Nachwuchs

Neue Lehrstellen für die Zukunft


Spezialwissen: Cabot setzt auf Ausbildung

Rheinfelden. Für Olca Yildirim geht ein Traum in Erfüllung: Er lernt Chemikant. Der 21-Jährige aus dem südbadischen Zell im Wiesental hat hart dafür gekämpft. Jahrelang bewarb er sich vergebens – trotz guter Noten. Jetzt bekommt er seine Chance beim Spezialchemie-Hersteller Cabot in Rheinfelden.

Zusammen mit Tizian Seitz (16) aus Grenzach-Wyhlen startet er seine Lehre. Die beiden Realschulabsolventen sind die ersten Auszubildenden des Werks seit über zehn Jahren. Wie kommt’s? „Die Belegschaft wird älter und der Nachwuchs wird weniger“, erklärt Geschäftsführer Norbert Krummen, „da müssen wir für Fachkräfte sorgen.“ Eine gute Produktion erfordert gut ausgebildete Leute – am besten im eigenen Haus.

Ohne Spezialwissen geht gar nichts

Davon konnte er jetzt auch die Konzern-Oberen in Boston, USA, überzeugen. Schließlich ist Überalterung auch in Amerika ein Thema. Dort werden die Kollegen allerdings nur in die Arbeit eingewiesen. Das geht in Rheinfelden nicht: „Unsere Prozesse sind so komplex, dass es ohne Spezialwissen nicht mehr geht“, so Krummen. „Wenn wir hier mit unseren Azubis gute Erfahrungen machen, hat das sicher Signalwirkung im Konzern.“

Die Zeichen dafür stehen gut: Firma und Neulinge haben sich bereits in den Sommerferien „beschnuppert“. Die jungen Leute halfen in der Produktion bei der Abfüllung von Kieselsäure mit. Das hauchfeine weiße Pulver auf Siliziumbasis ist das Hauptprodukt des Werks. Gebraucht wird es etwa in der Gummi-, Kunststoff- und Klebstoff-Industrie sowie bei der Herstellung von Farben und Lacken.

„Da konnten sie schon mal sehen, wie das funktioniert“, schmunzelt Produktionsmeister und Ausbilder Robert Lindner. Er weiß, was auf die jungen Leute zukommt. Vor vielen Jahren hat er selbst zum Chemikanten umgeschult, berufsbegleitend den Meister draufgesetzt und ist heute auch Prüfer bei der IHK.

Von ihrem künftigen Beruf haben die Neulinge schon eine Vorstellung. Yildirims Cousin ist Chemikant, ebenso der Vater und der Bruder von Seitz. „Am Oberrhein arbeiten viele Familien seit Generationen in der Chemie“, weiß Personalleiterin Heidi Sieringer.

Den praktischen Teil der Ausbildung absolvieren die Jungs im Ausbildungszentrum von DSM Nutritional Products, dem Spezialisten für Nahrungsergänzungsmittel im benachbarten Grenzach-Wyhlen.

Chef kümmert sich persönlich

Die ganze Zeit werden sie gut betreut. Schon jetzt nahm Krummen die Neulinge einen Tag lang unter seine Fittiche, um sie in die Cabot-Firmenkultur einzuführen: „Persönliche Kontakte sind wichtig“, meint der Chef. Mit 80 Mitarbeitern hat der Standort noch eine überschaubare Größe.

Wenn Yildirim und Seitz einen ordentlichen Abschluss schaffen, haben sie den Job quasi in der Tasche: „Marschrichtung ist, sie zu übernehmen“, so Krummen.

Toi, toi, toi!

Gabriele Koch-Weithofer

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