Gut isoliert

Neue Thermo-Hülle von Conti spart der Industrie 70 Prozent Wärmeverlust

Northeim. Die Wirtschaft brummt, in vielen Chemiebetrieben wird rund um die Uhr produziert. Und obwohl das Sparen von Ressourcen meistens an erster Stelle steht, geht durch schlechte Dämmung noch viel Energie verloren. So viel Energie, wie vier mittelgroße Kohlekraftwerke in zwölf Monaten erzeugen. Das hat das Beratungsunternehmen Ecofys in Köln für die gesamte Branche ausgerechnet. Denn bis zu einem Zehntel der Anlagen ist gar nicht isoliert, oder der Schutz ist beschädigt. Und schlecht zugängliche oder verwinkelte Stellen sind oft gar nicht gedämmt.

Ein neuartiges Material der Firma ContiTech Elastomer Coatings im niedersächsischen Northeim macht das Nachrüsten ungeschützter Anlagenteile jetzt ganz einfach. Das Besondere daran: „Wir verwenden erstmals eine spezielle Gummimischung zum Dämmen“, berichtet Innovationsmanager Hans-Peter Paulsen. „Das ist eine absolute Neuheit auf dem Weltmarkt.“ Vom Conti-Konzern wurde der Werkstoff daher auch mit dem Innovationspreis ausgezeichnet.

Sein Vorteil: Isoliert wird mit einer plastischen, knetbaren Gummi-Rohmasse, die von den Mitarbeitern des Betriebs nahtlos um Rohre, Zu- und Ableitungen oder Ventile geformt wird. „Das geht in wenigen Minuten“, erklärt Paulsen. „Die Knetmasse haftet von selbst und härtet anschließend durch die Wärme der Anlage oder Maschine ab 80 Grad Celsius zum dämmenden Gummi aus.“

Für große Flächen gibt es die Knetmasse in Platten, für Ritze und Schlitze in der Spritzkartusche („Conti Thermo-Protect“). Aber auch vorgefertigte Gummihüllen in Normgrößen für Rohre, Ventile und Schläuche hat das Unternehmen im Lieferprogramm.

Gerade dampfführende Schläuche, etwa von Maschinen in der Kautschuk-Industrie, seien nur schwer dauerhaft zu isolieren. „Sie werden bei jedem Arbeitsschritt bewegt, das hält bisher kein Dämmstoff lange aus“, weiß Paulsen. „Unser flexibles Material dagegen funktioniert an solchen Schläuchen schon einige Jahre problemlos.“

Umsatz jedes Jahr mehr als verdoppelt

Für die Isolierwirkung sorgen übrigens winzige Luftbläschen in der Gummi-Mixtur, die auf einem Silikon-Kautschuk basiert. „Schon ein Zentimeter Schicht verringert den Wärmeverlust von Kesseln, Leitungen oder Heizschlangen um etwa 70 Prozent“, schildert Paulsen. Das sei etwas weniger als bei herkömmlichen Dämm-Materialien wie Mineralwolle.

Dafür saugt der Gummi kein Wasser und kein Öl auf. Ein Leck darunter ist deshalb rasch an einer Beule in der Isolierschicht zu erkennen. Verwendbar ist das Material bei Temperaturen von minus 50 bis plus 250 Grad Celsius; es widersteht UV-Licht, ist witterungsfest und kann mit dem normalen Müll entsorgt werden.

Zwar ist der Werkstoff aus dem 600-Mann-Betrieb in Northeim nicht so sehr zum Isolieren langer, gerader Rohre gedacht. Dennoch sei das Material bei Prozess-Ingenieuren in der Chemie-Industrie sehr gefragt, sagt Paulsen. „Seit dem Verkaufsstart 2011 haben wir unseren Umsatz damit jedes Jahr mehr als verdoppelt. Darauf sind wir stolz.“

Auch die Betriebe profitieren. Mit einer angemessenen Dämmung kann die Industrie hierzulande jährlich rund 750 Millionen Euro sparen.


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