindustrie. Das Werk Braunschweig (680 Mitarbeiter) ist ein Leuchtturm der niedersächsischen Metall- und Elektro-Industrie. Sein Umsatz lag 2009 trotz Krise kons­tant bei 160 Millionen Euro, Kurzarbeit war kein Thema.

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