Arbeitszeit

Neues Schichtsystem begeistert Mitarbeiter beim Medizintechniker Gambro

Hechingen. Valentina Blüm ist vierfache Mutter! Siebenfache Oma! Und Schichtarbeiterin beim Medizintechnik-Unternehmen Gambro in Hechingen. Dass sie trotzdem ausreichend Zeit für ihre große Familie hat, verdankt sie einem neuen Arbeitszeitmodell.

Filterelemente für die Blutwäsche, sogenannte Dialysatoren, fertigt Blüm an ihrem Arbeitsplatz. Die Produktion läuft in Hechingen sieben Tage die Woche rund um die Uhr. Ein Teil der 1.400-köpfigen Belegschaft arbeitet im „vorwärts rollierenden Schichtsystem“. Das Revolutionäre daran ist die Unregelmäßigkeit: „Die Schichtarbeiter arbeiten an maximal zwei aufeinanderfolgenden Tagen in derselben Schicht“, erklärt Personalleiterin Daniela Jauch.

Gewechselt wird von der Früh- über die Spät- in die Nachtschicht. Ein Schichtblock besteht aus fünf bis sechs Schichttagen, danach sind drei bis vier Tage frei. „Wir haben das Modell zusammen mit unseren Schichtarbeitern und externen Experten entwickelt“, so die Personal-Chefin. Dabei wurde genau gefragt, was die Beschäftigten brauchen und was sie sich wünschen, um ihre Arbeit mit dem Alltag vereinbaren zu können.

„Durch die freien Tage zwischen den Schichtblöcken kann ich mich jetzt viel besser erholen“

„Früher habe ich meine Enkel oft eine ganze Woche nicht gesehen, weil ich durchgehend Wechselschicht hatte“, erzählt Blüm. „Jetzt arbeite ich zur Probe zwei Jahre nach dem neuen System. Damit kann ich meine Zeit viel besser einteilen.“

Außerdem können die Belastungen durch die neuen Schichten verringert und der Stress gemindert werden. Blüm: „Durch die freien Tage zwischen den Schichtblöcken kann ich mich viel besser erholen.“ Das hat einen handfesten Grund: „Durch die kurzen Schichtzyklen gewöhnt sich der Körper nicht an den verschobenen Rhythmus“, weiß die Personal-Chefin. „Das macht die Schichtarbeit verträglicher für den Körper und für das Familienleben.“

Wer aus gesundheitlichen Gründen keine Nachtschicht machen kann, arbeitet nur in der Früh- und Spätschicht. „Das schätzen vor allem unsere älteren Beschäftigten, wir reagieren so auf den demografischen Wandel“, ergänzt Jauch. Die Folge: „Bislang wollte keiner, der nach dem neuen Modell arbeitet, wieder zurück in die alten Schichten.“

Auch die Kommunikation im Betrieb hat sich verbessert. „Bei festen Schichten gibt es immer Gruppen, die nur nachts arbeiten. Aber die sind zum Beispiel für Schulungen nur schwer erreichbar“, sagt Jauch. „Wenn die Arbeitszeiten variieren, bekommt man einfach auch mehr mit, was im Unternehmen läuft.“ Und nicht zuletzt ist das neue System auch in finanzieller Hinsicht gerechter: Jeder im Schichtteam kann jetzt Spät-, Nacht- und Wochenendschichten fahren und die Zuschläge dafür erhalten.


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