Papier- und Kunststoffverarbeitung

Neues Angebot: Berufsbegleitende Fortbildung zum Industriemeister in Bayern

München. Die ersten Schritte auf dem Weg nach oben führen über eine ganz normale Treppe: Onur Sahin, Abdul-Kadir Ayoglu und Lukas Wuzik sind gerade unterwegs zu einem Raum des Bildungswerks der Bayerischen Wirtschaft (bbw) in München. Dort soll er beginnen – ihr Aufstieg zum Meister!

Kurz darauf sitzen sie neben elf anderen Männern. Spannung, auch Nervosität ist zu spüren. Was sie in den nächsten Jahren erwartet, wissen die jungen Fachkräfte nicht genau. Dass sie pauken müssen wie wohl nie zuvor, ist ihnen klar.

Ein- bis zweimal pro Monat werden sie sich zum Unterricht treffen. Zusätzlich zum Job. So sieht es das Konzept der neuen berufsbegleitenden Fortbildung zum Industriemeister Papier-/Kunststoffverarbeitung vor. Entwickelt wurde es vom bbw unter Federführung von Jürgen Weiss; die Papiertechnische Stiftung ist eingebunden.

Die Initiative kam vom Verband der Bayerischen Papier, Pappe und Kunststoff verarbeitenden Industrie. „Bei über 13.000 Beschäftigten in der Branche allein in Bayern waren wir uns sicher, dass es hier einen Bedarf gibt – doch bisher fehlten uns die passenden Angebote“, sagt Thorsten Arl, Hauptgeschäftsführer des Verbands.

Das große Echo gibt ihm recht: Auf Anhieb sind es 30 Männer, die an den bbw-Standorten München und Nürnberg ihren Meister in Sachen Papier- und Kunststoffverarbeitung machen wollen. Zum Vergleich: In den letzten Jahren haben bundesweit im Schnitt 35 Menschen pro Jahr diese Prüfung geschafft, wie der Deutsche Industrie- und Handelskammertag meldet (alle Ausbildungsstätten: karriere-papier-verpackung.de).

„Wir haben schon Interessenten für den nächsten Kurs 2016“

Ein etablierter Standort ist zum Beispiel die Papiermacherschule Gernsbach (Baden-Württemberg). Dort wird blockweise über mehrere Wochen gelernt. Der neue bayerische Kurs hingegen vermittelt das Wissen freitagnachmittags und samstags. Das Konzept kommt an: „Schon nach kurzer Zeit hatten wir deutlich mehr Anmeldungen als erwartet“, freut sich Angelika Kaiser, Lehrgangsleiterin des Münchner Kurses. „Wir haben schon Interessenten für den nächsten Kurs 2016.“

Zweieinhalb Jahre lang geht es jetzt um kaufmännische und betriebswirtschaftliche Kenntnisse – und natürlich um fachspezifisches Know-how. Am Anfang stehen aber Arbeits- und Lernmethoden sowie Zeitmanagement: „Wer weiß, wie man zielorientiert und effektiv lernt, hat größere Chancen, das Pensum gut zu bewältigen“, so Kaiser. Sie macht den Männern Mut: „Nach meiner Erfahrung in anderen Branchen packen neun von zehn Teilnehmern den Abschluss, wenn sie richtig motiviert sind.“

Bei Sahin und Ayoglu zum Beispiel ist das offenbar der Fall. Sie sind beide 22, gelernte Verpackungsmittelmechaniker (inzwischen heißt dieser Ausbildungsberuf Packmitteltechnologe) – und extra aus dem Allgäu angereist. „Die Ausbildung war der Grundstein, jetzt gehen wir den nächsten Schritt“, sagt Ayoglu.

Kurs-Kollege Lukas Wuzik (29) ergänzt: „Wann, wenn nicht jetzt, sollte ich das machen?“ Er ist gelernter Fliesenleger, fing 2006 als Produktionshelfer an und arbeitet nun als Maschinenführer im Werk Haiterbach der Hans Kolb Wellpappe-Gruppe. Die hat gleich neun Teilnehmer aus verschiedenen Werken zum Meisterkurs geschickt: „Da die Anforderungen der Kunden ständig steigen, kann die Qualifikation der Mitarbeiter gar nicht breit genug sein“, sagt Kolb-Personalleiter Horst Varschen.

Wuzik weiß, welche Chance ihm die Fortbildung bietet. „Ich hab erst kurz vor dem Hauptschulabschluss kapiert, dass man was tun muss, um voranzukommen“, sagt er. „Und ich will das jetzt durchziehen.“

Infos zum neuen Meisterkurs:
bbwbfz-seminare.de


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