Gegen die Krise

Neue Produkte – keine Angststarre


Albis Plastic in Hamburg schult Belegschaft und baut die Produktentwicklung aus

Hand aufs Herz: Wer denkt schon täglich daran, wie stark uns Kunststoffe den Alltag oder den Beruf erleichtern?

Zahnbürste, Kaffeekanne, Bügeleisen oder das Armaturenbrett im Auto – alles ist aus Kunststoff.

Albis Plastic in Hamburg stellt solche Kunststoffe her. Sie sind gefragt, wenn zum Beispiel Armaturen eine besondere Optik erhalten sollen.

Die Feier wird nachgeholt

Eigentlich wollten die Albis-Mitarbeiter in diesem Jahr ein großes Fest mit allen Mitarbeitern feiern. Das Unternehmen hat sich in den letzten Jahren prächtig entwickelt. Da wäre der 100. Geburtstag der Muttergesellschaft, der Otto Krahn Gruppe, eigentlich ein passender Anlass gewesen.

Doch die Krise macht den Hamburgern einen dicken Strich durch die Rechnung. „Das holen wir später nach“, sagt Finanzgeschäftsführer Hans-Jochen Lorenzen. „Schließlich wird die Albis in zwei Jahren 50.“

Die Hamburger nutzen die Krise – statt in Angststarre und Lethargie zu verfallen. Für das Unternehmen heißt dies, sämtliche Kosten genauestens zu analysieren.

Wo immer es sinnvoll ist zu sparen, wird der Rotstift angesetzt. Die Produktion ist in Kurzarbeit. Dennoch: „Die Mitarbeiter sind unser wichtigstes Kapital.“ Darüber sind sich Ge­schäftsführer Lorenzen und Personalleiter Udo Knak einig.

Deshalb werden die Qualifizierungsmaßnahmen zurzeit nicht gedrosselt, sondern ausgebaut. Das gilt für die Maschinenführer genauso wie für die Schlosser. „Es sind Inhouse-Schulungen“, sagt Knak. Auch an den Produkten von morgen wird mit Hochdruck gearbeitet. Ein Entwicklungsteam besteht aus Chemikern, Ingenieuren und Maschinenführern. Auf 40 Mitarbeiter sind diese Teams im vergangenen Herbst aufgestockt worden – trotz der klar absehbaren Krise vor allem in der Automobil-Industrie.

Die Kunden von Albis Plastic sind Spritzgussverarbeiter. Laut Statistik arbeitet jeder von ihnen für 3,6 Branchen. „Die Automobil-Industrie ist zwar eine sehr große, aber längst nicht die einzige Branche“, verdeutlicht Lorenzen.

Auf der Gewinnerseite

Jetzt haben sich die Albis-Entwickler unter anderem Kunststoffe zur Herstellung von Fahrrad- oder Skihelmen und sonstigen Protectoren auf ihre Fahnen geschrieben. Die Zeit bleibt eben nicht stehen.

Zur Beruhigung von Hans-Jochen Lorenzen konnte sein Unternehmen dank der guten letzten Jahre ein finanzielles Polster anlegen. Die Gewinne helfen jetzt, um die Wirtschaftskrise gut zu überstehen. „Es wird sicherlich einige Verlierer geben“, sagt er. „Doch wir werden zu den Gewinnern gehören.“

Werner Fricke

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