Wer schließt die Lücke?

Nationalelf sucht Nachfolger für Philipp Lahm – Betriebe suchen Fachkräfte-Nachwuchs

Berlin/Bonn. Er macht’s tatsächlich! Philipp Lahm hängt das Nationaltrikot an den Nagel. Nach dem Sieg bei der Fußball-WM hat der Kapitän seinen Rücktritt aus der deutschen Elf erklärt – und Bundestrainer Jogi Löw ein Problem beschert: Wer sichert hinten rechts die Abwehr? Wer schließt die Lücke?

Industrie, Handwerk und Handel geht es ähnlich. Bei ihnen klafft eine Nachwuchs-Lücke. Verließen vor zehn Jahren noch 965.000 Jugendliche die Schulen, sind es derzeit 110.000 weniger. Und immer mehr studieren. Jeder fünfte Ausbildungsbetrieb erhält deshalb inzwischen keine einzige Bewerbung mehr.

70 Prozent der Betriebe offen für Lernschwache

„Der Wettbewerb um die Schulabgänger wird weiter zunehmen“, sagt Werner Eichhorst vom Forschungsinstitut zur Zukunft der Arbeit in Bonn. Schon jetzt locken Unternehmen die Jugendlichen mit Geschenken wie Laptop, Smartphone oder Abo fürs Fitness-Studio.

Und die Betriebe weiten ihre Suche aus. Zum Beispiel auf lernschwächere Jugendliche, berichtet Bildungsexpertin Ulrike Friedrich vom Wirtschaftsverband DIHK in Berlin: „70 Prozent der Firmen sind grundsätzlich bereit, solche Schulabgänger auszubilden, sofern sie motiviert sind, Tendenz steigend.“ 260.000 dieser jungen Leute drehen zu oft „ineffiziente schulische Warteschleifen“.

Als interessante Kandidaten sehen die Firmen zunehmend Studienabbrecher. 100.000 Studenten geben jährlich auf. An der Aachener Hochschule etwa werben Betriebe gezielt um Aussteiger aus Informatik und Ingenieurwissenschaften.

Steigen soll auch der Anteil der Azubis mit Migrationshintergrund, die bisher nur jeder vierte Betrieb ausbildet. Seit einigen Monaten beraten Servicestellen in sechs Großstädten, gefördert vom Bildungsministerium, Jugendliche mit ausländischen Wurzeln beim Start ins Berufsleben. Die Adressen stehen unter ao5.de/5 online.

Und wie löst Jogi Löw sein Personalproblem? Als Kapitän könnte er Bastian Schweinsteiger, Manuel Neuer oder Sami Khedira gewinnen. Für die Lücke in der Abwehr aber wird er weiter suchen müssen.


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