Innovation

Nano-Teilchen halten Füße trocken


Der Berliner Lederpflege-Spezialist Collonil punktet mit „Nanopro“

Düse drauf, Deckel drauf, Etikett drauf – und ab in den Karton! Es geht rasant zu bei Pateludis Haratabos. Mit flinken Augen überwacht er den letzten Produktionsschritt beim  Berliner Schuh- und Lederpflege-Spezialisten Collonil: „Pro Stunde laufen hier 3.000 Sprühflaschen Nanopro vom Band.“

Das Produkt ist ein Kassenschlager, ist bei Collonil zu hören. Und das ist insofern bemerkenswert, als sich dieses Produkt ja gewissermaßen selbst überflüssig macht: „Ein einziges Mal imprägnieren macht Schuhe acht Wochen lang wasserdicht“, berichtet Ulrich Drechsler, der Forschungs- und Produktionsdirektor. „Das ist viel länger als bei herkömmlichen Pflegesprays. Die Füße bleiben trocken – auch bei Schneematsch oder Dauerregen.“

Der Trick mit den Mini-Zacken

Wie das funktioniert? Durch winzige Partikel im Spray, wenige hunderttausendstel Millimeter klein! Sie bilden auf dem Schuh eine gleichmäßig strukturierte Zacken-Schicht – und erzeugen einen raffinierten Einbahnstraßen-Effekt: Wassertropfen können wegen ihrer Oberflächenspannung nicht in den Schuh eindringen – aber die Abstände zwischen den Mini-Zacken lassen Wasserdampf wieder heraus, der Schuh bleibt dadurch besonders atmungsaktiv.

Ein gutes Dutzend weitere Bestandteile des Sprays geben den Zacken dauerhaften Halt. „Erst die spezielle Rezeptur macht die Schutzschicht nach dem Trocknen so extrem haftfähig“, erklärt Drechsler.

„Nanopro hat unser Sortiment perfekt ergänzt“, sagt Firmenchef Frank Becker. Und setzt hinzu: „Als Mittelständler, der ausschließlich in Deutschland produziert, können wir uns am  Weltmarkt nur mit einem innovativen, breiten Sortiment behaupten.“

Export in über 80 Länder

Zuletzt, im Jahre 2006, stieg der Umsatz um  10 Prozent, im wichtigen Exportmarkt Russland sogar um ein Drittel.  Insgesamt liefert Collonil in mehr als 80 Länder der Welt. Zum Sortiment gehören mehr als 1000 Produkte – darunter fast 300 Schuhcreme-Sorten in allen denkbaren Farbtönen, Reinigungsschaum, Poliermittel, Rauhledersprays, Pflegemittel für Auto- und sogar Flugzeugsitze.

Zum guten Ruf trägt auch der  Service bei. Weiterbildung für Fachverkäufer oder die

Lieferung  von  Schuhspannern und Schnürsenkeln sind selbstverständlich. Eine Schlüsselrolle spielt hier Petra Kölsch, die technische Kundenbetreuerin. Sie ist das Superhirn in Sachen Lederpflege. Wenn die Lieblingstreter der Kunden anscheinend unheilbar beschädigt sind, weiß sie ganz genau, mit welchem Collonil-Produkt sie noch zu retten sind. 

Uwe Rempe

 

Nano-Kügelchen aus Wolfen

Sensient Imaging Technologies macht Oberflächen kratzfest

Konzentriert beugt sich Christoph Roth über das gute Stück: eine teure, gräulich glänzende Platte aus Edelstahl. Greift ein Spezialwerkzeug mit der harten, scharfen Metall-Spitze – und macht mit kräftiger Bewegung einen dicken Kratzer.

Kratzer? Nicht der Hauch einer Spur ist zu sehen! Metall- und Kunststoffteile mit einer hauchdünnen Spezialschicht unverwundbar machen – das ist die Spezialität der Sensient Imaging Technologies GmbH im Chemiepark Bitterfeld- Wolfen. Als Forschungsleiter Nanotechnologie arbeitet der promovierte Chemiker Roth an immer feineren Rezepturen. Auf die Frage, was den Stahl vor dem Kratz-Stift schützt, antwortet er lapidar: „Ungefähr acht Nanometer große Kügelchen.“ Acht Nanometer – das ist 10.000 mal dünner als ein menschliches Haar!

Einfacher Sand als Ausgangsstoff

Die Kügelchen sind aus Polysiloxanen – eine Silizium-Sauerstoff-Verbindung, die sich aus Sand gewinnen lässt. Roth erläutert: „Wir lassen organisch modifiziertes Siloxan in einer Lösung zu diesen winzigen Teilchen wachsen – und vernetzen sie, etwa mit Polymeren.“ Dadurch wird übrigens ausgeschlossen, dass Nano-Partikel in irgendeiner Form in die Umwelt treten.

Als dünner, selbsthaftender Film wird das Material auf das Werkstück aufgetragen. „Je nach Kundenwunsch lassen sich wahlweise harte oder elastische Schichten herstellen“, ergänzt Sensient-Imaging-Geschäftsführer Olaf Gelsen.

Solche Spezialbeschichtungen, die Oberflächen kratzfest oder auch leicht abwaschbar machen, sind nur ein Teil des Produktspektrums. Außerdem fertigt das Unternehmen organische Photoleiter, die als  Beschichtung Drucker- oder Kopierertrommeln erst funktionieren lassen.

Viele neue Arbeitsplätze

Auch Chemikalien für organische Leuchtdioden  (OLEDs) sind im Produkt-Programm. „Die haben eine große Zukunft, etwa für Bildschirme oder Lampen“, ist sich Geschäftsführer Gelsen sicher.

Sensient Imaging Technologies, 1991 mit 20 Mitarbeitern gegründet, beschäftigt mittlerweile 55 Mitarbeiter. Der Jahresumsatz liegt noch unter 10 Millionen Euro. UR

 

Schon gewusst?

Harter Lack dank Nano

Mieze Minka will auf dem Parkett die Krallen schärfen. Doch sie rutscht nur aus ...! Der Grund dafür heißt „Acrylat-Nanokomposite“ – und kommt aus Leipzig, von der Cetelon Nanotechnik GmbH.

Dieser Lack,  mit dem man nicht nur Parkett versiegeln kann, ist hart im Nehmen. Warum, erklärt  Projektentwickler Reiner Mehnert: „Ein einziges Gramm der beigemischten Nano-Teilchen, aus Siliziumdioxid, hat eine Oberfläche von 380 Quadratmeter. Diese extrem zerklüftete Struktur sorgt für die Härte.“

Der Lack ist trotzdem transparent: Die Teile sind kleiner als die Wellenlänge des Lichtes und brechen es daher nicht. 

UR

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