Patente

Naturmedizin auf dem Prüfstand


Der Arzneihersteller Pascoe legt viel Wert auf Forschung

Gießen. Erkältung, Darmbeschwerden, Schlafstörungen – da greifen viele Bundesbürger gern zur Naturmedizin. Denn die hilft auf „sanfte“ Weise. Oder nicht? Apothekerin Dr. Gabriele Weiß sieht das anders: „Von wegen ein bisschen Blümchen gegen leichte Erkrankungen! Pflanzenarzneien sind vollwertige Medikamente mit Wirkungen, die man der Naturmedizin oft gar nicht zutraut“, sagt die Pharmazeutin.

Beim Arzneihersteller Pascoe in Gießen leitet sie die Forschung: „Unsere Tests und klinischen Untersuchungen sprechen da eine eindeutige Sprache.“

Wie? Tests und klinische Prüfungen für Naturmedizin? Jürgen F. Pascoe, der Chef des Familienunternehmens, nickt: „Na klar. Einmal schreibt es das Gesetz vor. Und dann ist das bei uns Firmenphilosophie. Schon 1961, lange vor dem ersten Arzneimittelgesetz, hat mein Vater damit begonnen.“ Zwar gibt es mit vielen pflanzlichen Mitteln seit Jahrhunderten Erfahrung. Aber der Arzneihersteller will auch wissenschaftlich fundiert belegen können, ob, warum und wie seine Medikamente wirken.

Über drei Millionen Patienten

Deshalb sorgen 24 Chemiker, Biologen, Pharmazeuten, Mediziner und Chemielaboranten für mehr Durchblick. Sie lassen Arzneien in Zellversuchen testen. Sie organisieren Anwendungsbeobachtungen bei Ärzten sowie klinische Studien mit Patienten. Sie werten die Fakten und Zahlen aus und schreiben Dossiers für die Zulassungsbehörde.

Rund 2 Millionen Euro steckt der Mittelständler (180 Beschäftigte) Jahr für Jahr in die Erforschung seiner Pflanzenarzneien und homöopathischen Präparate; das sind immerhin 15 Prozent vom Umsatz.

Inzwischen kann sich Pascoe auf medizinische Daten von mehr als drei Millionen Patienten aus 353 Untersuchungen stützen. Jedes Jahr kommen noch welche hinzu. Und neue Erkenntnisse.

„Das ist ja das Verblüffende dabei. Man entdeckt immer wieder Neues“, berichtet Firmenchef Pascoe. „In den Arzneien steckt noch so viel drin.“ Forschungschefin Weiß nennt einige aktuelle Beispiele: Passionsblumen-Extrakt helfe Rauchern bei der Entwöhnung. Und er könne es in puncto Beruhigung mit chemischen Medikamenten aufnehmen.

Teufelskralle bekämpfe Rückenschmerzen fast so wie gängige Rheuma-Mittel. Infusionen mit Vitamin C erleichterten Krebskranken die Chemotherapie. Injektionen mit einem homöopathischen Spezialpräparat linderten rheumatische Schmerzen.

Aber auch die Sicherheit und die Verträglichkeit ihrer Medikamente checken die Gießener Forscher ganz genau, wie Forschungschefin Weiß schildert: „Zwar hat pflanzliche Medizin kaum Nebenwirkungen. Dennoch haben wir jedes Präparat geprüft, ob es womöglich das Erbgut verändert.“ Das Ergebnis ist so eindeutig wie beruhigend: Alles okay.

Die Vision des Firmenchefs

Hinter so viel Engagement steckt ein Traum von Firmenchef Pascoe: „Naturmedizin und Schulmedizin sollen sich einmal auf Augenhöhe gegenüberstehen.“ Noch belächeln viele Mediziner die Naturheilkunde. Doch Pascoe will das ändern.

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