Bessere Chancen für Azubis

Neuer Tarifvertrag soll mehr Jugendliche in Ausbildung bringen


Frankfurt. Einen Job im Büro will Fahri Büyükkaya auf keinen Fall. „In der Produktion, da fühle ich mich wohl“, sagt der 17-Jährige. Er lernt bei der Vacuumschmelze (VAC) in Hanau seit drei Jahren Verfahrensmechaniker. Für seinen Ausbildungsplatz nimmt er täglich zwei Stunden Fahrzeit in Kauf, um von seinem bayerischen Heimatort nach Hanau zu kommen.

Fahri gehört zu den rund 100 Auszubildenden der VAC, einem Hersteller von Spezialwerkstoffen mit 1.500 Mitarbeitern. Traditionell wird hier viel für die Azubis getan. So gibt es neben der Berufsschule betrieblichen Unterricht, wenn nötig auch besondere Unterstützung. In der Regel bestehen alle VAC-Azubis die Prüfungen.

Ausbildungsleiterin Jacqueline Flentge: „Bei Leistungsschwächen kann man relativ leicht helfen, fehlt es jedoch an Motivation und Engagement, ist das viel schwieriger.“

Fördern, aber nicht überfordern

Wenn am 1. September wieder 30 junge Menschen starten, hat bereits das Auswahlverfahren für den nächsten Jahrgang begonnen.„Schon jetzt stellen wir fest, dass es schwer wird, die offenen Plätze zu besetzen. Die Schulnoten liegen oft unter unseren Erwartungen“, so Flentge.

Gemeinsam mit den Ausbildern arbeitet sie gerade an einem Auswahlverfahren, bei dem praktisches Geschick und Engagement gleichberechtigt neben den kognitiven Kompetenzen stehen. Flentge: „Wir möchten junge Menschen fördern, aber nicht überfordern.“

Benachteiligten mehr Chancen geben

Dieses Ziel verfolgt auch der neue Tarifvertrag, den der Arbeitgeberverband Hessenmetall und die IG Metall jetzt unterzeichnet haben. Er sieht vor, dass förderungsbedürftige Jugendliche auf der Basis eines freiwilligen Integrationsvertrags bis zu einem Jahr einen Betrieb durchlaufen.

Das Ziel: Nach einem individuellen Förderplan sollen sie so ihre Ausbildungsfähigkeit erreichen. Die anschließende Übernahme in ein Ausbildungs- oder Arbeitsverhältnis ist beiderseitig freiwillig.

„Wir wollen sozial benachteiligten, lernschwachen jungen Menschen die Chance geben, sich doch noch eine Berufsausbildung zu erarbeiten“, sagte Volker Fasbender, Hauptgeschäftsführer von Hessenmetall, auf einer gemeinsamen Pressekonferenz mit der IG Metall. Er empfiehlt den Unternehmen, es einfach auszuprobieren.

Das wünscht sich auch Armin Schild, Bezirksleiter IG Metall Mitte: „Dieser Tarifvertrag eröffnet Jugendlichen ohne Schulabschluss eine Chance und Betrieben ein zusätzliches Potenzial für ihren Fachkräftebedarf.“

Wie gut das funktionieren kann, zeigen die Erfahrungen der Siemens-Region Mitte. Seit einigen Jahren bekommen hier benachteiligte Jugendliche einen Ausbildungsplatz. Diesmal sind das 25 von 194, aber nicht einmal Ausbilder erfahren, wer dazuzählt. So will man eine neutrale Beurteilung ermöglichen.

Die Prüfungen zeigen, dass nach zwei oder drei Jahren kaum Leistungsunterschiede bestehen. Ausbildungsleiter Johannes Amen: „Die Jugendlichen sehen die Ausbildung als Chance und nutzen sie in aller Regel.“

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