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Nerven aus Stahl


Stressiger Alltag: Wenn Norbert Rosenberger Stahl zum falschen Zeitpunkt ordert, kann es für sein Unternehmen richtig teuer werden. Foto: Puchner

Norbert Rosenberger kämpft als Einkäufer mit dem Auf und Ab der Rohstoffpreise

Schwabmünchen. Aus der Ruhe bringt Norbert Rosenberger nichts mehr. Stahl-Spaltband trocken bestellt, aber geölt bekommen? Kein Problem. Dann waschen es eben die eigenen Mitarbeiter – und stellen den Aufwand dem Lieferanten in Rechnung. Produktionspläne sind einzuhalten. Das hat höchste Priorität.

Rosenberger ist Leiter der Materialwirtschaft in der Eberle Federnfabrik – also oberster Einkäufer und Chef-Logistiker der Firma in Schwabmünchen nahe Augsburg. Er hat gelernt zu improvisieren. Und cool zu bleiben. Diese Eigenschaften braucht er gerade jetzt, in Zeiten stark schwankender Rohstoffpreise.

„Ich trage heute mehr Verantwortung“

Sein Job gleicht derzeit einem Balance-Akt. Ständig ist der 47-Jährige auf der Suche nach zusätzlichen Lieferanten und niedrigen Preisen. Und nach neuen Strategien. Planungssicherheit? Die gab‘s früher mal. „Ich trage heute deutlich mehr Verantwortung“, sagt er. „Mein Verhandlungsgeschick hat mehr Einfluss auf den Unternehmenserfolg.“

Die mittelständische Firma Eberle mit rund 400 Mitarbeitern macht ihr Geschäft vor allem mit Triebfedern und Stanzbiegeteilen. Die wichtigsten Kunden kommen aus der Automobil-Industrie, dem Apparate- und Motorenbau und der Elektrotechnik.

Im vergangenen Geschäftsjahr kaufte Rosenberger für Eberle mehr als 9.000 Tonnen Rohmaterial. Rund 17 Millionen Euro gab der Einkäufer für Stahl und Buntmetalle aus. Derzeit, sagt er, bewegten sich die Preise auf so hohem Niveau wie nie zuvor. „Aufschwung eben.“

Wesentlich schlimmer ist jedoch das ständige Auf und Ab, die Unsicherheit im Markt. „Viele horten deshalb wieder Material“, erzählt der Logistiker. Dabei ist es riskant, das randvolle Hochregallager als Puffer zu nutzen. Das weiß Rosenberger. Fallen die Rohstoffpreise nämlich wieder, wollen die Kunden die Preise drücken. „Die sind ja auch nicht dumm“, sagt er.

Noch kritischer sieht Rosenberger allerdings die Strategie, grundsätzlich langfristige Lieferverträge abzuschließen. Denn die gibt es in der Regel nur mit saftigem Preisaufschlag. „Der ist einfach zu hoch“, erklärt er. Das belaste stark das Ergebnis eines Unternehmens – oder könne sogar dessen Wettbewerbsfähigkeit gefährden.

Der Einkäufer vertraut vor allem auf seine Erfahrung und auf traditionelle Rezepte. Habe man etwa mehrere Lieferanten an der Hand, könne auch mal härter verhandelt werden, sagt er. Ein Vorteil sei zudem, dass Eberle Teil der Unternehmensgruppe Kern-Liebers mit weltweit mehr als 6.000 Mitarbeitern ist. Gemeinsam einkaufen bringt bessere Konditionen.

Abnehmer ins Boot holen

Trotzdem führe kein Weg daran vorbei, die Kunden am Risiko schwankender Rohstoffkosten zu beteiligen, sagt Rosenberger. Abnahme-Verträge werden daher oft an einen Rohstoff-Index gekoppelt. Steigt dieser kräftig, besteht Spielraum für nachträgliche Preiserhöhungen. Einen Haken gibt es allerdings auch hier. Die Preise einzelner Metalle und Stahlsorten können deutlich stärker als der im Index ermittelte Durchschnittswert zulegen.

Eberle bleibt dann auf einem Teil der Mehrkosten sitzen – es sei denn, die Kunden lassen mit sich reden.

 

Meine Arbeit

Wie kamen Sie zu Ihrem Beruf?

Im Einkauf bin ich eher zufällig gelandet. Dort habe ich dann Aufgaben in mehreren Branchen übernommen und viel Erfahrung gesammelt – vor allem in der Materialwirtschaft und in der Personalführung.

Was reizt Sie am meisten?

Ich mag es, gemeinsam mit motivierten Mitarbeitern und Geschäftspartnern in der Zulieferkette Abläufe und Produkte zu optimieren.

Worauf kommt es an?

Man darf nie den Blick für das Ganze verlieren und muss den Menschen mit all seinen Stärken und Schwächen akzeptieren.

 

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