Gesundheit

Neues Leben nach schwerem Schicksal


Wie Betriebe Mitarbeiter erfolgreich wieder eingliedern

Frankfurt. Ein paar Sekunden schleudert das Auto über die spiegelglatte Fahrbahn. Jörg Pfaff sitzt auf der Beifahrerseite. Beim Aufprall rammen sich die Knie des Hintermanns in seinen Rücken. Drei Wirbel brechen. Dass Pfaff danach nie wieder auf dem Vorfeld des Frankfurter Flughafens  Gepäckstücke ein- und ausladen kann, weiß er da noch nicht.

Acht Jahre später: Der 44-Jährige sitzt an seinem Rechner und kümmert sich um den Zentraleinkauf beim Flughafen-Betreiber Fraport. Nach einer Umschulung zum Kaufmann für Bürokommunikation begann sein neues Arbeitsleben.

Diese Chance verdankt Pfaff dem betrieblichen Eingliederungsmanagement (BEM). Seit 2004 ist es gesetzlich verankert. Jeder Arbeitgeber ist verpflichtet, eine Eingliederungsmaßnahme anzubieten.

Alle Beteiligten zusammenbringen

Und das nicht erst nach einem schweren Unfall. Schon wenn ein Mitarbeiter mehr als sechs Wochen krank ist, setzt das BEM an. Es gilt zu klären, was getan werden muss, um die betroffene Person gesundheitsverträglich weiter zu beschäftigen. Und zwar so, dass alle sozialen und wirtschaftlichen Möglichkeiten für Arbeitgeber und Arbeitnehmer ausgeschöpft werden.

„Das Ziel ist es, den Arbeitsplatz zu erhalten. Eine Kündigung ist für uns der allerletzte Ausweg“, sagt Christian Somogyi, der bei Fraport für BEM verantwortlich ist. 

Der Weg zum Neuanfang für Betroffene ist manchmal sehr schwer. Auch für Pfaff. „Ich wusste nicht, wie es weitergehen sollte nach dem Unfall.“ Der Dschungel der verschiedenen Ansprechpartner ist dicht. Da gibt es die Unfallkasse, die Krankenkasse, den direkten Vorgesetzten, die Personalabteilung, den Betriebsarzt.

Die Vertreter, die in Unternehmen für BEM zuständig sind, bringen alle Beteiligten zusammen. Allein bei Fraport gab es im vergangenen Jahr 237 runde Tische – bei insgesamt 120.000 Beschäftigten.

In diesen vertraulichen Gesprächen soll eine Perspektive für die Betroffenen gefunden werden. Mal reicht schon ein orthopädischer Schreibtischstuhl aus, mal ist eine Rehabilitation die Lösung, und manchmal muss das Arbeitsumfeld gewechselt werden, inklusive Umschulung. 

Der Rollenwechsel fällt schwer

Wie bei Pfaff. Und wie bei Tamara Simos. Sie arbeitet 14 Jahre lang auf dem Flughafen-Vorfeld als Busfahrerin. Bis sie schlimme Schmerzen bekommt. Bandscheibenvorfall. Sie darf nie wieder einen Bus fahren. Aber wie weiter? Jemand gibt ihr den Rat, sich an den BEM-Verantwortlichen Somogyi zu wenden. Auch sie macht eine Umschulung zur Kauffrau für Bürokommunikation.

Die sieht sie als Chance. Obwohl ihr dieser alltägliche Rollenwechsel nicht leicht fällt: Zu Hause ist sie Mutter zweier Kinder und in der Ausbildung eben Schülerin. „Neulich hat mein Sohn mich gefragt, ob er mir bei den Hausaufgaben helfen soll.“

Infos des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales gibt es unter:

www.einfach-teilhaben.de

Als Suchbegriff „BEM“ eingeben.

 

Artikelfunktionen


'' Zum Anfang