Schulbildung

"Nach dem Abi werde ich Ingenieurin"


Innovationszentrum Bochum: Experimente begeistern Schüler für Technik

Gleich wird es spannend: Schnell noch die letzte Schraube festziehen, dann kön­nen Alexandra und Julia die selbst gebaute Lichtschranke testen. Sie halten ein Becherglas mit einer pinkfarbenen Flüssigkeit zwischen die beiden schwarzen Bausteine mit Lampe und Sensor. Nichts ge­schieht. Sie tropfen etwas Reagenz ins Glas. Das Pink wird blass und blasser. Sonst geschieht nichts. Sie tropfen weiter. Jetzt ist die Flüssigkeit ganz klar. Da passiert es: Ein kleiner Propeller beginnt sich zu drehen. „He, es klappt!“, jubelt Alexandra. „Der Sensor reagiert.“

Alexandra und Julia haben Technik-Unterricht im Innovationszentrum Schule-Technik in Bochum. Lehrer Klaus Trimborn, der Gründer des Zentrums, baut mit den Schülern der 9b des Heinrich-von-Kleist-Gymnasiums aus Teilen eines Elektronik-Baukastens und einem Industrie-Steuerungsmodul in zehn Stunden das Modell einer Neutralisierungsanlage.

„Die gibt es in einer Menge Chemie-Betriebe“, schildert Trimborn. „Darin werden zum Beispiel saure Abwässer per Pumpe mit Lauge neutralisiert. Ein Sensor misst diesen Vorgang und schaltet die Pumpe ab. Im Unterricht machen wir das mit der Lichtschranke.“ Demnächst will er mit der Klasse ein Klärwerk der Emscher-Genossenschaft besichtigen.

Ingenieure dringend gesucht

Mit solchen Experimenten will Trimborn bei den jungen Leuten Freude an Mathe, Informatik, Naturwissenschaften und Technik – kurz: MINT – wecken. Denn er weiß, wer den Spaß daran früh  genug entdeckt, studiert später eher eine Naturwissenschaft oder ein Ingenieur-Fach.

Nachwuchs ist da dringend nötig. Selbst jetzt in der Krise sind etwa 60.000 Ingenieurstellen in Deutschland unbesetzt. Und wenn die Wirtschaft richtig anzieht, dürfte die Lücke wieder größer werden, sagen Ex­per­ten voraus.

Deshalb unterstützen die Emscher-Genossenschaft, einige Bochumer Unternehmen sowie die MINT-Stiftung Ruhr/Vest das Projekt des Technik-Lehrers.

Mitmach-Museen wie das Odysseum in Köln oder die Phänomenta in Lüdenscheid könnten zwar das Interesse an Technik wecken, sagt Trimborn. Ohne regelmäßigen Unterricht verpuffe das jedoch wieder. Aber Technik-Unterricht bieten nur die wenigsten Schulen, Gymnasien schon fast gar nicht. Es fehlt an Lehrern und Ausstattung.

Im Nu 100.000 Euro gesammelt

„Das schafft man also nur im Verbund“, dachte sich der Technik-Lehrer – und rannte mit seiner Idee vor drei Jahren einige Türen ein. Zum Beispiel beim Innovationsministerium in Düsseldorf sowie bei den Arbeitgebern. „Innerhalb von vier Wochen hatten wir 100.000 Euro Sponsoren-Gelder.“ Auch in diesem Jahr steuert die Wirtschaft eine ähnliche Summe bei.

Das Ergebnis: Vier moderne Labors für Technik-Experimente sind entstanden. Schülerteams modellieren hier am Laptop kleine Rennwagen, bauen Lego-Roboter oder experimentieren mit Solarzellen. Inzwischen nutzen 600 Jugendliche aus 16 Gymnasien und Gesamtschulen die Labors regelmäßig. Technik ist für sie dadurch ein normales Schulfach geworden.

Wie zum Beispiel für Ann-Christin Skirde. Einmal die Woche kommt sie aus Castrop-Rauxel her. Und probiert vieles aus: „Wir konstruieren ein Rennauto am PC, fräsen es aus Metall und bauen einen Antrieb ein“, erzählt sie begeistert. Für die junge Frau ist klar: „Nach dem Abi will ich Ingenieurin werden – oder Technik-Lehrerin.“

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Schlagwörter: Naturwissenschaften

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