Menschen

Nacht-aktiv


Nuray Yilmaz arbeitet als Lageristin im Schichtdienst

Ottobrunn. Mit Energy-Drinks und Cola halten sich viele Schicht-Arbeiter wach. Nuray Yilmaz (46) reicht eine Tasse Milchkaffee nachts um halb drei. „Dann geht’s schon wieder“, sagt sie lässig. Bis zum Morgengrauen entschlüpft der fröhlichen Frau kein Gähnen. Erst wenn in den Häusern ringsum die Wecker klingeln, geht sie ins Bett.

Am Packtisch geht alles ruck, zuck

Abends um zehn Uhr kehrt die Lageristin an ihren Arbeitsplatz in der Tyco Electronics Raychem GmbH zurück. Das Unternehmen in Ottobrunn bei München gehört zum Schweizer Konzern TE Connectivity. Circa 650 Mitarbeiter sind hier beschäftigt, etwa 250 von ihnen sind im Schichtdienst eingesetzt.

Eine leuchtende Warnweste über dem blauen Kittel, auf der Nase eine große Schutzbrille – so stellt die Türkin mit deutschem Hauptschul-Abschluss im „Kit-Center“ Elektrotechnik-Bausätze, die „Kits“, zusammen. Mit solchen Kabelgarnituren beliefert die Energiesparte von TE Connectivity die meisten Stromversorger der Welt, die Großindustrie und das Elektro-Handwerk.

Mehrere Tausend Sets hat der Unternehmensbereich im Programm. Die größten bestehen aus 50 Einzelteilen. „Da muss ich mich konzentrieren“, sagt Yilmaz. „Das hält wach.“

Geschickt packt die schlanke Frau Schläuche aus schwarzem Gummi, Kabel, Stecker und Metallbänder in Folien und Pappkartons. Stellt der Gabelstapler eine neue Palette vor ihr ab, kontrolliert sie, ob alle Teile da sind. Sie misst nach und hakt Stück für Stück auf der Auftragsliste ab. Das geht ruck, zuck. „Langsam arbeiten mag ich nicht“, sagt die zweifache Mutter, die seit 26 Jahren für Tyco Electronics Raychem tätig ist.

Ihr ältester Sohn war eineinhalb Jahre alt, als sie tagsüber von 7 bis 16 Uhr zu arbeiten begann. Als ihr Jüngster in die Schule kam, stellte die Alleinerziehende auf Früh- plus Spätschicht um. Musste sie im Morgengrauen aus dem Haus, weckte sie die Jungs per Telefon. Yilmaz: „Das hat gut geklappt.“

Inzwischen sind sie erwachsen. „Zu Hause kann ich nun tun und lassen, was ich will“, sagt die TE-Mitarbeiterin. Frühstück gibt es bei ihr mittags um zwölf. Ihr „Mittagessen“ ist für andere das Abendbrot. Vor fünf Jahren entschied sich Yilmaz für das „vollkontinuierliche Schichtmodell“. „Das lohnt sich finanziell“, sagt sie.

Manfred Müller, der Leiter des Kit-Center, erklärt, warum rund um die Uhr produziert wird: In dem Betrieb werden Gummi-Schläuche zum Verbinden von Kabeln hergestellt.

Der zähflüssige Kunststoff wird warm verarbeitet. Bei jedem Abschalten und Anfahren der Maschinen entsteht Plastikabfall. Das will man vermeiden.

Nach der Schicht Zeit fürs Enkelkind

Früh-Spät-Nacht ist daher der Rhythmus, in dem Yilmaz‘ Leben tickt. Zu arbeiten, wenn andere schlafen, stört die geborene „Nachteule“ nicht. Sie gesteht: „Es ist eher die Frühschicht, die mir im Magen liegt.“

Keine Schicht dauert länger als drei Tage. Nach jedem Durchlauf hat Yilmaz ein paar Tage frei – da geht sie einkaufen oder spielt mit ihrem Enkelkind.

Am Packtisch ist immer Hochbetrieb. Das Werk pausiert nur an Weihnachten und Neujahr. Yilmaz‘ Erfolgsrezept: „Locker bleiben und positiv denken.“

 

Meine Arbeit

Wie kamen Sie zu Ihrem Beruf?

Mein Vater und mein Bruder haben beide für Tyco gearbeitet. Nach dem Schulabschluss habe ich mich als Lageristin beworben und hatte gleich ein Einstellungsgespräch. Am nächsten Tag fing ich an. 

Was reizt Sie am meisten?

Am Ende einer Schicht sehe ich, was ich alles geschafft habe. Die Pakete sind sauber auf die Paletten gestapelt, bereit für die Endkontrolle und den Versand. 

Worauf kommt es an?

Genaues und schnelles Arbeiten ist wichtig in meinem Job. Das gilt auch nachts. Kein Teil darf am Ende in dem Bausatz fehlen.

 

Artikelfunktionen


'' Zum Anfang