Personaltausch

Nachbarschaftshilfe der anderen Art


Wie man Stellen sichert: Betriebe teilen sich Mitarbeiter

Markus Renner müsste eigentlich Däumchen drehen. Seinen Arbeitgeber, den Autozulieferer Osterrath in Bad Laasphe, hat die Krise ausgebremst. Trotzdem schiebt Renner Woche für Woche Überstunden.

Im Rahmen eines Mitarbeitertausches wurde er von seinem Chef an den Gießerereimaschinen-Spezialisten Heinrich Wagner Sinto (HWS) ausgeliehen – ein paar Straßenzüge weiter. „Das läuft sehr unkompliziert“, versichern die beiden HWS-Geschäftsführer Andreas Kirchner und Klaus Wilbert.

Es ist nur eine von unzähligen Facetten von Arbeitsplatz-Sicherung in schweren Zeiten. Das Gesamtergebnis kann sich sehen lassen – wie der folgende Vergleich zeigt: Seit am 15. September 2008 die spektakuläre Pleite der Investmentbank Lehman Brothers die globale Wirtschaftskrise auslöste, haben in den USA im Durchschnitt 22 von 1.000 Einwohnern ihren Arbeitsplatz verloren. In Nordrhein-Westfalen traf es dagegen lediglich 3 von 1.000.

Und so arbeitet Markus Renner gerade an einer Vakuum-Formanlage, mit der ein ausländischer Kunde Eisenbahn-Fahrgestelle fertigen will. Einmal montiert, wird sie ein ganzes Fußballfeld ausfüllen. „Hier ist alles eine Nummer größer“, so Renner, der normalerweise Stanz- und Umformteile fertigt.

Möglich macht diesen Jobwechsel auf Zeit der Tarifvertrag zur Arbeitnehmerüberlassung. Geschlossen wurde er 2009 zwischen dem Verband der Siegerländer Metallindustriellen und der IG Metall. Idee: Betriebe mit geringer Auslastung können Fachkräfte an solche zeitweise abtreten, die mit der Arbeit kaum nachkommen.

10 Unternehmen und 100 Mitarbeiter haben diese Chance bereits genutzt.

Die clevere Idee, die inzwischen auch von den Tarifparteien im Ruhrgebiet übernommen worden ist, funktioniert so: Die Firma Osterrath bleibt der eigentliche Arbeitgeber von Markus Renner, überweist ihm auch sein Entgelt – und wird von dem Ersatz-Betrieb auf Zeit für die geleisteten Stunden bezahlt.

Und er könnte Renner schon bald zurückholen. „Meiner Firma geht es inzwischen besser“, sagt der erfahrene Metaller zuversichtlich: „Ich freue mich, wenn ich auch dort wieder gebraucht werde.“

 

www.wagner-sinto.de/deutsch/index.html

www.arbeitgeberverbaende.de

 

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