Pioniere der Luftfahrt

Ohne Treibstoff um die Welt fliegen

Hannover/Dormagen. Nur mit Sonnenenergie wollen die beiden Schweizer Piloten André Borschberg und Bertrand Piccard im kommenden Jahr die Erde umrunden, ohne einen Tropfen Treibstoff.

„Solar Impulse 2“ heißt der Flieger, mit dem sich die tollkühnen Männer in die Lüfte schwingen. Den „Treibstoff“ liefern gut 17.000 Solarzellen, die auf den riesigen Flügeln sitzen – satte 72 Meter beträgt die Spannweite, mehr als beim Jumbo-Jet. Verblüffend hingegen das Gewicht: Gerade mal 2,3 Tonnen wiegt das Fluggerät, so viel wie ein Geländewagen.

Bei ihrem Vorhaben hilft den Piloten das Know-how der Chemie-Industrie, allen voran Solvay in Hannover und Bayer MaterialScience in Dormagen. Weil jedes Gramm zählt, kommen ultraleichte Werkstoffe ins Spiel. Etwa bei der Wärme-Isolierung im Cockpit: „Solar Impulse 2“ fliegt in Höhen von bis zu 8.500 Metern. Hier schwanken die Temperaturen zwischen minus 40 und plus 40 Grad Celsius. Eine Klimaanlage oder Heizung gibt es nicht, ein spezieller Isolierschaum muss reichen.

„Die besondere Herausforderung war, einen Isolierschaum zu finden, der bei sehr geringer Dicke und extrem niedrigem Gewicht eine exzellente Stabilität und maximalen Kälteschutz liefert“, erklärt Solvay-Chef Andreas Meier. Die Lösung: Ein Polyurethan-Schaum (PUR), hergestellt mithilfe eines speziellen Treibmittels (Solkane), schafft bei gleicher Dicke 40 Prozent mehr Isolierwirkung.

Im Cockpit stecken weitere Hightech-Materialien wie dünne Platten aus dem transparenten Hochleistungskunststoff Polycarbonat für das Fenster. Hinzu kommen Rohstoffe für die silberne Beschichtung, mit der weite Teile des Flugzeugs überzogen sind. Das Flugzeug selbst besteht aus extrem leichter Kohlefaser, Batterien mit sehr hoher Energiedichte, Motoren mit wenig Gewicht und ultradünnen Solarzellen. Sogar die Schrauben sind nicht aus schwerem Metall, sondern aus leichten Spezialkunststoffen.

Von den Neuentwicklungen profitiert übrigens jeder: „Dieselben Produkte gehen später in die Automobil-Industrie oder den Markt für Kühlgeräte“, erklärt Richard Northcote von Bayer MaterialScience.

Die Luftfahrtpioniere wollen mit der Aktion ein Zeichen setzen und zeigen, was mit Erfindergeist und Engagement möglich ist. Die geplante Route führt entlang des nördlichen Wendekreises. Für die 35.000 Kilometer lange Strecke rechnen die Piloten mit etwa 25 Flugtagen.


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