Spargel

Nie wieder Schäl-Frust


Wie Maschinen das Edel-Gemüse von seiner Haut befreien

Spargel essen? Oh ja! Spargel schälen? Oh weh! Denn das Schälen des Edel-Gemüses ist echte Strafarbeit. Weil die Haut des Gemüses so feinfaserig ist, legt sie sich wie ein Film über die Messerklinge. Das Schälen dauert ewig und nervt! Und dann brechen die Stangen auch noch so leicht.

Doch auch Schäl-Verweigerer müssen nicht länger auf den Genuss des königlichen Gemüses verzichten. Die Lösung: schlaue Spargelschäl-maschinen, die immer häufiger auf Bauernhöfen und in Supermärkten zum Einsatz kommen.

2.500 Stangen in einer Stunde

Der Marktführer der cleveren Helfer heißt Hepro und sitzt im kleinen Rheda-Wiedenbrück in Nordrhein-Westfalen. „Unsere Standardmaschine schafft 2.500 Stangen pro Stunde. Die Menge für einen Vier-Personen-Haushalt landet somit in nicht mal drei Minuten im Einkaufskorb!“, sagt Christoph Protte, der Chef der Firma.

Und so funktioniert es: Die erntefrischen Spargelstangen werden zwischen Luftwalzen geführt und durchlaufen horizontal acht scharfe Messerpaare. Ein Lichtsensor erkennt und verschont den kostbaren Kopf. Während des Schälens reinigt ein winziger Wasserstrahl gezielt die Klingen. Das Ergebnis: Nichts bleibt  hängen.

Protte und sein Geschäftsführer-Kollege Siegfried Hennemeier entwickelten Anfang der 90er-Jahre die erste deutsche Spargelschälmaschine. „Ein befreundeter Spargelbauer gab uns den Tipp“, erzählt Protte.

Und so tüftelten die Maschinenbautechniker abends nach der Arbeit am Prototyp. „Wir benutzten einfache Handschäler, als Antrieb diente ein Scheibenwischermotor. Wir haben Unmengen von Spargel verbraucht!“

Das war 1992. Mittlerweile ist das Unternehmen dick im Geschäft. 150 Schälmaschinen wurden allein in den vergangenen Monaten produziert. „Die meisten vermieten wir für die Saison“, erklärt Protte. Rund 200 Stück sind dann im Umlauf.

Ob auf dem Markt, am Straßenstand oder auf dem Gehöft: „Wer das Schälen mit anbietet, verkauft mehr Spargel“, erklärt Protte. Das Ganze funktioniere aber nur bei Live-Vorführung. „Psychologie“, so der Fachmann. „Spargelfans wollen zunächst ungeschälte Stangen selbst auswählen.“

Übrigens: In keinem anderen Land sind die blassen Stangen so beliebt wie bei uns. Zwei Kilo futtert jeder deutsche Haushalt pro Jahr im Schnitt. „70 Prozent der Ernte wird bei regionalen Erzeugern statt im Supermarkt gekauft“, weiß Simon Schumacher, Geschäftsführer des Verbands Süddeutscher Spargel- und Erdbeeranbauer in Bruchsal.

Und die Nachfrage steigt. Spargel wird bundesweit auf rund 23.000 Hektar Freiland angepflanzt. Zum Vergleich: Möhren wachsen auf etwa 11.000 Hektar.

Trotzdem ist Spargel ein Luxusgemüse. „Er ist heute nicht billiger als früher“, sagt Schumacher. Im Vergleich zu anderen Produkten sei er nur nicht teurer geworden. Dank dem steigenden Angebot.

Schälmaschinen  auch in China gefragt

Und auch wenn am 24. Juni, dem Johannistag, die Spargelsaison endet: Der Betrieb bei Hepro läuft weiter. Das Unternehmen produziert dann Industrie-Schälmaschinen für  Glas- und Konservenspargel. Die schaffen sogar bis zu 100.00 Stangen pro Stunde! Die größten Spargel-Exporteure, China und Peru, nutzen die Technik aus Rheda-Wiedenbrück bereits.

Artikelfunktionen


'' Zum Anfang