Metallindustrie

Nicht nur sauber, sondern rein


Bei Friedrich Krombach gibt es etwas, was man sonst nur aus der Chip-Fabrik kennt: einen Reinraum

Kreuztal. Rainer Wurmbach und Henning Tiepelmann schlüpfen in weiße Kittel, ziehen Handschuhe an. Dann betreten sie einen Raum, der so rein und weiß ist wie ein Kliniklabor. Die beiden arbeiten nicht etwa in einer Chip-Fabrik. Sondern bei einem Metallbetrieb, in der Montage.

Es ist die Firma Friedrich Krombach in Kreuztal (Siegen-Wittgenstein), Hersteller von Absperrklappen, Ventilen und anderen Reglern für Rohrleitungen. Dort kommt es bei so manchem Auftrag auf penible Sauberkeit an. Wie bei diesem: Derzeit fertigt die Firma Kugelhähne für ein neues Werk des Chemie-Konzerns Wacker.

Absperrklappen für Saudi-Arabien

Der will dort den Grundstoff für Computerchips und Photovoltaik-Zellen herstellen. Wobei die Armaturen von Krombach den Fluss des Rohstoffs Silizium durch die Rohre steuern sollen. Da darf kein Härchen, kein Stäubchen, kein Tröpfchen Fett die Produktion verunreinigen.

Die Kreuztaler liefern nicht nur Produkte, die klinisch rein sind. Im Programm sind auch Armaturen, die hohe Temperaturen und Drücke aushalten. Ideal für Kraftwerke und Chemie-Anlagen. Das Geschäft brummt, einige Abteilungen machen jetzt sogar Überstunden. Und die Nachfrage zieht weiter an: vor allem aus dem Ausland.

Für besonders gute Stimmung sorgt ein Großauftrag aus Saudi-Arabien, der größte in der Firmengeschichte.

Eine Ölgesellschaft bestellte Absperrklappen für das Feuerlöschsystem ihrer 350 Kilometer langen Pipeline. „In 28 Wochen mussten wir 1.400 Stück ausliefern, das war schon sehr stramm“, erzählt Ayse Öztürk, die das Projekt betreut. „Zumal die Teile mit Kunststoff ausgekleidet und mit Bronzescheiben zu versehen waren: Denn dort löscht man mit Salzwasser.“

Jetzt produziert Krombach die restlichen 380 Absperrklappen. Rund 15 Millionen Dollar bringt die Ausrüstung der Pipeline.

„Das Wichtigste dabei ist, sagt Öztürk, „den Überblick zu behalten.“ Denn an dem Auftrag arbeitet nicht nur die slowenische Krombach-Tochter mit. Sondern auch eine mexikanische Tochter des US-Konzerns Crane.

Zu dem gehört seit zwei Jahren auch die Kreuztaler Firma. Bei der Übernahme war es der Belegschaft zunächst mulmig zumute. „Wir dachten, eine Heuschrecke sei über uns gekommen“, erinnert sich

Betriebsratsmit­glied Thomas Nöh. Der befürchtete Job-Abbau blieb jedoch aus. Im Gegenteil: Crane eröffnet dem Mittelständler neue Märkte. So kam der Auftrag aus Saudi-Arabien nur durch den Mutterkonzern zustande, der ein weltweites Vertriebsnetz hat.

Und diese Bestellung half, die Krise glimpflich zu überstehen. „Sonst hätten wir ein Loch gehabt“, sagt Geschäftsführer Hans-Dieter Ptak. Ein Teil der Nachfrage – etwa nach Ventilen für Kesselwagen – war regelrecht eingebrochen. In der Schweißerei gab es eine Weile Kurzarbeit.

Amerikaner setzen auf Standort Vorbei.

Im April wurden 18 Mitarbeiter fest eingestellt, sie waren zuvor befristet oder als Zeitarbeiter beschäftigt. Die Amerikaner haben zudem zugesichert, den Standort Kreuztal weiter auszubauen.

In Europa ist Krombach schon Marktführer, langfristig sollen die Exporte nach Nah- und Fernost um das Dreifache steigen. Auch dank modernster Technik: Mit einer neuen vertikalen Drehmaschine sollen Großklappen wie für die Nahost-Pipeline bald deutlich schneller gefertigt werden.

Matilda Jordanova-Duda

Info: Friedrich Krombach GmbH

Das Unternehmen beschäftigt in Kreuztal 280 Mitarbeiter. Zu Krombach gehört auch eine Edelstahlgießerei und eine Fertigung in Slowenien sowie ein chinesisches Joint Venture. Die Gruppe, Teil des US-Konzerns Crane, setzte 2009 mehr als 80 Millionen Euro um. Crane hat 10 000 Mitarbeiter bei einem Umsatz von 2,2 Milliarden Dollar.

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