Wachstumsbranche

Naturmedizin als Job-Motor


Arzneihersteller Bionorica schafft 120 neue Arbeitsplätze

Neumarkt. Mmmh, das riecht fein: Ein leichter Kräuterduft durchzieht die Produktionshalle von Naturmedizin-Hersteller Bionorica. Aufmerksam überwacht Extraktions-Spezialist Johann Walter riesige Edelstahlbehälter, in denen er Thymian, Enzian, Holunder, Eisenkraut und Schlüsselblumen mit Alkohol und Wasser mischt. Hier entsteht ein Grippemittel, das sich als echtes Erfolgsrezept erweist.

Es lässt das Unternehmen seit Jahren stark wachsen, sogar jetzt in der Krise. Wegen der Grippewelle war dieses Atemwegspräparat („Sinupret“) in den ersten beiden Monaten des Jahres das meistverkaufte verschreibungsfreie Medikament in den Apotheken.

Während andere Unternehmen durch die Krise Umsatzeinbrüche haben, wächst der Mittelständler aus Neumarkt in der Oberpfalz rasant: Der Umsatz steigt konstant, im vergangenen Jahr sogar um 21 Prozent auf 130 Millionen Euro.

„Für 2009 bin ich optimistisch“

Gleich 121 neue Mitarbeiter stellte das Familien-Unternehmen 2008 in Deutschland ein, inzwischen arbeiten 450 Männer und Frauen am Standort. Tendenz steigend: „Für 2009 bin ich optimistisch. Wir wollen weitere Arbeitsplätze in Forschung und Entwicklung schaffen“, kündigt Inhaber und Vorstandsvorsitzender Michael Popp an.

Das Wachstum merkt auch Mitarbeiter Walter in der Produktion: „Vor acht Jahren waren wir hier nur zu dritt. Heute sind wir acht Mann.“

Die Tanks für die Ausgangsstoffe hat man erweitert. Und ein neues Verwaltungshaus bezogen. Weitere Büros und Labors entstehen gerade.

Popp hat große Pläne: „Wir wollen bei pflanzlichen Arzneimitteln, also in der Phyto-Pharmazie, weltweit eine führende Position einnehmen. Bei einer normalen Marktentwicklung können wir in den nächsten Jahren ein Mehrfaches unseres Umsatzes erreichen.“ Zugpferde sind hierbei nicht nur Atemwegs-, sondern auch Frauenheilmittel und ein urologisches Präparat. Weitere Innovationen sind in der Pipeline.

Die Frage nach dem Geheimnis seines Erfolgs beantwortet  der gelernte Apotheker Popp so: „Mit modernsten Forschungsmethoden kommen wir der Natur auf die Spur. Wir sind jetzt in der Lage, die Wirkung von Pflanzenarzneien mit wissenschaftlichen Studien eindeutig zu belegen.“ Deshalb würden immer mehr Ärzte  und  Apotheker  die  Präparate empfehlen: „Pflanzliche Arzneien haben nachweislich wenig Nebenwirkungen.“

Um so ein Arzneimittel her­zustellen, braucht man eine Menge Know-how. Alleine die Zucht geeigneten Saatguts von Heilpflanzen benötigt etwa sieben Jahre. Vertragsbauern bauen die Heilpflanzen nach strengen Vorschriften an. Nur so kann man über Jahre eine gleichbleibende Qualität gewährleisten.

Von 20.000 Litern bleiben 430 Kilo

Richtig kniffelig wird es beim Verarbeiten der Pflanzen. Bionorica hält hier eine Reihe von Patenten. Nur durch ein ausgeklügeltes Verfahren gelingt es, einen hohen Gehalt an wirksamen Substanzen zu erhalten. „Wir dampfen die Pflanzenextrakte über drei Tage ein. Dann bleiben von 20.000 Litern Flüssigkeit gerade mal 430 Kilo Pulver übrig“, erklärt Herstellungs-Leiter Joachim Erler. Das Konzentrat hat es dann allerdings in sich: „Die ätherischen Öle stecken da noch drin. Woanders pfeifen die Ihnen beim Trocknen schlicht durch den Kamin“, schildert Chemiker Erler.

Da schwingt schon etwas Stolz mit. Wie bei Azubi Fabian Mederer, Pharmakant im dritten Lehrjahr: „Es ist klasse hier. Denn man muss echt viel über Pflanzen und Anlagen wissen.“ Sein Traum: „Wenn es geht, bleibe ich hier!“ Die Aussichten sind gut, denn bisher hat Bionorica alle jungen Leute übernommen.

Sabine Latorre

Info: Bionorica AG

Die Bionorica AG produziert in Neumarkt (Oberpfalz) 14 pflanzliche Arzneimittel für Atemwege, Immunsystem, Frauenheilkunde, Urologie und Schmerzen. Jährlich verlassen knapp 40 Millionen Packungen das Werk. Gut die Hälfte der Produkte geht in den Export. 2008 setzten 870 Mitarbeiter damit weltweit rund 130 Millionen Euro um. Bionorica investiert 15 Prozent vom Umsatz in die Forschung.  

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