Metall und Elektro: Nachwuchssicherung mal anders

Netzwerk aus Schule und Wirtschaft verhilft Jugendlichen zu einer Lehrstelle

Eigentlich hatte er keine Chance: Mit einer Sechs in Mathe ging Roberto zum Vorstellungsgespräch – und bekam am Ende tatsächlich einen Ausbildungsplatz. Wie hat er die Kurve gekriegt?

Praktiker Roberto: Karin Gabriel traut ihrem Schüler mehr zu, als die Noten sagen. Foto: Higo

Praktiker Roberto: Karin Gabriel traut ihrem Schüler mehr zu, als die Noten sagen. Foto: Higo

Anpacken: Die Jugendlichen können viele Berufe ausprobieren. Foto: KBOP

Anpacken: Die Jugendlichen können viele Berufe ausprobieren. Foto: KBOP

Gespräch am Messestand: Unternehmen und Schüler begegnen sich an den unterschiedlichsten Orten. Foto: KBOP

Gespräch am Messestand: Unternehmen und Schüler begegnen sich an den unterschiedlichsten Orten. Foto: KBOP

Plettenberg. Schlechte Noten, kein Bock auf Schule, Probleme mit den Lehrern: Roberto musste eine „Ehrenrunde“ drehen, die Klasse neun wiederholen. Es sah nicht gut aus für den Hauptschüler. Doch der 17-Jährige schaffte den Absprung. Das dichte Netzwerk von Zeppelinschule und Wirtschaft in Plettenberg hat ihn aufgefangen: Bei der Firma E. Winkemann macht er nun eine Ausbildung zum Maschinen- und Anlagenführer.

Karin Gabriel, an der Schule verantwortlich für die Berufsorientierung, hatte es in einem Gespräch mit dem Unternehmen genau wissen wollen: Wie weit reicht der Wunsch, Nachwuchs zu gewinnen? Und: „Würden Sie auch einen Neuntklässler mit einer Sechs in Mathe nehmen?“

Sie erzählt von Roberto, dem sie mehr zutraut, als die Noten sagen, und von seiner Freizeit-Schrauberei an Roller und Auto. Die Firmenleitung lädt ihn spontan zum Vorstellungsgespräch – und der 17-Jährige steht am nächsten Tag pünktlich am Werkstor.

Die Firma macht ihm Hoffnung – unter einer Bedingung: „Wenn die Noten besser werden, nehmen wir dich.“ Roberto hat verstanden: „Da hab ich dann echt mal Gas gegeben“, strahlt er. Mit intensiver Nachhilfe wird aus der Sechs schnell eine „Drei plus“, und der junge Mann unterschreibt den Ausbildungsvertrag.

Es ist eine der Erfolgsgeschichten, die Karin Gabriel gerne und mit Stolz erzählt. Mit großem Engagement koordiniert sie, unterstützt vom Kollegium, die Berufsvorbereitung an der Hauptschule. „Unser Ziel ist es, möglichst viele in eine Ausbildung zu bekommen“, sagt sie.

Dafür setzt die Schule auf eine enge Zusammenarbeit mit den Unternehmen im Ort, nicht nur im Schul-Beirat. Bereits in der fünften Klasse stehen die ersten Betriebserkundungen auf dem Stundenplan. Mit dem Projekt Löwenzahn in Klasse sechs lernen die Jungs und Mädels Metall verarbeitende Betriebe kennen. Bis zum Abschluss durchlaufen sie drei Praktika.

In den Klassen neun und zehn, die hier Kompetenzzentrum Berufsorientierung Plettenberg (KBOP) heißen, wird in den Profilen „Industrie/Handwerk“, „Handel/Wirtschaft“ sowie „Soziales/Gesundheit“ gezielt auf das Berufsleben vorbereitet.

Schüler haben in einer Metall-Firma ein solarbetriebenes Rennauto gebaut

Immer wieder treffen sich Chefs, Personalleiter und Azubis mit den Schülern für Bewerbungstrainings, Betriebsbesichtigungen, Workshops und Job-Speed-Dates. Mit den Firmen entwickelt Gabriel passgenaue Angebote, neue Ideen sind immer willkommen. So baute eine Projektgruppe bei E. Winkemann über mehrere Wochen hinweg ein solarbetriebenes Formel-1-Auto. „Und bei der Firma Prinz machen wir jetzt einen ‚Prinzessinnen-Tag‘“, erzählt die Lehrerin. Auch die sozialen Kompetenzen werden gefördert: Die Jugendlichen engagieren sich ehrenamtlich, gestalten Projekte für Mitschüler und Drittklässler.

Die KBOP-Schüler haben einen guten Ruf in der Wirtschaft, die mit sinkenden Bewerberzahlen zu kämpfen hat. Zwischen 38 und 40 Prozent eines Jahrgangs gehen direkt in die Ausbildung – mehr als vor einigen Jahren.

Doch trotz aller Beratung und Förderung gibt es immer noch zahlreiche Jugendliche, die sich schwertun. „Wir servieren keinem die Lehrstelle auf dem Silbertablett“, sagt Gabriel. „Das Image der Ausbildung zu verbessern, ist ein Marathonlauf.“ Umso größer ist die Freude über jeden, der auch mit schlechten Startbedingungen ins Ziel kommt.


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