Für Königsschlösser, Statuen und Bücher

Noris Blattgold: So entsteht das hauchdünne Edelmetall

Schwabach. Der Invalidendom in Paris, das Sankt Petersburger Schloss, die Kutsche der Queen – sie haben eines gemeinsam: Das Gold, mit dem sie glänzen, kommt aus der fränkischen Provinz. Von Noris Blattgold mit Sitz in Schwabach.Diese Firma (80 Mitarbeiter) ist Europas größter Hersteller des hauchdünn geschlagenen Edelmetalls.

30 verschiedene Goldtöne stellen die Spezialisten her

Gold kann ganz verschieden glänzen: Die Schwabacher können 30 Farbtöne herstellen, je nach Kundenwunsch. „Die Farbe richtet sich danach, mit welchem anderen Metall wir das Gold legieren“, erklärt Dieter Drotleff. Mit Kupfer wird es eben ein wenig rötlicher, mit Silber bekommt es einen Weißton. Der 63-Jährige ist Goldschlägermeister – einer der letzten. Denn diesen Beruf kann man heute so gar nicht mehr lernen.

Drotleff und seine Kollegen verarbeiten pro Tag rund drei Kilo Gold. Aus einem Gramm können bis zu 1,7 Quadratmeter Blattgold entstehen. Mit einem aufwendigen Verfahren wird es nach und nach so dünn, dass Vergolder es mit feinen Pinseln auf Gebäude, Denkmäler oder Bücher auftragen können.


Per Einschreiben liefern Metallscheideanstalten zwei- bis dreimal in der Woche reines Gold in Granulatform. Das muss Drotleff erst einmal schmelzen. Wenn das Material im über 1.200 Grad heißen Ofen flüssig ist, gießt der Meister es in eine Form. So entsteht ein kleiner Barren, etwa in der Größe eines Schokoriegels, aber mit einem Gewicht von mehr als einem Kilo – und einem Wert von rund 35.000 Euro.

Dieses Stück schiebt Drotleff dann so oft durch eine Walze, bis ein meterlanges Goldband enstanden ist. Eine Maschine schneidet es in kleine Quadrate, die Mitarbeiterinnen mit Ebenholz-Zangen einzeln zwischen Papierseiten legen. Wenn 1.500 Goldplättchen so aufeinandergeschichtet sind, quetscht Drotleff den Stapel in eine Schutzhülle aus Ziegenleder. Die ist sehr robust, und das ist auch nötig. Denn jetzt kommt der Hammer.

Von einer großen Maschine betrieben, knallt er mit ohrenbetäubendem Lärm auf den Einband runter. Stundenlang haut er mit einer Kraft von 80 Kilo auf den Packen. „So können wir das Gold bis auf einen 14.000stel Millimeter dünn schlagen“, erklärt Drotleff. Tatsächlich: Man kann am Ende durchsehen!

Erneut schneiden Mitarbeiterinnen das Produkt dann zurecht und legen schließlich kleine Quadrate zwischen Seidenblätter in Büchlein. So kommt das Blattgold zum Kunden, der meistens im Ausland sitzt; exportiert wird in 50 Länder.

Aber auch in Deutschland lässt sich Schwabacher Gold bewundern, beispielsweise auf der Berliner Siegessäule oder im Schloss Neuschwanstein.

Übrigens: „Wer will, kann das Gold auch essen“, sagt Drotleff. „Aber es schmeckt nach nichts.“

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