Gesundheit

Neue Hoffnung für Zuckerkranke


Sanofi-Aventis: Es tut sich was in der Diabetes-Forschung

Frankfurt. Diabetes tut nicht weh. „Gerade das ist gefährlich“, weiß Matthias Urmann, Abteilungsleiter einer globalen Diabetes-Forschungseinheit beim Pharma-Unternehmen Sanofi-Aventis in Frankfurt. Unbemerkt zerstört zu viel Zucker die Blutgefäße. Am Ende drohen Blindheit, Nierenversagen oder Amputation. Dabei lässt sich viel dagegen tun.

Allein in Deutschland leiden acht Millionen Menschen an Diabetes, weltweit sind es 285 Millionen. Täglich erhöht sich die Zahl der Patienten, Bewegungsmangel und falsche Ernährung tragen kräftig dazu bei.

Neue Therapien sollen helfen, die Krankheit besser in den Griff zu bekommen. „Vielleicht ist sie eines Tages sogar heilbar“, hofft Urmann. 240 Wissenschaftler forschen am Standort intensiv daran.

Was in den nächsten fünf bis zehn Jahren in greifbare Nähe rückt:

Messen und Spritzen

Ein Diabetiker muss regelmäßig seinen Blutzuckerwert kontrollieren und dann Insulin, ein Hormon zur Zuckerregulation, spritzen. Urmann: „In wenigen Jahren soll es Insulin-Pens in der Größe eines Kugelschreibers geben, die zudem drahtlos mit einem Blutzucker-Messgerät kommunizieren.“

Schnellere Wirkung

Ein blitzschnell wirkendes Insulin bringt mehr Lebensqualität für Diabetiker, deren Bauchspeicheldrüse gar kein Insulin produziert (Typ 1). „Bisher müssen die Patienten ihr Essen zeitlich planen, Insulin spritzen und abwarten – trotz schnell wirksamer Insuline. Mit einem neuen Insulin könnten sie spontan zugreifen“, so der Wissenschaftler.

Neue Medikamente

Diabetiker, die noch etwas eigenes Insulin produzieren (Typ 2), können auf neue Wirkstoffe hoffen. Sogenannte „GLP-1-Agonisten“ regen die Bauchspeicheldrüse vermehrt zur Produktion an und schützen sie möglicherweise.

„Gleichzeitig bremst so ein Mittel den Appetit, die Patienten nehmen ab. Das ist sehr hilfreich“, weiß der Experte. Erste Medikamente dieser Art sind schon auf dem Markt.

Insulin als Tablette

Im Mund zerlegen Enzyme sofort die Eiweißketten des Insulins und machen es unwirksam. „Hier tut sich dank Nanotechnologie viel“, verrät der Forscher.

Der Wirkstoff lasse sich in Nanopartikel verpacken, die die Schleimhäute passieren können. Das ermögliche neue Therapieformen, aber es gäbe noch viel zu tun.

Vorbeugen

„Im Grunde möchten wir lieber vorbeugen als heilen“, meint der Forscher. „Deshalb suchen wir nach neuen Arzneimitteln, mit denen sich schon im Vorfeld Blutzucker-Regulation und Übergewicht behandeln lassen.“ So könnte man schlimme Spätschäden vermeiden. Noch ist kein neues Medikament dafür in Sicht. Urmann: „Wir arbeiten mit Hochdruck daran.“

Diabetes heilen

Wenn es den Forschern gelingt, das Wachstum bestimmter Körperzellen („Betazellen“) anzuregen oder sie künstlich herzustellen und einzupflanzen, könnte die Bauchspeicheldrüse wieder selber Insulin erzeugen. „Im Prinzip funktioniert das schon“, sagt Urmann. Bis 2020 könnten Erfolge vorliegen.

 

Artikelfunktionen


'' Zum Anfang