Neustart aus Ruinen

Nach einem Brand geht es beim Gummiteile-Hersteller Kuhn wieder bergauf

Gelnhausen. Lautes Zischen dringt durch die offenen Türen der neuen Halle: Die Produktion des Gummiteile-Herstellers Kuhn in Gelnhausen (Hessen) läuft auf Hochtouren. Drinnen glänzen moderne Maschinen; es riecht nach frischem Holz und Farbe.

Nur an der Fassade des Seitengebäudes klebt noch etwas schwarzer Ruß. Und auch eine alte Brandschutztür mit verkokeltem Griff zeugt von dem Feuer im November 2012. „Es war ein Albtraum“, sagt Geschäftsführerin Karin Kuhn.

„Letztendlich hat es uns sogar zusammengeschweißt“

Sie stand damals nur wenige Meter entfernt, als sich bei Dachdeckerarbeiten an einer Produktionshalle die Dämmplatten entzündeten. „Ich habe drei, vier Fünkchen hüpfen sehen, dann war es auch schon zu spät.“ Die Halle brannte komplett ab. Das Familienunternehmen mit 20 Mitarbeitern stand vor dem Ruin. Doch nach knapp zwei Jahren ist das Schlimmste überstanden. „Die Kunden sind geblieben“, berichtet Firmenchef Jan Moos-Kuhn. „Unsere Zukunftsperspektive ist sogar besser als vorher.“

Die Firma konnte zwei zusätzliche Stellen einrichten. Zudem beginnen im Herbst erstmals wieder zwei Jugendliche ihre Ausbildung in dem Betrieb. Das sei auch ein Signal, betont Moos-Kuhn: „Jetzt geht es wieder bergauf.“

Möglich war das nur, weil alle mitgeholfen haben. Mehrere Betriebe aus der Umgebung sprangen ein, damit die Firma Kuhn ihre Aufträge liefern konnte (AKTIV berichtete). Die Mehrkosten dafür übernahm die Versicherung. Allerdings nur ein Jahr lang. „Wir standen unter enormem Zeitdruck, dass wir wieder hier produzieren mussten“, berichtet der Inhaber.

Als rund ein Jahr nach dem Brand die neuen Maschinen geliefert wurden, war nur das Dach fertig. Die Seiten wurden mit Planen abgehängt – der Chef erinnert sich noch gut daran, wie ein Mitarbeiter („eingepackt wie ein Eskimo“) halb im Schnee stehend einen Automaten unter einer Plastik-Abdeckung bediente. „Das war echt hart“, sagt er. „Aber letztendlich hat es uns zusammengeschweißt.“

Jetzt ist das Unternehmen bestens aufgestellt. Die Maschinen sind neu, die Produktionshalle größer. Die Spritzgussautomaten ermöglichen es, zusätzliche Gummiformartikel herzustellen – und so neue Aufträge zu gewinnen. Für 2013 berichtet man über 35 Prozent Umsatzplus, auch für 2014 rechnet man mit Wachstum. „Jetzt fängt es wieder an, Spaß zu machen“, sagt Moos-Kuhn.


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