Energie

Ohne Strom läuft nichts


Akzo Nobel produziert den Grundstoff Chlor

Bitterfeld. In der Halle ist es warm, sehr warm sogar. Und doch trägt Matthias Mitdank Sicherheitsschuhe, Blaumann, Blouson, Schutzhelm und Brille.

Der Produktionskoordinator von Akzo Nobel Bitterfeld macht seinen Inspektionsgang im Herzen der Elektrolyse-Anlage. „Schwitzen ist kein Argument gegen Sicherheit“, sagt er achselzuckend. „Wir stellen hier Chlor her. Da darf nichts schieflaufen.“

Über 50 Prozent der Gesamtkosten

Es gilt Unfälle auszuschließen – und die Rohstoff-Zufuhr für viele andere Betriebe zu sichern. Ohne das Chlor von Akzo Nobel würden in dem riesigen Chemiepark Bitterfeld-Wolfen etliche Anlagen stillstehen. Das Gas wird in 65 Prozent aller Chemie-Prozesse gebraucht.

Aber seine Herstellung, mithilfe der Elektrolyse, frisst sehr viel Strom. Die Anlage von Akzo Nobel verbraucht im Jahr fast so viel elektrische Energie wie eine 90.000-Einwohner-Stadt. Dabei nutzen die Bitterfelder ein sehr umweltschonendes und sparsames Verfahren.

65 Millionen Euro hat die Anlage gekostet, die im Jahr 2000 in Betrieb ging.

Und doch: „Über 50 Prozent unserer Kosten sind Stromkosten“, sagt Werkleiter Stefan Kauerauf, Chef von 78 Mitarbeitern. „Daher sind wir angewiesen auf bezahlbare Energie. Und auf zuverlässige Versorgung rund um die Uhr.“

Zunehmend müssen die Netzbetreiber eingreifen, um die Spannung in den Stromnetzen aufrechtzuerhalten. Ein ungeplanter Stillstand tue den Anlagen nicht gut, so Kauerauf. „Und wir müssen liefern. Die anderen Betriebe hier verlassen sich auf uns.“

90.000 Tonnen Chlor stellt Akzo Nobel im Jahr in Bitterfeld her. Daneben Natronlauge und Wasserstoff. Es sind begehrte Grundchemikalien in der Chemie-Industrie. Ohne Chlor gibt es keine Herstellung von Quarzglas, Silicium, Harzen, Lacken, Kunststoffen und Arzneimitteln.

Den Grundstoff für die Produktion des Gases – das Salz – erhält Akzo Nobel per Rohrleitung als wässrige Lösung aus dem 50 Kilometer entfernten Bernburg. Nach sorgfältiger Reinigung wird aus der Sole in zig Elektrolyse-Zellen mit dem „Mem­branverfahren“ Chlor gewonnen. Das Gas geht per Pipeline an die Abnehmer im Bitterfelder Chemiepark oder verflüssigt per Kesselwagen auf die Reise zu Kunden in ganz Deutschland.

„Wir brauchen stabile Rahmenbedingungen“

„Wir stehen mit unseren Grundchemikalien am Anfang der Wertschöpfungskette in der Chemie“, sagt Kauerauf. Es sei nicht einfach, steigende Stromkosten an die Kunden weiterzugeben. Preiswerte Energie bleibe das A und O des Geschäfts – auch wenn die Techniker ständig bemüht seien, den Energieverbrauch durch die eine oder ­andere Optimierung noch ein wenig weiter zu senken: Kauerauf: „Wir brauchen stabile und verlässliche Rahmenbedingungen.“

Schließlich bietet der Betrieb nicht nur Jobs. Er sponsert Sportklubs, ist sozial engagiert. Kauerauf: „Wir sind Teil des Lebens hier.“

 

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