Metall und Elektro

Neues Leitbild für alle Betriebe

Unternehmer im Schwarzwald: Manfred Münch, hier in einer Werkhalle am Stammsitz Oppenau, ist Vorstand der Doll Fahrzeugbau AG. Foto: Eppler

Wie sozial sich Deutschlands größter Industriezweig Metall und Elektro (M+E) verhalten will, haben wir jetzt schriftlich: Der Arbeitgeberverband Gesamtmetall hat „Grundsätze“ für die Arbeitswelt des 21. Jahrhunderts veröffentlicht. Sie fordern viel – von den Betrieben, aber auch von den Mitarbeitern!

AKTIV sprach darüber mit Manfred Münch (51). Der promovierte Ingenieur, Chef von mehr als 400 Beschäftigten der Firma Doll Fahrzeugbau, hat die Arbeit an den ethischen Vorgaben begleitet.

Nachzulesen sind die Grundsätze unter: www.gesamtmetall.de/grundsaetze

AKTIV: Sie und einige andere Unternehmer haben ehrenamtlich viel Zeit in das Abfassen der neuen Grundsätze investiert. Warum?
Münch:
Anlass war, dass in vielen Medien das Thema Arbeit so negativ gesehen wird – „Arbeit macht krank“ zum Beispiel. Ständig wird über den Krankenstand berichtet. Dass 97 Prozent unserer Belegschaften gesund sind, fällt gar nicht mehr auf. Wir möchten gegen dieses Schlechtreden ein Zeichen setzen, deutlich machen, was unsere Branche alles vorzuweisen hat: Wir haben im Herz der Wirtschaft Rahmenbedingungen, auf die wir stolz sind.

AKTIV: Ist das also auch eine Art Werbemaßnahme im Kampf um Fachkräfte?
Münch:
Das ist eine durchaus gewollte Nebenwirkung.

AKTIV: Gelten die Grundsätze denn verbindlich für alle?
Münch:
Unternehmen, die in unseren Arbeitgeberverbänden organisiert sind, ob tarifgebunden oder nicht, sollten sich bemühen, diese Leitlinien einzuhalten. Aber das ist letztlich abhängig von der Leistungsfähigkeit der Firmen: Ein 20-Mann-Betrieb kann sich keinen eigenen Fitness-Trainer leisten. Es gibt keine fixen Vorgaben – und keine Kontrolle.

AKTIV: Ein zentraler Satz lautet: „Wir wollen möglichst viele Arbeitsplätze am Industriestandort Deutschland schaffen“ – das klingt gut, aber dann kommt ein „Aber“ …  
Münch:
Ja. Wir müssen eben auch dort investieren, wo unsere Produkte gekauft werden und wo wir kostengünstig produzieren können. Das ist allerdings kein Widerspruch! Wir haben heute ja sogar mehr Stammbeschäftigte in den M+E-Betrieben als vor dem großen Einbruch 2009.

AKTIV: Stabile und „nach Möglichkeit wachsende Einkommen“ werden als Ziel genannt. Dazu heißt es: „Arbeit soll sich lohnen, aber sie muss sich auch rechnen.“ Muss man so eine Binsenweisheit aufschreiben?
Münch:
Ja. Weil immer wieder in Vergessenheit gerät, dass wir unsere Leute mit dem Geld unserer Kunden bezahlen! Die Grundsätze richten sich auch an unsere Mitarbeiter: Jeder sollte sich mal damit auseinandersetzen und darüber im Betrieb diskutieren.

AKTIV: Zumal Sie ja auch einige Forderungen stellen.
Münch:
Wir betonen da eigentlich nur die Eigenverantwortung. Etwa, wenn es um die Sicherung der eigenen Beschäftigungsfähigkeit geht: Unsere Unternehmen bieten viele Möglichkeiten, sich weiterzuqualifizieren. Diese Chancen muss man aber auch nutzen!

AKTIV: Bei der Gesundheitsförderung wird ebenfalls nicht nur „kluges unternehmerisches Handeln“ eingefordert: Sie appellieren vor allem an jeden Einzelnen.
Münch:
Viele Firmen tun schon sehr viel, damit ihre Beschäftigten lange und produktiv arbeiten können. Aber Mitarbeiter verbringen eben nur etwa ein Fünftel ihrer Zeit am Arbeitsplatz.

Die zehn „Grundsätze“ sind auch in der neuen Broschüre „Arbeiten im Herz der Wirtschaft“ nachzulesen. Sie liegt schon in vielen Betrieben vor.


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