Hitzeschutz

Ob Katalysator, Trockner oder Ofen: Glasfaser-Textilien von HKO trotzen extremen Temperaturen

Oberhausen. Rasend schnell wirbeln die 32 Klöppel der Maschine durch die Luft. In den neun konzentrischen Flechtern beim Isolier- und Textilbetrieb HKO in Oberhausen im Ruhrgebiet rotieren die Klöppel in einen Tempo, das das menschliche Auge überfordet. Es sieht nur noch umherfliegende Faserstränge.

Interessanter aber ist, was in der Mitte der Maschine entsteht. Dort wächst ein armdicker, leicht bräunlich schimmernder Strang stetig empor. Das Besondere an ihm: Selbst Temperaturen von 700 Grad lassen ihn kalt. Deshalb dichtet der Kern aus Glasfaser-Vlies, der mit einem speziell beschichteten, superdünnen Glasgarn umflochten ist, die Türdichtungen von Öfen ab.

„Um solchen Temperaturen und Beanspruchungen zu trotzen, enthält die Glasfaser einen Chromstahldraht“, sagt Markus Domain, Werkleiter bei HKO. Deshalb die leicht bräunliche Färbung des Materials. Das mache die Faser hitzebeständiger und robuster gegen Abrieb.

Glasfaser ist dünner als ein menschliches Haar

Wenn es um Hitzeschutz geht, bleiben die Oberhausener Spezialisten für Isoliertechnik ganz cool. Richtig heiß wird es ihnen erst ab 500 bis 1.600 Grad. Seit 1984 stellt der Betrieb Hitzeschutz-Textilien aus Glasfaser her, die solchen Temperaturen standhalten. Das Glasgarn ist dünner als menschliches Haar, nicht brennbar und seit dem Verbot der gesundheitsschädlichen Asbestfaser eine der wichtigsten Alternativen für den Hitzeschutz.

„Jeder hat so gut wie täglich mit unseren Produkten zu tun“, sagt Domain. Wer sich in sein Auto setze, fahre wahrscheinlich mit Produkten von HKO. Denn jeder zweite Katalysator in deutschen Autos wird mit Vlies aus dem Zweitwerk im thüringischen Beuren isoliert.

Hinzu kommen gewebte Dämmtextilien für Wasch- und Spülmaschinen und den Schweißschutz. Glasfaser steckt ebenfalls in riesigen Kissen, die Turbinen abdecken, um Arbeiter vor der auftretenden Strahlungshitze zu schützen. Auch in den Anzügen von Stahlkochern und Feuerwehrmännern ist das robuste Garn der Oberhausener vertreten. Und: „Selbst in Türdichtungen von Kaminöfen im heimischen Wohnzimmer stecken Isolierprodukte von uns“, so Domain.

Mit der superdünnen Faser hat der 90-Mann-Betrieb im vergangenen Jahr 30 Millionen Euro Umsatz gemacht, gut ein Drittel davon im Ausland.

Das Glasgarn selbst ist lediglich der Rohstoff. „Entscheidend ist, was wir damit anstellen“, erklärt Hans-Jürgen Friedrich, Hallenleiter in der Garnfertigung: „Es kommt auf Garnaufbau, Beschichtung und Ausrüstung an.“

Zerstoßener Lavastein macht Garn schnittfest

Deshalb leistet sich das Unternehmen eine betriebseigene Flechterei, Zwirnerei sowie Weberei und stattet die Hitzeschutz-Textilien mit unterschiedlichen Ausrüstungen und Beschichtungen aus.

„Dabei sind Reiß- und Schnittfestigkeit ebenso wichtig wie Hitzebeständigkeit“, betont Friedrich. Zum Beweis schwenkt er einen bläulichen Strang. „Den bekommen Sie garantiert nicht durchgeschnitten.“ Genau das Richtige für die Ofendichtungen in Alu-Schmelzöfen. Dort fällt oft beim Entladen etwas flüssiges Aluminium daneben.

Das Edelmetall erkaltet in Sekundenschnelle und erstarrt zu messerscharfen Formen. Das Problem dabei: Es zerschneidet die Türdichtungen des Ofens. „Dann ist auch der beste Hitzeschutz hin“, erklärt Friedrich. Deshalb wird die Faser in einem speziellen Gemisch aus zerstoßenem Lavastein getränkt. Das macht die Faser so gut wie schnittfest.

Es komme eben auf das Rezept an, so Werkleiter Domain: „Das ist genau so wie bei einem Pudding. Man braucht immer Milch, Zucker und Pulver. Bloß, welches Pulver und wie viel Zucker wir nehmen, das ist unser Geheimnis.“


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