American Dream

Old Pete und der Präsident

Kerniges Duo: Frisör-Dino Pete Kithas, 80, legt Hand ans Haupt von Stammkunde Steve. Foto: Daniel Roth


Von einem, der seinen ganz persönlichen „Amerikanischen Traum“ verwirklichte

Wenn man ihn so be­obachtet bei der Arbeit, dann weiß man gar nicht, was schneller fällt: die Locken oder die Sprüche.

Und das klingt dann so:
„Na, Steve, hast’ mal wieder meine Männermagazine begriffelt, was?“
„Ja, Pete, wie immer.“
„Hab ich gesehen. Weiß deine Frau davon?“
„Gott, bist du fies, Pete …“

Rau, aber herzlich – so läuft das hier, in „Pete’s Barber Shop“, dem Frisör­salon von Pete Kithas in der
Macomb Street, Downtown Detroit.

80 Jahre und kein Gedanke an Rente

Und zwar seit einer Ewigkeit. Vor einem halben Jahrhundert eröffnete Kithas seinen Laden und verwirklichte sich damit einen Traum. Ans Aufhören denkt er trotz seiner mittlerweile 80 Jahre nicht: „Rente? Bullshit! Mein Laden ist mein Leben, solange ich noch gute Hände und Augen habe, schneide ich Haare. Was soll daran falsch sein?“

Mittellos, nur mit zwei Wörterbüchern im Gepäck, kam Kithas im Jahr 1956 aus dem damals vom Bürgerkrieg zerrütteten Griechenland in die USA. „Ich hatte keine Ahnung von Amerika, ich wusste nur, dass man hier was aus sich machen kann.“

Und Kithas machte. Bis tief in die Nacht malochte er als Tellerwäscher. Anschließend putzte er noch Bar und Gastraum, schlief ein paar Stunden und schnitt dann Haare im Salon eines Freundes.  Immer mit dem Traum vor Augen: „Genug Geld für ein eigenes Business.“ 

Ex-Tellerwäscher im Oval Office

Manche, denen er jetzt die ergrauten Haarschläfen schneidet, kennt er seit deren Windeltagen. „Meine Kunden sind meine Freunde“, sagt Kithas.

Und manchmal, typisch Amerika, führt so eine Freundschaft sogar bis ganz nach oben, ein bisschen zumindest. Weil einer seiner „Freunde“ in Washington Karriere machte, bekam Kithas 1997 eine Einladung ins Weiße Haus.

Kithas packte Frau und Tochter ein, fuhr nach Washington, und dort traf er, der Ex-Tellerwäscher, den damaligen Präsidenten Bill Clinton. „Hallo, Mister President, ich bin Pete, der Frisör, wie geht’s denn so?“, habe er ihn gefragt.

Nett wär’s gewesen. Und doch war er froh, als er am Ende wieder war, wo er sich wirklich wohlfühlt. „In meinem wahr gewordenen Traum“: Pete’s Barber Shop, Macomb Street, Detroit.

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