Entwicklung

Neuer Schuh in zehn Sekunden


Klöckner Desma: Mit deutschen Tugenden an die Weltspitze

Achim. Wie auf einem umgekippten Riesenrad rotieren 30 Schuhschäfte auf einer Rundtischanlage. Sie sollen besohlt werden. Automatisch wird flüssiger, 210 Grad heißer Kunststoff in eine Schuhform gespritzt.

Dort wird der Schaft hineingedrückt, um sich mit dem Kunststoff zu verbinden. Nach zehn Sekunden ist dieser ausgehärtet, die Sohle für einen rechten Schuh, Größe 40, fertig. Der Rundtisch taktet weiter, der linke Schaft ist dran.

Schuhproduktion im Zehn-Sekunden-Takt. Spezialmaschinen von Klöckner Desma machen es möglich. Denn sie beherrschen die Direktansohlung, ein Verfahren, bei dem flüssiger Kunststoff direkt an den Schaft gespritzt wird.

Industrielle Schuhfertigung

Nur 10 Prozent der weltweit pro Jahr verkauften 18 Milliarden Schuhe werden so hergestellt. „Wir sind in der Nische einer Nische tätig, doch da sind wir Weltmarktführer“, sagt Desma-Geschäftsführer Klaus Freese stolz.

1946 ist das Unternehmen mit einfachen, handbetriebenen Maschinen für die Schuhproduktion gestartet. Heute bauen die 210 Mitarbeiter in Achim hochkomplexe, vollautomatisierte Spezial-  anlagen mit Roboter-Technik.

95 Prozent sind für den Export bestimmt, nach Brasilien, China, Indien, Laos oder Simbabwe. „Jährlich verlassen bis zu 50 Rundtische für die Direktansohlung unsere Hallen“, sagt Freese und fügt hinzu: „Da ist kein Doppelter dabei.“

80 Rundtischtypen hat Desma im Programm. Sie machen mit 85 Prozent das Kerngeschäft aus. Auch wenn die Rundtische auf Standardmodulen basieren, ist das Endprodukt ein Unikat. Schließlich fordern die Kunden verschiedene Automatisierungsgrade, Verfahrenstechniken und Flexibilität. „Für viele ist Desma ein Synonym für Spitzentechnologie, Zuverlässigkeit und höchste Qualität – die Nummer eins unter den Schuh­maschinen-Herstellern“, sagt Christian Decker, zweiter Geschäftsführer bei Desma.

Technikbegeistertes Team

Damit das so bleibt, werden die Maschinen auch künftig in Achim konstruiert, gefertigt, montiert und getestet. Für eine lohnintensive Branche wie die Schuhindustrie, deren Hersteller meist in Billiglohnländern sitzen, ist das eher unüblich.

Für Desma ist es Teil der Firmenstrategie. „Bei der Qualität unserer Anlagen gehen wir keine Kompromisse ein. Deshalb setzen wir auf Qualitätsbewusstsein und Ingenieur-Know-how aus Deutschland“, erklärt Decker.

Dieses Know-how führt Desma auch gezielt in neue Märkte ein. Schuhproduzenten, die Sohle und Schaft bislang manuell zusammengefügt haben, werden neue Lösungen mit Robotereinsatz präsentiert.

Darüber hin-aus entwickelt Desma neue Technologien, um Kunststoff in Form zu bringen. „Für den Mikrobereich zum Beispiel bieten wir Spritzgussverfahren an, bei der Herstellung kleins­ter Teile für LEDs, Mikrochips oder Handys“, sagt  Freese.

Nach dem wichtigsten Kapital der Firma befragt, antwortet Freese: „Unsere Mitarbeiter und deren Know-how.“ Denn: Nur Spezialisten können so komplexe Anlagen bauen.

Deshalb investiert Desma viel in Qualifizierung und bildet selbst aus. Die Quote liegt bei über 10 Prozent. „Bei uns arbeiten technikbegeisterte Menschen, die im Team kleine technische Wunderwerke entwickeln wollen“, freut sich Freese.

Bettina Köhler

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