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Flüchtlinge bei Metall- und Elektro in NRW

Ob aus Syrien oder dem Iran: Wie die Integration der Neuankömmlinge gelingen kann

Die Integration von Flüchtlingen in den Arbeitsmarkt braucht Zeit. Letztes Jahr erhielten in NRW 23.500 Geflüchtete eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung – auch dank des Engagements der Metall- und Elektro-Industrie.

Flüchtling in Ausbildung: Ali Hosseini (Zweiter von rechts) mit Robin Yürekli, Jan Hofmann, und Timo Teichert (von links) im Lager von Gloria. Foto: Wirtz

Flüchtling in Ausbildung: Ali Hosseini (Zweiter von rechts) mit Robin Yürekli, Jan Hofmann, und Timo Teichert (von links) im Lager von Gloria. Foto: Wirtz

Syrische Fachkraft in der Metall- und Elektro-Industrie: Ahmad Ibrahim kam über eine Zeitarbeitsfirma zum Gartengerätehersteller Gloria. Foto: Wirtz

Syrische Fachkraft in der Metall- und Elektro-Industrie: Ahmad Ibrahim kam über eine Zeitarbeitsfirma zum Gartengerätehersteller Gloria. Foto: Wirtz

Neues Leben: Der Syrer Ahmed Hussin macht eine Einstiegsqualifizierung bei der Firma Burgtec in Iserlohn. Den Berufsstart ermöglichte ein Integrationsprojekt des Märkischen Arbeitgeberverbandes. Foto: Moll

Neues Leben: Der Syrer Ahmed Hussin macht eine Einstiegsqualifizierung bei der Firma Burgtec in Iserlohn. Den Berufsstart ermöglichte ein Integrationsprojekt des Märkischen Arbeitgeberverbandes. Foto: Moll

Gutes Team: Ahmed Hussin (links) mit Muhab Sheik Amin, einem weiteren Flüchtling aus Syrien. Foto: Moll

Gutes Team: Ahmed Hussin (links) mit Muhab Sheik Amin, einem weiteren Flüchtling aus Syrien. Foto: Moll

Witten/Iserlohn/Düsseldorf. Feilen, Sägen, Bohren, Drehen, Fräsen – das kann Ali Hosseini schon. Seit September wird der 24-jährige Flüchtling afghanischer Herkunft bei dem Unternehmen Gloria Haus- und Gartengeräte in Witten zur Fachkraft Metalltechnik ausgebildet. Neben Sprühgeräten für Hobby-Gärtner stellt Gloria auch andere Helferlein her, mit denen man etwa die Terrasse schrubben, Fugen reinigen oder Unkraut abflämmen kann.

Dass die Pumpen für Sprühgeräte nicht tropfen dürfen, kann Hosseini inzwischen schon auf Deutsch erklären: „Wenn Problem ist, können wir nicht zum Kunden schicken“, formuliert er schon sehr gut verständlich. Seit ungefähr zwei Jahren lebt er in Deutschland.

Oft gingen auf der Flucht Dokumente verloren

Hosseini ist ein Beispiel dafür, wie die Integration von Flüchtlingen am besten funktioniert – durch eine Beschäftigung. Doch trotz allen guten Willens ist es eine Herkulesaufgabe, den Menschen in Not einen Einstieg ins Berufsleben zu ermöglichen.

In vielen Fällen dauert es monatelang, bis klar ist, ob ein Asylbewerber auch bleiben darf. Außerdem müssen die Geflüchteten erst noch Deutsch lernen. Und: Häufig haben sie im Heimatland oder auf der Flucht wichtige Dokumente verloren, aus denen hervorgeht, welche Qualifikation sie mitbringen.

2017 erhielten in NRW 23.500 Geflüchtete eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung

Doch inzwischen zeigen die Bemühungen von Jobcentern und Betrieben erste Erfolge, auch in Nordrhein-Westfalen: Nach vorläufigen Berechnungen der Regionaldirektion NRW der Bundesagentur für Arbeit erhielten letztes Jahr 23.500 Geflüchtete eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung. Im Vorjahr waren es 13.000. Zudem starteten 2.072 Flüchtlinge eine Ausbildung (2016: 619).

Diese erfreuliche Entwicklung ist auch Betrieben wie Gloria zu verdanken. Hosseini hatte den Gartengerätehersteller durch ein Praktikum kennengelernt. Ursprünglich war eine anspruchsvollere Ausbildung zum Industriemechaniker geplant, denn der junge Mann ist technisch sehr begabt. Doch im Rechnen war er anfangs sehr schlecht.

Über ein Praktikum Einstieg beim Sprüh- und Gartengerätehersteller Gloria in Witten

Nachdem Hosseini an der Berufsschule für seine erste Mathearbeit eine Sechs bekam, war er so entmutigt, dass er abbrechen wollte. Immerhin: Die Noten werden besser. „Die Lehrer sind zuversichtlich, dass er es schaffen wird. Weil er ehrgeizig ist“, sagt Personalchefin Susanne Schimmelpfennig. „Für ihn ist zur Schule gehen ein Privileg.“

Ein Projekt des Märkischen Arbeitgeberverbands (MAV) in Hagen und Iserlohn hatte den jungen Mann zu Gloria geführt. Der MAV ist landesweiter Vorreiter unter den Metall-Arbeitgeberverbänden bei Integrationsprojekten für Flüchtlinge, die es in dieser Form sonst nur noch in Bochum gibt.

Märkischer Arbeitgeberverband hat schon fünf Flüchtlingsprojekte durchgeführt

Inzwischen hat der Verband fünf Projekte mit insgesamt 69 Geflüchteten abgeschlossen. 46 davon wurden entweder durch eine Einstiegsqualifizierung fit für eine Lehre gemacht, erhielten direkt einen Ausbildungsplatz oder einen Job. Kürzlich hat der MAV ein weiteres Projekt auf den Weg gebracht.

Von dem Verbandsengagement profitiert auch Ahmed Hussin. Der 21-jährige Syrer macht eine Einstiegsqualifizierung bei der Firma Burgtec in Iserlohn, die Dreh- und Frästeile fertigt.

„Nach einem Jahr übernehmen wir ihn dann gleich ins zweite Jahr der Ausbildung zum Maschinen- und Anlagenführer“, sagt Geschäftsführer Volker Burghoff. Nur wenn er sich bewährt natürlich, aber daran bestehe kein Zweifel. Die Arbeit mit Metall, vor allem das Fräsen, macht Hussin Spaß, der vor ein paar Wochen mit Bravour die Führerscheinprüfung bestanden hat.

Syrer kam über MAV-Projekt zum Dreh-und Frästeileproduzenten Burgtec

Der junge Mann hat eine wahre Odyssee hinter sich: Nach dem Abitur in Syrien machte sich der damals 17-Jährige mit seinem Bruder auf den Weg. Zwei Jahre lang lebte er in der Türkei, arbeitete als Schneider. Aber er wollte weiterkommen, mehr Chancen versprach er sich in Deutschland, das er Ende 2015 über die Balkanroute erreichte. Nach einigen Umzügen landete er in Hagen – und kam über das MAV-Flüchtlingsprojekt schließlich zu Burgtec. „Hier gefällt es mir richtig gut.“

Mit seinem zurückhaltenden, höflichen Wesen konnte Hussin schnell auch die Skeptiker unter den gut 80 Mitarbeitern des Unternehmens von sich überzeugen. „Er ist voll akzeptiert“, betont Firmenchef Burghoff.

Integration gelungen – das gilt auch für Hosseini bei Gloria. Wenn er in der Werkstatt etwas nicht richtig versteht, hilft ihm sein Ausbilder, indem er ihm alles noch mal „in einfacher Sprache erklärt“, so der junge Mann. Schafft er die zweijährige Ausbildung, soll es nahtlos zum Industriemechaniker-Abschluss weitergehen. Eines Tages will er Meister werden, schmiedet er schon Pläne.

Flüchtling ist so gut, dass er einen festen Job in der Montage erhielt

Und Hosseini ist nicht der einzige Flüchtling, der bei Gloria unterkam. So hat das Unternehmen im letzten Sommer den Syrer Ahmad Ibrahim eingestellt. Er hatte in seiner Heimat im Schiffbau gearbeitet und ist fertig ausgebildeter Mechaniker. Zu Gloria kam er zunächst als Zeitarbeiter: Das Geschäft mit Gartengeräten hat im Frühjahr und Sommer Hochsaison. „Wir haben ihn behalten, weil er sehr gut ist.“ Bei Gloria hat er nun auch einen festen Job in der Montage und kann seine Familie ernähren.

Ausbildung von geduldeten Flüchtlingen

Welche Möglichkeiten ergeben sich für junge Geduldete und abgelehnte Asylbewerber durch die mit dem Integrationsgesetz geschaffene 3+2 Regelung?

So steht es im Gesetz:

Mit der 3+2 Regelung wurde eine weitere Duldungsregelung geschaffen, die Auszubildenden und Arbeitgebern Planungssicherheit gibt, weil sie den Aufenthalt für die Dauer der Ausbildung sichert. Darüber hinaus können diese Auszubildenden nach erfolgreichem Abschluss der Ausbildung eine 2-jährige Aufenthaltserlaubnis erhalten, wenn sie eine Arbeitsstelle aufnehmen können, die ihrer Ausbildung entspricht. Der Gesetzgeber hat die Duldungserteilung für eine Ausbildung an verschiedene Voraussetzungen geknüpft. Voraussetzungen für die Erteilung dieser Duldung: es dürfen keine Maßnahmen zur Aufenthaltsbeendigung bevorstehen, der Betroffene darf nicht aus einem sicheren Herkunftsland stammen und er darf die Aufenthaltsbeendigung durch sein Verhalten nicht verschuldet haben. (§ 60a Abs. 2 S. 4 und § 18a Abs. 1 a AufenthG)

Wie geht es nach der 3+2 Regelung weiter?

Die weitere Aufenthaltsgewährung ist möglich.


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