Leuchten der Zukunft

Neue Aussichten: Fenster aus Licht


Aachen. Boguslava Maczka windet ihre Arme in lange, schwarze Gummihandschuhe, die wie aufgeblasen aus einer sterilen Box ragen. Und greift damit zu hauchzarten Glasscheiben in der Box. „Verglichen mit ihnen ist eine CD ein dickes Brett“, sagt die Frau, während ihre Hände mit der Präzision eines Chirurgen in der Box Metallstücke auf die Scheibchen setzen.

Die Scheibchen sind „OLEDs“ (Organic Light Emitting Diodes), zu Deutsch: organische Leuchtdioden. Und die dürften bald die Beleuchtung revolutionieren.

Mit mehr als 100 Kollegen arbeitet Boguslava Maczka in Aachen an dieser Revolution. Philips hat hier Anfang des Jahres die weltweit größte Produktionsanlage für OLEDs in Betrieb genommen.

Sie steht in einem Reinraum, den man nur mit speziellem Kittel, Kopfhaube und Schuhüberziehern betreten darf. Unverzichtbar für die Herstellung der OLEDs, die im Prinzip aus Glasplatten mit aufgedampften organischen Schichten bestehen. Doch sie haben noch mehr Vorteile als die bekannten LEDs. Gegenüber klassischen Glühbirnen halten sie 15-mal länger, sind perfekt dimmbar und verbrauchen nur etwa ein Fünftel der Energie. Der Clou aber: OLEDs strahlen nicht nur punktuell Licht ab, sondern gleichmäßig auf einer Fläche und werden niemals wärmer als 30 Grad.

Deshalb sind sie vielseitig einsetzbar. Architekten, Designer und Künstler interessieren sich ebenso dafür wie Auto- und Flugzeughersteller. In ein paar Jahren soll es sogar Fenster geben, die leuchten – und in etwas fernerer Zukunft auch solche, die tagsüber Energie aus dem Sonnenlicht tanken.

Für die Mitarbeiter bei Philips sind diese Visionen ein festes Ziel. „Es ist die einzigartige Technologie, die die Arbeit hier so interessant macht“, erzählt Quoc Khong, der seit anderthalb Jahren für den sauberen Ablauf der Produktion verantwortlich ist.

„Man muss ein Gefühl für Qualität haben“, sagt seine Kollegin Macz­ka, die als gelernte Fotografin auch ein Gespür für die Bedeutung des Lichts mitbringt.

Gerade hebt sie eine Art Hängeregister mit Spezialglasscheiben ins Wasserbad. Nach der Reinigung mit gewöhnlichem Wasser folgt eine Ultraschallbehandlung, die noch die feinsten Staubkörnchen von der Platte fegt, danach die Beschichtung mit Chemikalien. Noch kosten OLEDs rund 6.000 Euro pro Quadratmeter. Fertige Produkte bietet Philips etwa für Luxushotels an, darunter ein Spiegel: Wenn niemand davorsteht, leuchten die OLED-Quadrate komplett. Sobald sich ein Gesicht nähert, erlischt das Licht nur an den Umrissen des Kopfes, und das Spiegelbild erscheint.

Wenn die Preise weiter sinken, kommen die OLEDs auch über den Wolken zum Einsatz

In Zukunft sollen die Preise bei steigender Produktion auf rund 1.000 Euro pro Quadratmeter sinken. Dann könnten OLEDs etwa Büros oder Wohnzimmer erleuchten – oder Flugzeugdecken. Denn überall dort, wo es auf jeden Millimeter und jedes Gramm ankommt, haben die Flächenleuchten große Vorteile. Sie sind heute schon 1,8 Millimeter dünn. Bald sind es sogar nur noch 0,7 Millimeter.

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