Wie ein einfacher Rollwagen die Auto-Produktion in Eisenach verbessert hat

Opel-Vorschlagswesen: Sonderprämie für einen Volltreffer

Eisenach. Tief greifende Verbesserungen kommen oft so unauffällig daher, dass man sich dann wundert, warum man es nicht immer schon so gemacht hat. Das gilt zum Beispiel auch für den Rollwagen, den Götz Radermacher gerade durch die Opel-Fertigung im thüringischen Eisenach schiebt.

Sorgsam hakt der Mitarbeiter seine Liste ab, nimmt Bauteile aus diversen Regalen: rote oder schwarze Armaturenteile zum Beispiel, mal ein Lenkrad mit Heizung, mal eines ohne – und so fort. Ist alles beisammen, beliefert Radermacher die Kollegen am Band; fast sekundengenau bekommen sie so das richtige Material für ein Cockpit des Opel Adam oder Corsa.

Ein Dutzend Ideen pro Kopf und Jahr kommen zusammen

Dazu muss man wissen: „Den Adam gibt’s in einer sehr großen Vielfalt“, sagt Roberto März, „allein die verschiedenen Komponenten der Innenraumausstattung ergeben 82.000 Kombinationsmöglichkeiten!“ Daher kam Industriemechaniker März, der in der Werkstatt der Endmontage arbeitet, auf die Idee mit dem Rollwagen. Und reichte sie als „VV“ ein, wie es Opelaner nennen – als Verbesserungsvorschlag.

Mit dem Adam kam eine große Vielzahl neuer farbiger Teile hinzu, das bisherige System war dem nicht länger gewachsen: Vormals wurde alles am jeweiligen Montageplatz deponiert. Die Neuerung erklärt März so: „Alle Komponenten werden in der Nähe des Bands gelagert. Dort werden die Teile je gemäß Kundenauftrag mit dem Wagen eingesammelt, dieser wird dann im Band mitlaufend neben dem richtigen Arbeitsplatz platziert.“

Diese Vorsortierung lohnt sich – Fehlerquote und Verzögerungen liegen nahe null. Die Kollegen können sich auf die saubere Montage konzentrieren, und ihre Laufwege sind nun kürzer.

„Für seine Idee hatte sich Herr März eine dicke Sonderprämie verdient“, sagt Antje Grun. Sie koordiniert das Vorschlagswesen im Werk, mit dem Opel die in vielen Köpfen schlummernde Kreativität wecken möchte. Das System ist recht ausgeklügelt, es gibt sogar eine Zielvorgabe für die Belegschaft: „Damit soll der Ehrgeiz geweckt werden, das eigene Tun zu überprüfen, zu verbessern – und im besten Fall damit Opel Eisenach ein Stückchen wettbewerbsfähiger zu machen“, so Grun.

Und so haben die 1.450 Beschäftigten am Standort allein 2014 knapp 16.000 sinnvolle Ideen eingereicht. Dass dieses systematische Ideenmanagement erheblich zur hohen Flexibilität des Werks beiträgt, steht für Grun fest. Sie merkt das auch am Echo der Besucher: Oft erklärt sie staunenden Gästen von anderen General-Motors-Standorten oder auch Fremdfirmen, wie das „VV“-System läuft.

Kleinere Betriebe können sich einen derartigen Aufwand oft nicht leisten. Aber für Professorin Swetlana Franken steht fest: Geld fürs Ideenmanagement ist immer gut angelegt.

„Jeder investierte Euro bringt bis zu 10 Euro zurück“, sagt die Wirtschaftswissenschaftlerin an der Fachhochschule Bielefeld. Zudem sende ein betriebliches Vorschlagswesen die wichtige Botschaft an die Mitarbeiter, dass man ihres Engagements bedarf, ihr Mitdenken einfordert. Und das wird laut Franken immer wichtiger.

„Die Wissensgesellschaft der Zukunft“, betont die Expertin, verlange ein Ideenmanagement, in dem sich Vorschlagswesen und tägliche Kreativität der Mitarbeiter bei der kontinuierlichen Verbesserung des Unternehmens miteinander verbinden. „Das gelingt allerdings nur, wenn Führungskräfte offen für Neues sind – und Vertrauen in die Mitarbeiter und ihre Fähigkeiten haben.“


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