Mut-Macher

Neues Werk und Lego-Prinzip machen den Erfolg


Licon mt investiert 14 Millionen Euro und macht sich unabhängig von Lieferanten

Laupheim/Frankfurt. Voll erwischt! Nach mehreren Rekordjahren schlägt der deutsche Maschinenbau Alarm. Im Mai lagen die Auftragseingänge 48 Prozent unter Vorjahresniveau, meldet der Branchenverband VDMA. Gegenüber April 2009 sackten die Bestellungen im Inland um 42 Prozent ab. Und das Auslandsgeschäft gab mit minus 51 Prozent erneut besonders stark nach. 158.000 der knapp eine Million Beschäftigten sind in Kurzarbeit. Der VDMA kritisiert vor allem die zögerliche Kreditvergabe durch die Banken und nennt dies „eines der Haupthindernisse auf dem Weg aus der Krise“. Ein Branchenkenner macht es deutlich: „Der Maschinenbau hängt am Boden wie ein Flugzeug ohne Sprit.“

Es gibt aber auch Beispiele, die Mut machen. Viele Unternehmen der Branche stehen auch heute auf stabilen Beinen. Wie der Werkzeugmaschinenbauer Liconmt im schwäbischen Laupheim. Dort sagt Geschäftsführer Winfried Benz: „Wir sind noch gut ausgelastet und wollen weiter wachsen.“

Innovativ und zukunftsorientiert

Was macht dieses Unternehmen anders als andere? Zum Erfolg trug vor allem der Neubau des Firmensitzes bei, der gerade mit einem Tag der offenen Tür eingeweiht wurde. Rund 14 Millionen Euro hat Licon investiert. Benz: „Dieser Neubau ist ebenso innovativ und zukunftsorientiert wie unsere Produktpalette.“

Einen weiteren Grund für das gute Abschneiden der Laupheimer am Markt umschreibt Benz so: „Wir entwickeln und fertigen fast alle Maschinen-Komponenten im eigenen Haus. Das bringt Produkte hervor, die weltweit kaum ein anderer herstellen kann. Im hart umkämpften Markt macht das zudem unabhängiger von Lieferanten, die krisenbedingt ausfallen könnten.“

Licon hängt als Zulieferer der Auto-Bauer an einer besonders gebeutelten Branche. Doch die Auftragslage ist hier nicht dramatisch. „Wir sind noch gut dabei“, erzählt Benz. Seine Belegschaft arbeitet einen Altbestand an Bestellungen ab.

Der Betrieb bekommt auch neue: So hat ein namhafter deutscher Autohersteller große Anlagen bestellt – ein Auftrag, der insgesamt über mehrere Jahre läuft. Er trägt enorm zur Sicherung der Arbeitsplätze in Laupheim bei. Auch in mehrere Projekte anderer Auto-Hersteller und Zulieferer ist Licon eingebunden.

Ein weiteres Erfolgsrezept des Unternehmens bewährt sich auch in der aktuellen Wirtschafts- und Finanzkrise: Licon baut auf das „Lego-Prinzip“. Das heißt, die Kunden können sich ihre Produktionsanlagen flexibel, aber maßgeschneidert nach dem Baukastenprinzip zusammenstellen.

Gigantischer Investitionsstau

Flexibilität und Schnelligkeit werden in der Auto-Industrie wichtiger, weil immer mehr Modelle in kürzeren Abfolgen hergestellt werden. Die Kunden brauchen deshalb individuelle Fertigungskonzepte, um die vielfältigen Anforderungen abzudecken.

Wie lange die globale Wirtschaftskrise anhält, vermag auch Firmenchef Benz nicht zu sagen. Er sieht Chancen, und die machen ihm und seiner Belegschaft Mut. „Es entsteht derzeit ein gigantischer Investitionsstau. Den müssen die Unternehmen irgendwann auflösen“, so Benz’ Überzeugung. Und genau dafür ist Licon gerüstet.

Joachim Sigel

Info: Licon mt

Das Unternehmen in Laupheim stellt spanabhebende Fertigungslinien her. Kunden sind die Automobil-Industrie und ihre Zulieferer. Das Werk beschäftigt 160 Mitarbeiter und erzielt einen Jahresumsatz von 30 bis 35 Millionen Euro.

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