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Nach dem großen Brand hilft die Konkurrenz


Gelnhausen. Inzwischen zeugt nur noch ein Rußstreifen an der Fassade eines Nebengebäudes von dem Inferno: Im November 2012 entzündeten sich bei Dachdeckerarbeiten an einer Produktionshalle des Gelnhausener Gummiteileherstellers Kuhn die Dämmplatten, die Halle brannte komplett aus. „Der Sachschaden von 2,6 Millionen Euro ist Sache der Versicherung“, berichtet der Geschäftsführer Jan Moos-Kuhn. „Aber ein monatelanger Produktionsstillstand wäre existenz­bedrohend.“

Deshalb bekommt die 20-Mann-Firma jetzt Nothilfe – von der Konkurrenz! Gelnhausen, auf halber Strecke zwischen Frankfurt und Fulda, ist „Gummiland“, so Moos-Kuhn: Eine ganze Reihe von Kautschuk verarbeitenden Betrieben fertigt dort Dichtungen, Schläuche, Tüllen. Den angeschlagenen Mitbewerber zu unterstützen, sei „eine Selbstverständlichkeit“, sagt etwa Michael Horst, Geschäftsführer der Gebr. Horst Gummiwarenfabrik GmbH & Co. KG.

Bis der brandgeschädigte Betrieb wieder komplett selbst fertigen kann, übernimmt Horst einen Teil der Produktion. Nicht unentgeltlich, aber durchaus mit Blick auf das gute Miteinander: „Man muss ja immer davon ausgehen, dass so ein Fall einen auch selbst treffen könnte.“ Aus eigenen Verträgen wisse er um die Hartnäckigkeit der Abnehmer: Die drängten auch bei höherer Gewalt auf pünktliche Lieferung.

Kuhn-Geschäftsführerin Karin Kuhn bestätigt: „Beliefern wir die Kunden nicht, springen sie ab. Und ist ein Kunde weg, bleibt er es auch.“

Aus diesem Grund, so führt sie aus, wäre mit der Versicherungssumme allein der Schaden für das Unternehmen keinesfalls zu beheben gewesen. Die Auftragsbücher der Firma Kuhn sind voll, aber die Fertigung bestimmter Pressteile ist wegen des Brandes derzeit nicht mehr möglich.

Auch die Kunststoff-Technologie GmbH (K.U.K.T.) hilft aus. Ihr Vertriebsleiter Markus Lyncker berichtet, man habe sich bei Produktionsengpässen schon öfter gegenseitig unterstützt – „es war sofort klar, dass wir da jetzt auch mitmachen“. Das enge Netzwerk von Firmen der gleichen Branche, ein sogenanntes Cluster, sei ein Wert für sich, betont Lyncker: Es sichere die Gummi-Expertise am Standort, die Firmen seien aufeinander angewiesen.

Für die Unterstützung sei man sehr dankbar, sagt Kuhn-Vertriebsleiter Timo Ungermann. Aber eine Dauerlösung sei das natürlich nicht. „Das ist ein großer logistischer Aufwand.“ Ein Mitarbeiter sei vormittags zwei Stunden damit beschäftigt, Formen und Rohmaterial zu Horst, K.U.K.T. und drei weiteren Firmen zu fahren, die sich an der Hilfe beteiligen.

Bis Frühjahr 2014, glaubt Ungermann, werde sich das noch hinziehen. Die Brandruine ist inzwischen abgerissen, Architektenpläne sind gemacht und neue Produktionsmaschinen stehen bereits abholbereit bei den Herstellern. Doch Versicherung und Behörden blockierten derzeit den Wiederaufbau des Unternehmens, klagt der Vertriebsleiter. „Denen ist gar nicht bewusst, was da alles dranhängt.“

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