Mittelstand

Nachwuchs-Pflege


Wie sich der oberfränkische Fernseh-Hersteller Loewe frühzeitig Fachkräfte sichert

Kronach. Sie werden gesucht wie die Nadel im Heuhaufen: qualifizierte Fachkräfte. Es fehlen vor allem Maschinen- und Anlagenbau-Ingenieure. Au­ßerdem gibt es zu wenige Elektro-Techniker und Metallfacharbeiter.

Weil aber unsere Gesellschaft immer älter wird und immer weniger junge Leute nachkommen, droht dieser Mangel schlimmer zu werden. Höchste Eisenbahn für Unternehmen zu reagieren. So wie der Fernsehgeräte-Hersteller Loewe in Kronach.

Das oberfränkische Unternehmen hat die Zeichen der Zeit erkannt. Um frühzeitig junge Leute an sich zu binden, lässt sich die Personalabteilung einiges einfallen: Schulpatenschaften, Arbeitskreise zur Berufs-Orientierung, Praktika, Betriebserkundungen oder Ge­sprächstrainings.

„Die Bewerber, das sind in­zwischen wir.“ So beschreibt Personalleiter Werner Kotschenreuther das Bemühen um den Nachwuchs.

Berührungsängste abbauen

Loewe gilt nicht nur in der Region als leuchtendes Vorbild, wenn es darum geht, Fachkräfte von morgen zu suchen und zu finden. Gleich mit fünf Schulen pflegt der Produzent von Premium-Fernsehgeräten eine intensive Zusammenarbeit. „So gelingt es vor allem, Berührungsängste der Schüler abzubauen“, lobt Franz Mairoser, Konrektor einer Realschule in Kronach, die nach dem Firmengründer Siegmund Loewe benannt ist.

Mit 1000 Mitarbeitern zählt Loewe zu den größten Arbeitgebern in Oberfranken. Das Un­ternehmen bietet nicht nur Be­triebspraktika, sondern auch Präsentations- und Bewerbungstrainings an. „Wenn man punkten will, muss man sich was einfallen lassen.“

Der Personalchef warnt: „Es reicht nicht, auf einer Messe ein paar Gummibärchen zu verteilen.“ Seit vier Jahren gibt es deshalb die Loewe Academy, ein Netzwerk mit Gymnasiasten und Studenten. Diese Akademie dient als Kontaktbörse, ermöglicht Einblicke in das Unternehmen oder fördert beispielsweise Diplom-Arbeiten.

Langer Atem erforderlich

Zudem engagiert sich Loewe für den Wettbewerb „Jugend forscht“. Was Kotschenreuther als gute Gelegenheit schätzt, um an vielversprechenden Nachwuchs zu kommen. „Allerdings braucht man dabei einen längeren Atem.“

Es geht nicht darum, kurz­fris­tig den Bedarf an Personal zu decken. Der ist derzeit noch kein Problem, versichert der Ausbildungsleiter für Elektroberufe, Wolfgang Weidenhammer, und belegt das mit Zahlen: „In unserer letzten Bewerbungsrunde für Auszubildende haben wir auf 14 Stellen 200 Bewerbungen bekommen.“ Die Ausbildungsquote liegt bei 10 Prozent, 100 Jung-Loewen gibt es derzeit in Kronach.

Weil aber auch langfristige Pers­pektiven zählen, hat sich die Firma zum Ziel gesetzt, die Region zu stärken. Bis 2020 werden die Schülerzahlen in Bayern um 24 Prozent sinken – und der Landkreis Kro­nach wird 15 Prozent weniger Einwohner zählen.

„Wir müssen deutlich machen, dass der Wirtschaftsraum Oberfranken den jungen Leuten gute Chancen bieten kann“, lautet das Rezept von Personalchef Kotschenreuther. „So stärken wir ihre Bindung an die Heimat.“

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Schlagwörter: Ausbildung

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