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Interview

Öffentlicher Dienst: „Zehntausende Stellen sind unbesetzt“

Im Interview erklärt Ulrich Silberbach, Chef des Gewerkschaftsdachverbands DBB Beamtenbund und Tarifunion, welche Folgen der Fachkräftemangel beim Staat für uns Bürger hat. Zum Beispiel bei der Kinderbetreuung.

Vertritt die Interessen der Staatsmitarbeiter: Ulrich Silberbach ist Bundesvorsitzender des Gewerkschaftsdachverbands DBB Beamtenbund und Tarifunion. Foto: DBB

Vertritt die Interessen der Staatsmitarbeiter: Ulrich Silberbach ist Bundesvorsitzender des Gewerkschaftsdachverbands DBB Beamtenbund und Tarifunion. Foto: DBB

Berlin. An Schulen fällt Unterricht aus, die Bundeswehr findet kaum Nachwuchs, Pflegeheime können Stellen nicht besetzen: Beim Staat fehlen überall Leute. AKTIV sprach darüber mit Ulrich Silberbach, dem Chef des Gewerkschaftsdachverbands DBB Beamtenbund und Tarifunion, der die Beschäftigten des öffentlichen Diensts vertritt.

Wie viele Stellen sind aktuell im öffentlichen Dienst unbesetzt?

Es sind jetzt schon Zehntausende. Und wenn ich erst an die Zukunft denke, wird mir angst und bange.

Welche Folgen hat das für uns Bürger?

Sie spüren das schon überall im öffentlichen Dienst – angefangen bei der frühkindlichen Bildung: Es gibt zwar einen Anspruch auf Kita-Plätze, aber viel zu wenige Erzieher. Der Staat kann also seine eigenen gesetzlichen Ziele nicht erfüllen.

Ärgert Sie das auch privat?

Absolut. Ich bin Vater von drei Kindern, man möchte doch, dass die Kinder hervorragend betreut werden. Und als ich als Neu-Berliner mein Auto ummelden wollte, musste ich sieben Wochen auf einen Termin warten. Die Personalprobleme bremsen aber nicht nur den Einzelnen, sondern auch die ganze Wirtschaft.

Inwiefern?

Bei großen Bauprojekten vergehen oft mehrere Jahre, bis überhaupt eine Baugenehmigung erteilt ist. Das macht den Standort unattraktiv, viele Investoren gehen lieber woandershin. Ob die Wirtschaft floriert, hängt ganz direkt von der Leistungsfähigkeit des öffentlichen Diensts ab.

Wird das Problem noch größer?

Die Prognosen sind da jedenfalls ziemlich ungünstig. In den nächsten 20 Jahren scheiden altersbedingt 56 Prozent der beim Staat Beschäftigten aus – jeder Zweite! Und junge Bewerber zu finden, wird immer schwieriger.

Wie könnte man da denn gegensteuern?

Wir müssen bei Bezahlung und Arbeitsbedingungen für den Nachwuchs attraktiver werden. Wichtig ist aber auch, dass die Politik die Leistungen des Staats daraufhin prüft, was wichtig ist und was nicht: Damit wir mehr Leute für das haben, was besonders gebraucht wird.


Mehr zum Thema:

Der Staat hat viele Stellen zu bieten und wirbt mit einer hohen Arbeitsplatz-Sicherheit. Doch im Vergleich mit der Privatwirtschaft gibt’s hier auch viele Nachteile. Zum Beispiel in Sachen Bezahlung und Betriebsklima.

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