Spezialprodukte

Ob Preisschild oder TÜV-Plakette: Alles muss kleben


VPF in Sprockhövel liefert im Jahr 25 Millionen Quadratmeter Haftmaterial

Sprockhövel. Einkaufsbummel in einem großen Kaufhaus. Eine schöne Vase und ein paar Gläser sind schnell gefunden. An der Kasse ein kurzer Scan der Preisschildchen, noch bezahlen und die Teile gehören mir. Doch zu Hause das Dilemma: Die Etiketten lassen sich kaum ablösen. Letztlich hilft nur ein bisschen Nagellackentferner, um alle Rückstände zu beseitigen.

Und das ist bei einigen Häusern durchaus gewollt. „Ginge das kleine Schild zu leicht ab, könnte vielleicht doch manch einer auf die Idee kommen, es im Laden einfach auszutauschen, um dann ein teures Produkt zum Minipreis einzukaufen“, erklärt Ralf Waltmann, Geschäftsführer von VPF in Sprockhövel. Das Kürzel VPF steht für Veredelungsgesellschaft für Papiere und Folien.

Seit über 40 Jahren ist das Unternehmen für individuelle Haftverbunde, das sind die Grundlagen  aller  Etiketten und Aufkleber, die im Handel zu finden sind, bekannt.

Bei VPF geht es weniger um die Massenartikel, sondern um Spezialprodukte mit individuellen Haftverbunden. „;Wir haben da ein Problem!’ Etikettendruckereien, die damit zu uns kommen, sind an der richtigen Adresse“, betont der technische Leiter Werner Burschil.

Ihm und seinem Team stehen alle derzeit möglichen Klebstoff-Technologien zur Verfügung. Zugekauft werden alle Arten von Papieren, Kartons und Folien, die Zutaten für die verschiedenen Klebstoffe sowie Silikonpapiere. Daraus wird dann der richtige Haftverbund hergestellt.

Es dürfen auch verrückte Ideen sein

Soll das Etikett – wie im oben beschriebenen Fall – besonders gut kleben? Oder soll es gerade leicht ablösbar sein? Ist es Witterungseinflüssen ausgesetzt? Muss es UV-beständig und reißfest sein? Soll der Kleber vielleicht sogar in allen Farben schillern? Oder wird ein Mehrschichtverbund benötigt, ein Etikett auf dem Etikett, wie es bei vielen Preisausschreiben beliebt ist?

Je ausgefallener die Kundenwünsche, umso besser. „Bei uns darf es ruhig auch mal eine verrückte Idee sein“, sagt Burschil. So wie die Pril-Blume auf den Spülmittelflaschen des Düsseldorfer Chemieriesen Henkel. In den 70er-Jahren zierten die bunten Blüten so manche Fliese in vielen deutschen Küchen. Sie waren allerdings nur schwer wieder abzulösen. Waltmann: „Das lag daran, dass es damals  nur eine sehr kleine Klebstoff-Auswahl gab. Sie hafteten einfach bombenfest.“ Vor einigen Jahren erlebte die Pril-Blume, neu aufgepeppt, ein regelrechtes Comeback. Dank Hightech-Kleber kann sie jetzt  leicht entfernt werden.

Viel Know-how auf kleiner Fläche

Viele Etiketten und Aufkleber sehen einfach aus, verbergen jedoch eine ganze Menge. Dahinter steckt  oft ein über viele Jahre erarbeitetes Know-how. Manche kaschieren Merkmale zum Schutz vor Produktfälschungen. In andere sind sogar Mini-Antennen eingebaut, die in großen Lagerhallen über Scanner Informationen auch aus großer Entfernung ablesen können.

40 Mitarbeiter produzierten bei VPF 2007 knapp 25 Millionen Quadratmeter Haftmaterialien (fast 3.600 Fußballfelder). In den letzten beiden Jahren freute man sich über jeweils 15 Prozent Wachstum. Auch in Zukunft will das Unternehmen weiter zulegen.

Die Chancen dafür sind gut. Europaweit wurden bei Haftmaterialien 2006 erstmals über  fünf Milliarden Quadratmeter benötigt.

Kaum eine Branche kommt ohne die praktischen Aufkleber aus: Handel, Logistikunternehmen, Pharma-Industrie, Krankenhäuser. Allein in der Autoproduktion und den Zulieferbetrieben werden Etiketten tonnenweise verwendet – bis jedes einzelne Bauteil den richtigen Platz gefunden hat. Zu guter Letzt zeigen TÜV-Siegel und ASU-Plakette, dass alles in Ordnung ist.

Waltmann: „Überall sind Haft-Etiketten einfach und unkompliziert. Solange es dafür keine ernsthafte Alternative gibt, wird es unserer Branche auch weiterhin gut gehen – und sie wird wachsen.“

Maja Becker-Mohr

 

Sonderprämien, wenn es gut läuft

Basis jedes Arbeitsvertrages ist bei VPF der Tarifvertrag. Die Bezahlung liegt im Schnitt über Tarif.

Einzelvertraglich wurde meist geregelt, dass 38 Stunden statt 35 Stunden pro Woche gearbeitet wird.

Solange es dem Betrieb wirtschaftlich gut geht, gibt es dafür zum Teilausgleich mehr Geld. „Und da es 2007 recht gut lief und das 40ste Firmenjubiläum zu feiern war, erhielt jeder noch eine Sonderprämie – neben einem 13ten und einem 14ten Gehalt“, erläutert Geschäftsführer Ralf  Waltmann.

Ist durch Auftragsspitzen mal Samstagsarbeit nötig, melden sich meist mehr, als gebraucht werden. „Wir sind hier wie eine große Familie, ich bin einfach gerne hier“, erzählt Maschinenführer Önder Tütüncüoglu, seit 17 Jahren bei VPF und stellt fest: „Wenn mir die Arbeit hier nicht gefallen würde, hätte ich mir doch schon längst was anderes gesucht.“

 

Info: VPF GmbH & Co. KG

Das Unternehmen wurde 1967 in Wuppertal gegründet. In den 1980er-Jahren stieß man dort an die Kapazitätsgrenzen. Die Firma erwarb ein eigenes Gelände in Sprockhövel und startete dort 1987 eine zweite Produktion. Aus Platzgründen wurde die Verwaltung im Jahr 1991 ebenfalls nach Sprockhövel verlegt, bis heute Hauptsitz der VPF GmbH & Co. KG.

Das Unternehmen ist eine privat gehaltene Gesellschaft und beschäftigt 40 Mitarbeiter. Allein in 2007 wurden etwa 1,5 Millionen Euro investiert. Der Umsatz lag im vergangenen Jahr bei rund 12 Millionen Euro.

www.vpf.de

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